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Bayern-Niederlage: "Rückfall in alte Zeiten"

Titelverteidiger VfB Stuttgart hat den FC Bayern München am 13. Spieltag der Bundesliga entzaubert und dem Tabellenführer die erste Niederlage der Saison beigebracht. Kein Wunder, dass Trainer Ottmar Hitzfeld aus der Chefetage ordentlich eins auf den Deckel bekam.

Direkt nach der Demütigung beim deutschen Meister hielt sich das Donnerwetter in Grenzen, nur Franz Beckenbauer watschte die schwachen Bayern-Profis mit schonungsloser Kritik ab. "Das war ein Denkzettel. Es fehlt an allem. Das ist ein Rückfall in alte Zeiten." Die nächsten Tage dürfte das ohnehin angespannte Klima beim FC Bayern München damit noch rauer werden. "Wir werden unsere Lehren aus dem Spiel ziehen. Jeder weiß, dass wieder ein frischerer Wind weht", kündigte Trainer Ottmar Hitzfeld Konsequenzen nach der 1:3 (0:3)-Schlappe im Südgipfel beim VfB Stuttgart an.

Gefährlicher als das Granteln des Ober-Bayern Beckenbauer in seiner Funktion als Co-Kommentator bei "Premiere" dürfte allerdings Uli Hoeneß' Schweigen nach der ersten Saisonniederlage sein. Mit hochrotem Kopf stapfte der Münchner Manager an den Medienvertretern vorbei und beließ es bei einem bissigen "auf Wiedersehen. Ich habe nichts zu sagen". Die passenden Worte wollte er sich wohl für einen internen Rundumschlag aufheben.

Bis auf den früheren VfB-Profi Philipp Lahm und den in der Hierarchie des Starensembles weit unten stehenden Christian Lell schlichen auch alle Bayern-Spieler schweigend davon. "Wir können überall nach Ausreden suchen, aber das bringt nichts", wies Lahm allein dem Team die Schuld am schwachen Auftritt zu. "Wir haben einfach unkonzentriert gespielt." Zum Reizthema Rotation meinte der Nationalverteidiger nüchtern: "Das kann keine Entschuldigung dafür sein, dass wir so verloren haben."

Hitzfeld kontert gegen Rummenigge

Hitzfeld verteidigte den Austausch des halben Teams gegenüber dem mageren 2:2 im UEFA-Cup mit seinen personellen Möglichkeiten: "Ich habe eine großartige Mannschaft und eine großartige Bank. Jeder hat es verdient, Stammspieler zu sein. Wenn man rotiert und verliert, kriegt man auf die Schnauze, wenn man rotiert und gewinnt, ist das normal." Ein klarer Konter gegen Karl-Heinz Rummenigge, der nach der Partie gegen Bolton Wanderers den Trainer wegen der Rotation gerügt hatte. Jetzt ruderte der Vorstandsvorsitzende des Rekordmeisters etwas zurück: "Wir haben seit zwei, drei Wochen Probleme. Und wenn einem Dinge nicht gefallen, muss man als Vorstandsmitglied die Möglichkeit haben, das anzusprechen. Das heißt aber nicht, dass ich ein Problem mit Ottmar Hitzfeld habe."

Ebenfalls nur via TV nahm Torhüter Oliver Kahn den Trainer in Schutz: "Es ist völlig normal, dass man bei zwei Partien innerhalb von zwei Tagen versucht, es ein bisschen taktisch anzugehen und den einen oder anderen Spieler schont. Es ist keine leichte Aufgabe für den Trainer." Ansonsten hatte auch der Bayern-Kapitän keine Erklärung für lange lethargischen Auftritt der Münchner, die neben den Punkten auch noch Abwehrchef Lucio wegen einer Unbeherrschtheit durch Platzverweis verloren.

Die Luft wird dünn auf den oberen Tabellenplätzen

Der nur noch einen Punkt vor dem Verfolger-Duo Werder Bremen und Hamburger SV liegende Bundesliga-Spitzenreiter ließ alle Qualitäten eines Top-Teams vermissen, die den VfB diesmal wieder auszeichneten. "Stuttgart war uns klar überlegen und somit verdienter Sieger", bilanzierte Hitzfeld ebenso enttäuscht wie zutreffend. "Ich bin überzeugt, das waren zwei lehrreiche Stunden."

Anschauungsunterricht in punkto Aggressivität, Kombinationsspiel, Laufbereitschaft und Einstellung boten die Schwaben bei ihrer besten Saisonleistung. Erstmals trumpfte der Titelverteidiger über weite Strecken meisterwürdig auf und bestätigte die positive Trendwende der letzten Tage. Mario Gomez (10. und 42. Minute) und der zur Halbzeit wegen einer Oberschenkelprellung ausgewechselte Yildiray Bastürk (30.) mit seinem ersten Treffer für den VfB stellten früh die Weichen auf Sieg. Luca Toni gelang mit dem 9. Saisontreffer nur noch Ergebniskosmetik (86.).

"Wir waren gesamtheitlich gut", lobte Armin Veh seine Schützlinge. "Wir haben nach der Rückkehr einiger Spieler wieder mehr Qualität im Kader, auch wenn wir noch nicht bei 100 Prozent sind." Bis zur Winterpause will der von einem Magen-Darm-Virus geschwächte Trainer noch "viele Punkte holen" und dann möglichst "an die Leistung der Vorsaison" anknüpfen.

Elmar Dreher und Ulrike John/DPA / DPA

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