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Bundesliga

Fußball-Bundesliga Weder Bayern München noch Borussia Dortmund verdienen es, Deutscher Meister zu sein

Zum Verzweifeln: Leroy Sané erlebte mit dem FC Bayern München eine Horrorsaison – und wurde doch Deutscher Meister
Zum Verzweifeln: Leroy Sané erlebte mit dem FC Bayern München eine Horrorsaison – und wurde doch Deutscher Meister
© Teresa Kröger / Imago Images
Borussia Dortmund verspielt am letzten Spieltag die Meisterschaft und beschert den Bayern den elften Titel in Serie. Doch der Bundesliga-Endspurt war ein Schneckenrennen, in dem es keiner verdient hatte, die Meisterschale in die Höhe zu recken.

Sie hatten es selbst in der Hand und haben es dann vergeigt: Der BVB ist auf dem Weg zur Meisterschaft in letzter Minute in eine Sackgasse abgebogen. Das Unentschieden gegen den FSV Mainz 05 nutzt der FC Bayern München in Köln für einen kaum mehr für möglich gehaltenen Titel – wegen des besseren Torverhältnisses. Und weil ein 20-Jähriger keine Nerven zeigt und die Westfalen ins Reich der Tränen schickt.

Es war ein Nachmittag, den man in Fußball-Deutschland so nicht mehr gewohnt ist. Die Bayern sind am letzten Spieltag Verfolger, die Meisterschaft noch lange nicht entschieden. In der 89. Minute erlöst Jamal Musiala mit seinem Tor zum 2:1 die Bayern, die den knappen Vorsprung über die Runden bringen. Letztmals in der Saison 2018/2019 wurden die Münchener erst am letzten Spieltag Meister – auch dort schaute der BVB nur in die Röhre. 

Der Bayern-Dusel ist wieder da

Dass die Bayern ihren elften Titel in Serie feiern ist ein verheerendes Signal an die Liga. In keiner der vergangenen elf Jahre war der Serienmeister so anfällig wie in dieser Spielzeit. Statt sich auf das Geschehen auf dem Platz zu konzentrieren, verkam München zum FC Hollywood der 90er-Jahre. Eine fragwürdige Trainerentlassung, das Aus im DFB-Pokal und der Champions League, Eskapaden einiger Spieler und endlose Debatten über den Vorstand um Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic – die nun als Konsequenz der Fehlentwicklung wohl folgerichtig den Verein verlassen müssen. Dazu zeigten sich die Münchner trotz oder vielleicht auch wegen des Trainerwechsels anfällig, verloren gegen Leipzig und in Mainz und ließen auch gegen Hoffenheim Punkte.

Es wäre ein Einfaches gewesen für den Rekordmeister, die Saison ohne Titel zu beenden und das auf die vergangenen Monate zu schieben. Allein wegen des Dramas neben dem Platz und vielfach lustlosen Auftritten hätten die Bayern es nicht verdient, die Meisterschaft zu gewinnen. Ein Kaderumbruch nach dieser nun doch nicht komplett verkorksten Saison scheint jedoch auf und neben dem Platz unumgänglich. Dass sie nun doch mit einem Titel die Saison beenden, haben die Münchner wohl dem sprichwörtlichen Bayern-Dusel und dem Versagen dem Rest der Liga im Gesamten und dem BVB im Speziellen zu verdanken.

Denn dieser zeigte mal wieder in einer entscheidenden Phase eine beeindruckende Nervenschwäche, die Mainz eiskalt ausnutzte. Es ist den Mainzern hoch anzurechnen, dass sie die Partie nicht abschenkten. Im Niemandsland der Tabelle konnten die Rheinhessen nicht mehr den Sprung nach Europa schaffen oder absteigen. Es wäre ein Einfaches gewesen, die Saison ohne Verletzungen zu Ende zu bringen und das Spiel abzuhaken, tat das Team von Bo Svensson nicht – übrigens ebenso wie der 1. FC Köln, der den Bayern lange Paroli bot. Dass man sich damit nicht nur zum Spielverderber und vorübergehend unbeliebtesten Team im deutschen Profifußball – in München und Gelsenkirchen wird man das anders sehen – machte, dürfte den Rheinhessen egal sein.

Beim BVB wird man hingegen nach den Gründen suchen, die nicht zur Meisterschaft führten. Da ist die angesprochene Mentalität in entscheidenden Partien. Gegen Mainz hätte der BVB frühzeitig ausgleichen können, doch Sébastien Haller versagten vom Elfmeterpunkt die Nerven. In der zweiten Halbzeit ließen die Dortmunder dazu zahlreiche Hochkaräter liegen. Doch auch bereits in anderen wichtigen Spielen der Saison tauchte der BVB ab: das 2:4 bei den Bayern war noch schmeichelhaft, beim Pokal-Aus in Leipzig wurde Dortmund über 90 Minuten an die Wand gespielt, beim in dieser Saison strauchelnden FC Chelsea schied der BVB ebenso sang- und klanglos trotz Erfolgs im Hinspiel aus.

Ein Faktor, der die Dortmunder gerade durch die Hinrunde begleitete, ist die große Verletztenmisere: Alleine in den ersten 17 Spielen verzeichnete der BVB 1146 Ausfalltage, die Bayern "nur" 636. Wie sehr sich vor allem der Ausfall von Sébastien Haller auswirkte, zeigte das andere Gesicht der Dortmunder mit seiner Rückkehr. Dortmund hatte einen Zielspieler und Torjäger, der die bereits als Flop abgestempelten Karim Adeyemi und Donyell Malen beflügelte. Es ist müßig darüber zu diskutieren, ob der BVB mit einem eine ganze Spielzeit fitten Haller Meister geworden wäre – dass Haller nach seiner Krebserkrankung überhaupt und dann so stark auf den Platz zurückkehrte, ist vielleicht die schönste Geschichte der Bundesligasaison.

BVB lässt gegen kleine Gegner die Punkte liegen

Ein finaler Punkt beim BVB dürften mal wieder die Punktverluste gegen die vermeidlich kleinen Vereine der Liga sein. Bei der einzigen Heimniederlage der Saison führte Dortmund bis zur 89. Minute noch 2:0 gegen Aufsteiger Werder Bremen. In der Rückrunde verschenkte man mit den Unentschieden beim FC Schalke, VfB Stuttgart und dem VfL Bochum die Zähler, die nun zur Meisterschaft fehlten. Vier sieglose Auswärtsspiele in Folge in der entscheidenden Saisonphase seit Ende März sind dazu eines Meisteranwärters einfach nicht würdig.

So verkam der Bundesliga-Endspurt zu einem Schneckenrennen, in dem es eigentlich weder die Bayern noch der BVB verdient hatten, die Meisterschale in die Höhe zu recken. Dass ein Meister am Ende so wenig Punkte auf dem Konto hat, geschah letztmalig in der Saison 2009/2010 – auch dort hieß der Meister FC Bayern München, damals mit 70 Zählern auf dem Konto und einer Zeit, als die Bundesliga noch abwechslungsreich war.  Und weil es doch irgendwie einen Sieger im Unvermögen geben muss, nehmen wir es mit einem abgewandelten Zitat von Gary Lineker: Am Ende gewinnen immer die Bayern – der Liga hätte ein anderer Meister nach elf Jahren sicherlich gut getan. Aber dafür können die Bayern diesmal wahrlich nichts.

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