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Hummels, Bender, Schult Bundesliga-Profis beklagen Corona-Belastung: "Das Anstrengendste, was ich je erlebt habe"

Dortmunder Mats Hummels, Leverkusener Sven Bender und Wolfsburger Torfrau Almuth Schult
Sehen Sie im Video: Mats Hummels und Sven Bender im Interview über die neue Corona-Belastung.



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Auch im Profi-Fußball hat die Corona-Pandemie einiges durcheinandergeworfen. Natürlich sind die Kicker froh, überhaupt spielen zu dürfen. Doch die vielen Spiele fordern ihren Tribut.

Die Corona-Pandemie hat den ohnehin engen Terminkalender von Fußballprofis noch stärker komprimiert. Im Schnitt alle drei Tage stehen Punktspiele an, die Winterpause fällt nahezu weg, Zeit für Regeneration bleibt kaum. Im Gespräch mit RTL und dem stern macht ein Spielerbündnis um Mats Hummels, Sven Bender, Andreas Luthe und Almuth Schult auf den damit verbundenen Druck auf die Spieler und Spielerinnen aufmerksam. "Es ist ein knallhartes Programm, für mich das absolut anstrengendste, was ich in meiner Karriere bisher erlebt habe", sagt BVB-Verteidiger Hummels. "Sich alle drei Tage körperlich zu verausgaben, geht bei mir voll an die Substanz. Ich merke, dass zwischen den Spielen nicht viel geht." Im Moment bliebe "kaum Zeit für Erholungsphasen", pflichtet ihm auch Sven Bender vom Bayer 04 Leverkusen bei.

Auch im Frauenfußball habe Corona seine Spuren hinterlassen. Torfrau Almuth Schult vom VfL Wolfsburg spricht von "ganz offensichtlich deutlich mehr Verletzungen" in diesem Pandemie-Jahr, die sie auf die gestiegene Belastung zurückführt. "Wir hatten nach der Champions League einen Tag Urlaub, dann ging es mit der neuen Saison los."

Alle Spieler betonen dabei immer wieder, dass sie sehr froh seien, überhaupt zu spielen. Sie wüssten um ihr Privileg, ihren Job ausführen zu können und wollten gar nicht meckern. Union-Keeper Andeas Luthe will aber dennoch auf die gestiegene Belastung aufmerksam machen: "Das kann nur eine Übergangsphase sein. Wir gehen mit unserem Körper in Vorleistung."

Mehr als 400 Profi-Fußballer in Spielerbündnis organisiert

Mehr als 400 Profi-Fußballer und -Fußballerinnen sind den Spielern zufolge aktuell in dem Spielerbündnis organisiert. Die Gruppe soll als eine Art Gewerkschaft fungieren und setzt sich dafür ein, dass Profis mehr Mitspracherecht in aktuellen Belangen bekommen, etwa beim Umgang mit der Pandemie. Das sei in anderen Ländern, etwa England oder Italien, längst Standard.

Angesprochen, ob ein Spielerstreik ein probates Mittel sein könnte, solchen Zielen mehr Nachdruck zu verleihen, betont Sven Bender: "Wir alle spielen gerne Fußball." Niemand wolle streiken, aber irgendwann streike halt der Körper. Der enge Terminkalender bringe die Profis derzeit an ihre Belastungsgrenze, weswegen sie appellierten, dass auf keinen Fall noch mehr Wettbewerbe oder mehr Spiele hinzugefügt werden sollten. Auch nicht, wenn der Spielplan irgendwann wieder zum Normalmodus zurückgekehrt ist.

Zusätzliche mentale Belastung durch Corona

Die Corona-Pandemie führe zusätzlich noch zu einer starken mentalen Belastung für die Spieler. "Wie alle Bürger" bedrücke die aktuelle Situation natürlich auch die Profis, sagt Hummels. Man könne sich körperlich und mental weniger erholen. "Uns fehlen auch die Kraft gebenden Sachen von außen. 80.000 Fans in Dortmund, die dich pushen, wenn die Beine schwer werden. Da hat man vorher Kraft herausgezogen", sagt der BVB-Spieler.

Almuth Schult macht vor allem das fehlende Mannschaftsgefühl zusätzlich zu schaffen. Man sei in den Hotels voneinander isoliert, jeder habe Einzelzimmer, auf der Ersatzbank sitzen alle mit Abstand. "Mir fehlt, dass man zusammen einen Sieg feiert, nach dem Training mal essen geht. Der Mannschaftssport ist zum Einzelsport geworden."

Profis beklagen mangelnde Mitsprache

Die Profis kritisieren auch, dass sie in vielen Belangen nicht ausreichend eingebunden würden. "Wir wurden beim Hygienekonzept vor vollendete Tatsachen gestellt", beklagt etwa Schult. Wären die Spieler von Anfang an im Boot gewesen, hätte man sich einige Überarbeitungen sparen können, meint Union-Keeper Luthe. "Zu Beginn fehlten in den Konzepten Regenerationsmaßnahmen, die essentiell sind für Spielerinnen und Spieler." Damit meint er etwa, dass die Kicker nach Spielen in die Sauna und ins Ermüdungsbecken können, damit sich ihre Muskeln regenerieren. Mittlerweile sei das in den Konzepten berücksichtigt, auch nach Beschwerden der Spieler. "Das wäre sofort aufgefallen, wenn man vorher mit uns gesprochen hätte."

Natürlich sei klar, dass die Profis nicht alle Entscheidungen treffen könnten. Das erwarte auch niemand. Aber man wolle "mit einbezogen werden, um die Entscheidungen zu verbessern", sagt Luthe. Dabei gehe es natürlich nicht nur um Corona-Änderungen. Das Bündnis wünscht sich generell mehr Einfluss für die Spieler.

Schult pflichtet bei: "Wir sind jetzt schon am Limit und dann soll womöglich noch irgendwo eine Klub-WM mit reingedrückt werden. Da wollen wir als Spieler zumindest am Tisch sitzen bei solchen Entscheidungen."

Schließlich seien es die Spieler und Spielerinnen selbst, die in erster Linie von den Folgen der Entscheidungen betroffen seien. "Wir wollen ja nicht alle mit 32,33 aufhören, weil wir kaputt sind", mahnt Schult. "Wir wollen alle Gigi Buffon sein, der mit 41 noch spielt und Höchstleistungen bringt."


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