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Bayern schlagen Juventus Turin 2:0: Erfolgreich im Nahkampf

Der FC Bayern hat gegen Juventus Turin das Halbfinale der Champions League erreicht. Die Italiener wehrten sich mit allen Mitteln. Doch die Bayern ließ das kalt - sie schlugen durch Mandzukic zurück.

Von Tim Schulze

Vor dem Rückspiel der Bayern gegen Juventus Turin im Viertelfinale der Champions League hatte es martialische Töne gegeben. Juve-Angreifer Mirko Vucinic hatte vorsorglich angekündigt, "das Heimspiel in einen Krieg" zu verwandeln. Markige Worte waren das, über die sich Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge ziemlich ärgerte. Ein Grund für den verbalen Ausfall war selbstverständlich die Tatsache, dass die Italiener im Hinspiel in München eine klare 0:2-Niederlage kassiert hatten und ohne jede Chance gegen die bärenstarken Bayern waren.

Jetzt, vor dem entscheidenden Rückspiel, versuchte sich Vucinic also in psychologischer Kriegsführung. Schaut man auf das Ergebnis, bleibt festzuhalten: Der plumpe Versuch ging gründlich in die Hose. Die Bayern spielten zwar nicht so zwingend und stark wie im Hinspiel, kochten den Gegner aber unterm Strich mit Klasse und Kampf ab. Wieder hieß es am Ende 2:0 durch Tore von Mario Mandzukic und Claudio Pizarro. Die Bayern stehen neben Borussia Dortmund im Halbfinale, dort warten mit Real Madrid und dem FC Barcelona die spanischen Vertreter. "Wir haben uns nicht aus der Ruhe bringen lassen, clever gespielt. Wir sind verdient weitergekommen, darauf können wir stolz sein", sagte Nationalkeeper Manuel Neuer.

Mandzukic für erstes Halbfinalspiel gesperrt

Der angekündigte "Krieg" entpuppte auf dem Rasen des neuen Turiner Stadions zum Glück für die deutschen Gäste eher als ständiges Hauen und Stechen. Schon im Hinspiel war es giftig zugegangen, besonders im Duell zwischen Franck Ribéry und Arturo Vidal, der im Rückspiel gelbgesperrt fehlte. Diesmal forderte die rauhe Gangart allerdings ein Opfer. Bayern-Verteidiger Daniel van Buyten musste bereits in der 35. Minute gegen Jerome Boateng ausgewechselt werden. Der Belgier hatte zehn Minuten zuvor bei einem Zweikampf die Hand vom "kriegslüsternen" Vucinic ins Auge bekommen. Eine verschwommene Sicht und Kopfschmerzen waren die Folge. Vucinic fuchtelte in vielen Zweikämpfen mit den Armen, als wäre er Darsteller in einem Martial-Arts-Film.

Nach dem Führungstreffer der Bayern in der zweiten Halbzeit drehte der Montenegriner noch mehr auf, so dass sich Bayern-Coach Jupp Heynckes ernsthafte Sorgen um die Gesundheit seiner Spieler machte. Irgendeiner wälzte sich immer mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden. Das war bedauerlich. Denn Vucinic war auch der beste Spieler seiner Mannschaft. Mit seiner Technik und Schnelligkeit brachte er Bayern-Abwehr oft in die Bredouille.

Umso erstaunlicher war es, dass der spanische Schiedsrichter Carlos Carballo nur zwei gelbe Karten verteilte. Eine davon ging an Mario Mandzukic (die andere an Juves Bonucci), nachdem er mit Juve-Verteidiger Giorgio Chiellini zusammengeprallt war. Der hatte sich allerdings durch eigenes Verschulden schmerzhaft weh getan. Doch es nützte nichts. Mandzukic ist für das erste Halbfinalspiel gesperrt. Der kroatische Angreifer nahm es allerdings ziemlich gelassen. Die Tatsache, dass die Uefa ausgerechnet einen Spanier das Bayern-Spiel pfeifen ließ, wiegt da schon schwerer. Carballo lieferte jedoch nach der gelben Karte für Mandzukic keine weiteren Anlässe zu Spekulationen, ob er zum Vorteil der möglichen Halbfinal-Gegner Real oder Barcelona die Bayern schwächen wollte - außer dass er viele grobe Fouls einfach durchgehen ließ, allerdings auch von Bayern-Seite.

Turin ist phasenweise ebenbürtig

Mandzukic stand an diesem Abend bei milden Temperaturen in Turin für die Stärke der Bayern. Chiellini, neben Vucinic der zweite Turiner Nahkämpfer, traktierte ihn während der gesamten 90 Minuten mit derart vielen Ellenbogenschlägen am Kopf und im Nacken, dass man ihm am liebsten einen Schutzhelm gewünscht hätte. Doch Mandzukic ließ sich von den Attacken nicht beeindrucken, so wie die gesamte Mannschaft, die kühlen Kopf bewahrte. Mandzukic ließ sich wie sein gesamtes Team nicht provozieren oder auf überflüssige Diskussionen ein. "Ich habe wieder viele Schläge bekommen. Aber das ist normal, ich kann das alles aushalten, für die Mannschaft mache ich das gerne. Ich mag das. Das pusht mich nach vorne“, sagte er nach dem Spiel mit einem Grinsen im Gesicht.

Die Bayern hielten robust dagegen. Und sie machten das, was sie besonders gut können: Sie lauerten auf ihre Chance. In der ersten Halbzeit war Turin ebenbürtig. Aggressiv und unter extrem hohen läuferischen Einsatz setzten sie die Bayern immer wieder unter Druck. Allerdings ergaben sich kaum zwingende Torchancen, und wenn, war Neuer im Tor zur Stelle, so wie beim Freistoß von Andrea Pirlo in der 23. Minute direkt von der Strafraumgrenze.

Juve zwang die Gäste mit seinem kampfbetonten Spiel zunächst zu vielen Fehlern. Schweinsteiger produzierte in den ersten 30 Minuten eine Reihe von Fehlpässen. Auch Thomas Müller kam schwer ins Spiel. Die Bayern hatte es mit einem Gegner zu tun, der alles daransetzte, seine kleine Chance zu nutzen. Doch das Team von Jupp Heynckes ließ nicht beirren. Ribery und Robben beschäftigten mit Dribblings die gegnerische Abwehr. Als in der zweiten Halbzeit langsam die Kräfte der Turiner schwanden, setzten die Bayern gefährliche Konter und bekamen das Spiel in den Griff. Zunächst scheiterte Robben nach einem weiten Abwurf von Neuer knapp am Pfosten. Dann trat Schweinsteiger, der sich erheblich gesteigert hatte, und damit auch die Bayern, einen Freistoß. Martinez' Schuss ließ Juve-Keeper Gianluigi Buffon nur abklatschen, Mandzukic war mit dem Kopf zur Stelle.

Robben: Halbfinale wir ein Spektakel

Das war die Entscheidung in der 64 Minute. Juventus hätte jetzt vier Tore schießen müssen, um die Bayern aus dem Wettbewerb zu werfen. Ein echtes Aufbäumen der Turiner blieb aus. Nur Vucinic pflügte weiter im Kampfmodus über den Rasen. Den Schlusspunkt setzte der eingewechselte Claudio Pizarro in der Nachspielzeit mit seinem Tor zum 2:0. Jetzt wartet in zwei Wochen das Halbfinale. Bis dahin will sogar der strenge Mahner Matthias Sammer dem erfolgreichen Team ein bisschen Zeit zum "Durchschnaufen" lassen. Die Auslosung findet an diesem Freitag statt. Die Bayern sind gerüstet. "Das wird natürlich ein Spektakel im Halbfinale, wie es auch ausgeht", urteilte ein entspannter Arjen Robben nach dem Spiel.

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