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Bundesliga-Finale: Titelkampf fesselt Fußball-Deutschland

Die Euphorie erinnert an die WM 2006: Deutschland liegt wieder im Fußballfieber. Der Dreikampf zwischen Schalke, Stuttgart und Bremen sorgt für Hochspannung. Ausgerechnet im brisanten "Revierderby" könnte heute (ab 15.30 Uhr im stern.de-Live-Ticker) die Entscheidung fallen.

Meisterkrimi und Abstiegsdrama - am Wochenende hält Fußball-Deutschland den Atem an. Das spannendste Titelrennen seit fünf Jahren und der nicht minder aufregende Kampf um den Klassenverbleib garantieren Nervenkitzel. Der zweitletzte Spieltag einer sportlich eher mäßigen, aber unterhaltsamen Saison beschert den TV- und Rundfunksendern Rekord-Einschaltquoten und den Clubs volle Stadien. Nicht nur Schalke-Kapitän Marcelo Bordon bereitet die brisante Ausgangsposition vor dem Derby bei Borussia Dortmund schlaflose Nächte: "Ich will nicht lügen, aber ich kann nicht gut schlafen im Moment. Ich gehe das Spiel in Gedanken durch."

König Fußball übernimmt die Regie: Sendezeiten in Rundfunk und Fernsehen wurden verlängert, Ordnungskräfte und Polizei auf einen Großeinsatz vorbereitet. Vor allem das Ruhrgebiet rückt in den Mittelpunkt des Interesses. Der insgesamt 129. Schlager in Dortmund sowie das Spiel des VfL Bochum gegen den Tabellenzweiten aus Stuttgart mobilisieren die Massen. Bis zu 180 000 Fans werden in den beiden Stadien und beim zeitgleichen Public Viewing in der Veltins- Arena erwartet. "Ich habe in meiner Zeit als Profi viele Derbys in Hamburg und Rom miterlebt, aber das hier übertrifft alles", sagte BVB-Trainer Thomas Doll.

VfB mit viel Respekt vor Bochum

Der "Pott" kocht. Ausgerechnet im Stadion des Erzrivalen könnte der FC Schalke (65 Punkte) erstmals seit 49 Jahren wieder die Meisterschaft feiern. Das setzt allerdings einen eigenen Sieg und eine Niederlage der Stuttgarter (64 Punkte) in Bochum sowie einen Punktverlust der Bremer (63) im Heimspiel gegen Frankfurt voraus. Ein erneutes Trauma wie im Jahr 2001, als das Team auf der Zielgeraden noch abgefangen wurde, wollen sich die seit dem 20. Spieltag führenden Schalker ersparen. Trainer Mirko Slomka ist zuversichtlich: "Ich kann den Fans mit auf den Weg geben, uns zu vertrauen und abzustreifen, was einmal gewesen ist."

Keine 20 Kilometer entfernt kämpft der VfB Stuttgart um die laut Club-Präsident Erwin Staudt "gigantische Chance". Doch so leicht wie beim 4:1-Sieg im DFB-Pokal Mitte Dezember an gleicher Stätte wird es diesmal nicht werden. Der jüngste Aufwärtstrend des Gegners mit zuletzt fünf Siegen in sechs Spielen stimmt Trainer Armin Veh nachdenklich. Von einem Selbstläufer könne deshalb keine Rede sein: "Anscheinend hat noch niemand bemerkt, dass die Bochumer noch in den UEFA-Cup kommen können. Die haben eine Riesensaison gespielt." Das Hauptaugenmerk gilt VfL-Torjäger Theofanis Gekas: Immerhin traf der Grieche in den vergangenen elf Spielen 13 Mal.

Mainzer Torwart mit gebrochener Nase im Kasten

Werder Bremen hat von allen drei Titelaspiraten zwar die schlechteste Ausgangsposition, aber die vermeintlich leichteste Aufgabe. Vor dem Heimspiel gegen den noch nicht geretteten Tabellen- 14. aus Frankfurt (37) sorgten die Zusagen der umworbenen Profis Miroslav Klose, Torsten Frings und Naldo für Rückenwind. Von den Rückschlägen der vergangenen Wochen ist nach Einschätzung von Trainer Thomas Schaaf nichts mehr zu spüren: "Der Wille ist da, das Beste abzurufen. Das merkt man schon die ganze Woche beim Training."

Nicht nur an der Spitze, sondern auch im Tabellenkeller könnte es zu einer Vorentscheidung kommen. Bleiben die Mainzer (31) auch in ihrem achten Spiel in Serie sieglos, folgen sie Gegner Borussia Mönchengladbach in die 2. Liga. Noch will sich Trainer Jürgen Klopp nicht mit diesem Schicksal abfinden. Torhüter Christian Wetklo soll trotz gebrochener Nase mit einem Spezialverband spielen. "Was soll schon passieren. Schlimmstenfalls bricht er sich die Nase noch einmal", sagte der Fußball-Lehrer.

Ein "Endspiel" um den Klassenverbleib bekommen die Fans in Aachen geboten, wo der Tabellen-Drittletzte (33) den einen Rang besser postierten VfL Wolfsburg (36) empfängt. Mit einem Erfolg könnte der Aufsteiger mit den Gästen zumindest nach Punkten gleichziehen und dann wieder auf ein Happy End am letzten Spieltag in Hamburg hoffen. Für die Schlagzeilen vor dem Spiel sorgte Wolfsburg-Coach Klaus Augenthaler. In einer denkwürdigen Pressekonferenz, in der er sich selbst die Fragen stellte, kam seine Verärgerung über das Gerede von seiner bevorstehenden Ablösung zum Ausdruck. Manager Klaus Fuchs äußerte Verständnis: "Dass ein Trainer, der in Frage gestellt wird, dünnhäutig reagiert, kann ich nachvollziehen."

DPA/kbe

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