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Bundesliga-Vorschau: Stichtag für Felix Magath

Was hat Felix Magath mit Wum und Wendelin zu tun? Warum ist Christian Lell theoretisch Weltfußballer? Und wie passt das alles mit Jerome Boatengs Mutter zusammen? Das beantworten wir in unserer Spieltags-Vorschau.

Die Ereignisse rund um die Partien Wolfsburg gegen Nürnberg, Freiburg gegen Hamburger SV, Schalke gegen Kaiserslautern, Borussia Mönchengladbach gegen Leverkusen und Bayern München gegen Hertha BSC stehen im Mittelpunkt unserer Vorschau auf den neunten Spieltag.

Warum muss Felix Magath jetzt unbedingt siegen?

Die Älteren werden sich sicher noch an die legendäre Quiz-Show "Der große Preis" mit Wim Thoelke erinnern, auf deren Höhepunkt jeweils die von Loriot erdachten Zeichentrickfiguren Wum und Wendelin mit einem langgezogenen Thööööölke-Ruf den Moderator zu sich riefen, um sich von ihm z.B. ein Problem lösen zu lassen und dann mit einem Knoten in Ohr bzw. Rüssel und einem Knutscher in die Kamera auf den "Stichtag: Samstag in acht Tagen“ für die Aktion Sorgenkind hinzuweisen.

Nun muss man auch den VfL Wolfsburg und Felix Magath als Sorgenkinder bezeichnen. Und irgendwie erinnert der Trainer derzeit auch ein bisschen an Wum. Okay, natürlich sieht Magath nicht aus wie ein Hund, wir haben auch noch nie gesehen, dass er sich einen Knoten in sein rechtes Ohr machen kann. Allerdings haben wir den Fotobeweis, dass er einen Kussmund durchaus hinbekommt.

Die größte Parallele ist aber, dass er sich in seiner schwierigen Lage und unter Eindruck der großen Abwehrsorgen wie der Comic-Hund nicht anders zu helfen wusste, als ebenfalls lauthals „Thööööölke“ zu rufen und kurzerhand Bjarne Thoelke vom Jugendspieler zum Profi zu befördern. Magath wird dem erst 19-jährigen großen Verteidigertalent wohl schon im wichtigen nächsten Spiel gegen Nürnberg sein Bundesliga-Debüt ermöglichen.  "So viele Innenverteidiger sind ja nicht mehr da“, kommentierte Magath bei "bild.de"

Und dort gilt es, die Situation ist ernst: "Wir stehen unter dem Druck, gewinnen zu müssen“, wollte Magath laut "handelsblatt.com" nichts beschönigen. Stichtag: Samstag... in einem Tag!  Ein Sieg muss her, denn sonst geriete der Große Preis bzw. das Saisonziel in noch größere Ferne.

Welchen Wert haben Statistiken beim HSV?

Winston Churchill wird der Ausspruch "Traue keiner Statistik" zugeschrieben. Trauen kann man Statistiken schon, allerdings muss man ihren Aussagewert auch richtig einschätzen können. So würde ein Sieg gegen Freiburg HSV-Interimscoach Frank Arnesen zum erfolgreichsten Club-Coach aller Zeiten machen, schließlich hätte er bei einem Dreier eine einhundertprozentige Siegquote. Immerhin gut für das Ego.

Beim HSV sucht man gerade ohnehin nach jedem kleinen Erfolgserlebnis, das Licht in die triste Tabellenkellerstimmung bringen kann. Man hat ja auch im x-ten Versuch in Thorsten Fink, endlich einen der langersehnten Wunschtrainer bzw. überhaupt einen Trainer verpflichten können. Die Vorschusslorbeeren für Fink sind groß, er bekommt sogar einen Vertrag ohne Ausstiegsklauseln bis 2014. 

Statistisch gesehen stehen die Chancen schlecht, dass er diese Marke auch im Amt erleben wird. Denn an eine neue Ära hat man beim HSV schon oft geglaubt und dabei seit 2007 sieben Trainer verschlissen. Aber wer glaubt schon Statistiken... Arnesen in diesem Fall offenbar nicht. "Mein Gefühl sagt mir, das kann noch länger gehen", ist Arnesen bei "welt.de" vom Durchbruch unter Fink überzeugt. Mit einem Sieg in Freiburg könnte er dem Bundesliga-Neuling den Start erleichtern. Doch der letzte datiert vom 18. März 2000. Aber wie gesagt, wer glaubt an Statistiken....

Schwappt Stevens neuer Kuschelkurs auch auf Schalkes Fans über? Huub Stevens überraschte dieser Tage mit einer nicht für möglich gehaltenen Liebserklärung an seine Mannschaft. Auf einer Pressekonferenz schwärmte er von seiner "lieben Mannschaft". Ganz neue Töne vom sonst so knorrigen Niederländer.

Sogar für Markus Merk, der Mann der ihn einst zum Meister der Herzen machte, findet Stevens mittlerweile milde Worte. "Er war ein hervorragender Schiri, Hut ab! Er traf 2001 eine Entscheidung, die aus seiner Sicht in Ordnung war", wird der Coach bei "bild.de" zitiert. Die meisten Fans sehen das auch zehn Jahre nach Merks Freistoßpfiff, der Bayern zum Meister machte, noch anders.

Für das Spiel gegen Kaiserslautern kommt Merk, der nach dem Saisonfinale 2001 einen großen Bogen um Gelsenkirchen gemacht hatte, nun in neuer Rolle als TV-Experte in die Veltins-Arena.  "Es wird ganz sicher ein nettes Pfeif-Konzert für Herrn Merk geben. Man muss auch kein Prophet sein, um Bierduschen für ihn vorherzusagen", kündigte Fan-Boss Arthur Saager bei "bild.de" an. 

Bleibt zu hoffen, dass sich die Anhänger zurückhalten und die Vergangenheit endlich ruhen lassen und Merk seiner neuen Arbeit nachgehen lassen. Schalke-Fans sollten lieber das Spiel genießen. Denn die Lauterer sind angeschlagen, S04 dagegen nach zwei Pflichtspielsiegen unter Stevens obenauf und sollten sich selbst durch einen eventuellen Rückstand nicht schocken lassen. Immerhin 14 Mal konnte Königsblau gegen die Roten Teufel sogar nach einem 0:1 noch punkten.

Weitere Fragen haben wir für Sie auf der nächsten Seite beantwortet.

Was fehlt Bernd Leno noch zum Kaliber eines Toni Schumachers?

"'Ne Menge“, würden unsere mittlerweile liebgewonnenen Begleiter durch die samstägliche Sky-Konferenz sicher wie aus der Pistole geschossen antworten und hätten damit sogar mal Recht. Doch wir meinen hier gar nicht an die naheliegenden Anworten "Erfahrung“, "Titel“ oder "Geld auf dem Konto“, sondern denken vielmehr an "Kreativität“, "handwerkliches Geschick“ und vor allem "Schmerzresistenz“.

Leverkusens Keeper Leno hatte sich nämlich laut "bild.de" Anfang der Woche im Training den kleinen Finger ausgekugelt und musste einige Einheiten sausen lassen, da sich die Anfertigung des Spezialhandschuhs, der es ihm ermöglichen sollte, trotz Blessur seiner Arbeit nachzugehen, einige Tage hinzog. Selbst sein Einsatz im Derby gegen Gladbach schien kurzfristig gefährdet.

Auf eine solche Warterei hätte sich Schumacher zu seiner aktiven Zeit nie eingelassen. Schmerzen bekämpfte er mit autogenem Training und baute sich im Verletzungsfall seine Spezialhandschuhe kurzerhand selbst. "Wenn ich mit einem gebrochenem Finger spielte, habe ich meine Handschuhe entsprechend präpariert“, erklärte er einst bei "11Freunde.de".

Dabei legte er einen Erfindungsgeist an den Tag, der selbst MacGyver vor Neid erblassen ließe. "Meine Schwester hatte geschwungene Haarspangen aus Horn, die ich in die Handschuhe eingearbeitet habe und so die Belastung von dem verletzten Finger nahm", erzählte Schumacher in dem Interview. So gewann Toni u.a. mit einem gebrochenen Mittelhandknochen das EM-Finale 1980.

Das gute Zusammenwirken von theoretischem Wissen und praktischer Umsetzung führt uns zur nächsten Frage...

Was nützt Christian Lell sein theoretisches Know-How?

Hertha hofft vom geballten Insider-Wissen seiner ehemaligen Bayern-Spieler Christian Lell, Thomas Kraft und Andreas Ottl in der Partie gegen den Rekordmeister profitieren zu können – vor allem, um das Duo auf links, Philipp Lahm und Franck Ribéry, zu stoppen.

"Ich kenne beide ganz gut, weiß was auf uns zukommt. Wir haben im Training immer wieder Elf gegen Elf gespielt – und zwar mit A-Elf gegen B-Elf“, erklärte Lell laut bild.de und ergänzte: "Franck ist sehr schwierig zu bremsen. Er sucht aufgrund seiner hohen Qualität oft das Duell eins gegen eins. Stellt man ihn früh mit ein, zwei Leuten, versucht er, nach innen zu ziehen. Dann kommt Philipp und hinterläuft ihn.“

Theoretisches Wissen schön und gut, darin wären wir doch alle Weltmeister. Aber praktisch umsetzen sollte man es auch können... und das hat zumindest im Fall von Lell in den Trainingsbegegnungen bei Bayern offenbar nicht allzu oft geklappt. Oder wäre der Rechtsverteidiger sonst bei Hertha gelandet? Aber das kann er ja jetzt ändern und Hertha zur Überraschung helfen und der Mutter von Jerome Boateng damit einen Haufen Arbeit aufhalsen.

Für den Fall einer Bayern-Niederlage hat Nationalspieler Boateng Änis Ben-Hatira, seinem alten Kumpel aus gemeinsamen Berliner Tagen, laut "bz-berlin.de" ein von seiner Mutter gezaubertes Essen versprochen. Die Statistik spricht aber nicht unbedingt für die Berliner, denn der letzte Auswärtssieg bei einem Tabellenführer datiert aus dem Jahr 1969. Allerdings hatten sie damals ausgerechnet die Bayern mit 2:1 besiegt.

Malte Asmus 

sportal.de / sportal

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