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Bundesliga-Teamcheck: Hannover 96: Europa League? War einmal!

Seit drei Jahren geht es für Hannover bergab - wenn auch auf hohem Niveau. Trainer Mirko Slomka will mit neuem Personal und alter Taktik wieder nach Europa. Aber ein Stareinkauf allein reicht nicht.

Von Klaus Bellstedt

Der Trend ist eindeutig: Seit der Saison 2010/11 geht es für Hannover 96 bergab. Platz 4, Platz 7, Platz 9. Von der Europa League träumen die Fans der "Roten" aber natürlich auch vor der neuen Runde wieder. Aber ist das wirklich erlaubt?

Was ist neu?

Wenn man so will, ist etwas Altes neu. Wohl jeder Fußballästhet kann sich noch an die herrlichen blitzartigen Konter der Niedersachsen vor zwei Jahren erinnern. In der vergangenen Saison war davon nicht mehr viel zu sehen. 96 hat sich im Grunde ohne Not der eigenen Stärke beraubt und sich diese Spielidee abjagen lassen. Damit ist jetzt Schluss. Trainer Mirko Slomka bekennt sich neuerdings wieder deutlich zum Kontern: "Das ist unser Spiel", sagt er. Die Fans dürfen sich also wieder freuen. Fragt sich nur, ob sich die gegnerischen Mannschaften so wie damals in schöner Regelmäßigkeit auch wieder überrumpeln lassen? Zweifel bleiben.

Neu sind natürlich auch ein paar hochkarätige Einkäufe. An erster Stelle ist da Dribbelkünstler und Nachwuchs-Star Leonardo Bittencourt, der aus Dortmund kam, zu nennen. Aber auch Innenverteidiger Salif Sané (AS Nancy) und Mittelfeldrenner Edgar Prib, zuletzt für Fürth am Ball, können kicken.

Das Trio ist direkt auch für die Startformation vorgesehen. Was für veränderungsscheue Hannoveraner schon sehr viel auf einmal ist. Aber gut, sie mussten auch handeln. Mit Mohammed Abdellaoue (VfB Stuttgart/3,5 Millionen Euro), Sergio Pinto (UD Levante) und Konstantin Rausch (VfB Stuttgart) hat 96 gleich drei Stammkräfte abgeben müssen.

Was ist gut?

60 Tore schossen die Niedersachsen in der vergangenen Saison, nur die Bayern, Dortmund und Leverkusen trafen häufiger. Und auch jetzt läuft es in der Vorbereitung im Spiel nach vorne wieder wie am Schnürchen. In Abwesenheit des immer noch verletzten Bittencourts zieht Jan Schlaudraff auf der Zehnerposition geschickt die Fäden und glänzt als Ballverteiler. Das sah in den Testspielen teilweise schon wieder richtig gut aus. Überhaupt das Mittelfeld. Das ist neben Bittencourt und Schlaudraff in einem naheliegenden 4-2-3-1-System noch mit Szabolcs Huszti hochklassig besetzt. Sollte es mal etwas defensiver zugehen, stehen mit Lars Stindl und Edgar Prib andere, erprobte und eher defensivere Spielertypen bereit. Vorne knipst Mame Diouf auch weiter für Hannover. Didier Ya Konan gibt es auch noch. Die Offensive ist und bleibt Hannovers Prunkstück.

Was ist schlecht?

Wie eine Seuche: Bis zu 13 Spieler gleichzeitig fehlten Mirko Slomka bei den Einheiten in der Vorbereitung. Die Verletztenliste hat sich zwar etwas verkürzt, aber an ein vernünftiges Einspielen war nie zu denken. Was aber alle noch viel unruhiger macht, ist die Tatsache, dass Stareinkauf Bittencourt mit einer mysteriösen Oberschenkelverletzung immer noch in der Warteschleife hängt. Nur individuelles Training ist für den Ex-Dortmunder möglich. Und das schon seit zehn Tagen. Das ist auch eine harte Probe fürs Gemüt. Eine Woche vor dem Pflichtspielstart sind auch Prib und Stindl noch angeschlagen.

Und ja: Auch die Defensive, schon in der vergangenen Saison die Achillesferse, strahlt noch keineswegs die Sicherheit aus, die sich alle an der Leine wünschen. Slomka bemerkte nach der jüngsten Testspiel-Pleite gegen den türkischen Erstligisten Kasimpasa, man müsse sich "in Viererkette und auf der Doppelsechs noch besser finden". Aber die Zeit wird langsam knapp. Sorgen bereitet Hannover die Besetzung der rechten Abwehrseite. Wann Kapitän Cherundolo wieder zur Verfügung steht, ist weiterhin ungewiss.

Was ist möglich?

Vieles hängt davon ab, wie die Neuen einschlagen. Aber selbst wenn Leo Bittencourt in der Offensive und Salif Sané hinten zu tragenden Säulen werden, eine bessere Platzierung als zuletzt scheint nur schwer vorstellbar. Einerseits ist der Qualitätsverlust zu groß. Andererseits hat die Europa-League-Konkurrenz, von Stuttgart bis nach Wolfsburg, zumindest teilweise besser eingekauft. Weil selbst ein kleiner personeller Umbruch immer seine Zeit braucht, landet 96 am Ende wohl irgendwo zwischen Platz 8 und 12.

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