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Bundesliga im stern-Check: Schalker und Berliner Fans machen das einzig Richtige – und in Hamburg brennt es, ganz legal

Auf Schalke und in Berlin zeigen Fans, was wirklich zählt, in Mönchengladbach und Köln gibt es lange Gesichter und in Bremen herrscht Ratlosigkeit. Der ungewöhnliche 21. Spieltag im stern-Check.

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Fans von Schalke 04 und Hertha BSC setzten am 21. Bundesliga-Spieltag ein Zeichen gegen Rassismus. Eine Liga drunter zeigten die Anhänger des HSV, wie legale Pyrotechnik im Stadion aussehen kann

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So liefen die Spiele in der Fußball-Bundesliga

Alle Ergebnisse des 21. Spieltages, die Tabelle und Statistiken zum Nachlesen gibt es hier im stern-Ticker.

Aufreger des Spieltages

Es gab viel Verständnis für die Entscheidung, aber der eine oder andere Fan wird sich möglicherweise schon aufgeregt haben – schließlich war die Vorfreude auf das Rheinderby groß. Doch die für Sonntagnachmittag angesetzte Partie zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln wurde einige Stunden vor dem Anpfiff abgesagt. Der angekündigte Wintersturm "Sabine" sorgte für die erste Spielabsage im Oberhaus seit mehr als acht Jahren.

"Derby abgesagt" – dem einen oder anderen Fan ist vielleicht auch viel Aufregung erspart worden

"Derby abgesagt" – dem einen oder anderen Fan ist vielleicht auch viel Aufregung erspart worden

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"Das ist schon ein komisches Gefühl, wenn man für ein Derby Spannung aufbaut und es dann abgesagt wird", zeigte sich dann auch Gladbach-Trainer Marco Rose enttäuscht. Aber: "Machen wir nicht mehr daraus, als es ist. Ein Fußballspiel ist abgesagt worden." Schließlich gehe die Sicherheit vor. 

"Wir haben nicht befürchtet, dass im Stadion etwas passieren könnte", sagte Gladbachs Sprecher Markus Aretz. "Während der Spielzeit wäre es wahrscheinlich ruhig geblieben, aber bei der Abreise der vielen Besucher bestand dann halt Gefahr." Wann die Partie nachgeholt wird, steht noch nicht fest. Die 54.022 verkauften Tickets sollen ihre Gültigkeit behalten.

Gewinner des Spieltages

Es war ein deutliches Zeichen, das die Fans von Hertha BSC und Schalke 04 in ihren jeweiligen Stadien setzten. Nachdem im Pokalspiel zwischen den beiden Klubs unter der Woche Hertha-Verteidiger Jordan Torunarigha in Gelsenkirchen rassistisch beschimpft worden war, zeigten die Anhänger an diesem Spieltag, was sie von dieser Menschenfeindlichkeit halten: nichts.

Im Berliner Olympiastadion waren am Samstag vor dem Spiel gegen den FSV Mainz 05 (1:3) Hunderte Plakate mit dem Namen von Jordan Torunarigha sowie dessen Rückennummer 25 zu sehen, dazu große Spruchbänder: "Gemeinsam gegen Rassisten! Notfalls mit Getränkekisten" und "Jordan, einer von uns". Die Hertha-Profis liefen mit einem weißen oder schwarzen Strich im Gesicht auf. Motto der Aktion: Die Hautfarbe kann man sich nicht aussuchen.

Hertha-Fans

Solidarität mit ihrer Nummer 25: Die Hertha-Fans zeigten ihre Unterstüzung für Jordan Torunarigha und setzten ein deutliches Zeichen gegen Rassismus

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Auf Schalke brachten die Anhänger und der Verein vor dem Anpfiff der Partie gegen den SC Paderborn (1:1) mit verschiedenen Aktionen ihr "Engagement für ein vielfältiges und buntes Blau-Weiß" symbolisch zum Ausdruck. Das Motto lautete: "Steht auf, wenn ihr Schalker seid. Steht auf, wenn ihr Menschen seid."

"Es ist wichtig, in diesen Situationen zusammenzustehen. Das ist eine wichtige Botschaft an den Spieler", sagte Hertha-Manager Michael Preetz – und die Fans zeigten mit ihren eindrucksvollen Aktionen, dass Rassismus in deutschen Stadien nicht unwidersprochen bleiben darf.

Verlierer des Spieltages

Den Absturz der Woche legte Werder Bremen hin. Am Dienstag haben die Grünweißen noch den Spitzenklub BVB furios aus dem Pokal geworfen und dabei eine Leistung gezeigt, die an längst vergessene Zeiten an der Weser erinnerte. Vier Tage später ist die Tristesse zurück in Bremen – und die Ratlosigkeit. Die Elf von Trainer Florian Kohfeldt fand kein Mittel gegen Union Berlin, spielte ängstlich, verlor am Ende 0:2. Weil die Kellerkonkurrenz zeitgleich punktete, steht Werder nun auf Platz 17 der Tabelle.

Und doch: Traditionell wird in Bremen nicht am Trainer gerüttelt. "Das brauchen wir jetzt nicht nach jedem Spiel zu wiederholen. Das steht", sagte Geschäftsführer Baumann. Er und Coach Kohfeldt sehen die Spieler in der Pflicht: "Ich glaube nicht, dass wir bislang zu lieb zu den Spielern waren, aber wir werden sehen, wie wir die nächsten Tagen vorgehen", kündigte Kohfeldt Konsequenzen bis zum nächsten schweren Auswärtsspiel bei RB Leipzig am Samstag an. "Wir haben gestandene Spieler auf dem Platz, die einfach zu viel über sich ergehen lassen. Das müssen wir verändern und da sind die Jungs in der Pflicht", ergänzte Baumann in seinem Rundumschlag. "Florian und ich können die Tore nicht schießen und sie auch nicht verhindern."

Im Weserstadion gab es nach Schlusspfiff erstmals deutlich hörbare Pfiffe von den Tribünen – es werden ungemütliche Wochen in Bremen. Für Trainer, Geschäftsführer, Spieler und Fans.

Dieses Tor sollten Sie (noch mal) sehen

Topspiel, Toptor. Im Samstagabendspiel zeigten Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund nach einem recht mauen Nachmittag in der Bundesliga, wieviel Spaß Fußball machen kann. 1:0, 1:1, 1:2, 2:2, 2:3, 3:3, 3:4 – die beiden Spitzenteams lieferten sich einen offenen Schlagabtausch, in dem das 1:2 durch Dortmunds Emre Can in der 33. Minute zu den vielen Höhepunkten gehörte. Der Dortmunder Abwehrspieler nimmt einen Abpraller auf, setzt von halblinks aus rund 30 Metern an und schlenzt den Ball rechts oben ins Eck von Leverkusens Torhüter Hradecky.

Mit seinem Traumschuss konnte sich die Leihgabe aus Turin das erste Mal seit 2014 wieder in die Torschützenliste der Bundesliga eintragen – doch ein großer Wermutstropfen bleibt: "Das bringt mir auch nichts, wenn wir am Ende verlieren", kommentierte Can das Tor gegen seinen Ex-Klub. Es war eine Woche zum Vergessen für Can und seinen BVB.

Bild des Spieltages

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Für ein geschichtsträchtiges Bild sorgten die Anhänger des HSV in Liga zwei. Sie zelebrierten im Heimspiel gegen den Karlsruher SC (2:0) die erste genehmigte Pyro-Show im deutschen Profifußball. Drei Minuten vor Anpfiff der Partie hatten zehn Fans aus der Ultra-Gruppierung vor der Nordtribüne des Volksparkstadions zehn Rauchtöpfe gezündet – natürlich unter Aufsicht. Blauer und weißer Qualm zog durch die Arena, während die Fans in einer eingeübten Choreographie Fahnen in den Vereinsfarben Blau, Weiß und Schwarz schwenkten. Nach drei Minuten war alles vorbei.

Kann diese Variante des Umgangs mit Pyrotechnik das Signal für bundesweite Nachahmung sein? "Es war ein erster Schritt", sagte der Fankulturbeauftrage des HSV, Cornelius Göbel und wollte sich weder festlegen, noch Forderungen stellen. "Alle wissen, dass wir das erst mal reflektieren müssen. Es ist zu früh, über die Zukunft zu reden. Wir müssen sehen, was sich daraus entwickelt."

Die Zurückhaltung ist verständlich. An diesem Spieltag haben sich die Ultras an die Absprachen mit dem Verein gehalten und sich von ihrer friedvollsten Seite gezeigt. Die Frage ist: Wird den Fans die Show auf reduzierter Materialbasis reichen? Wie oft müsste diese stattfinden? Einmal pro Halbserie oder bei jedem Heimspiel?

Die Nagelprobe in Hamburg wird am 22. Februar erwartet. Dann treffen im Volksparkstadion der HSV und Stadtrivale St. Pauli aufeinander. Bei dieser Konstellation krachte und brannte es in jüngster Vergangenheit regelmäßig. Doch der Testlauf am Samstag ist zunächst einmal gelungen.

mit DPA-Material

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