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Kaderplanung in der Coronakrise Der BVB baut an seiner Zukunft als Talentshow

Erling Haaland (m.), Jadon Sancho (l.) und Achraf Hakimi
Ob die BVB-Superlalente in dieser Konstellation in der nächste Saison zusammenspielen, ist offen: Erling Haaland (m.), Jadon Sancho (l.) und Achraf Hakimi
© Peter Steffen / DPA
Borussia Dortmund hat sich zum Ausbildungsverein für die europäischen Topklubs entwickelt. Entsprechend planen die Verantwortlichen für die neue Saison, aber der FC Bayern und die Coronakrise könnten das Vorhaben gefährden.

Eine Sache wurde am vergangenen Wochenende klar und deutlich geklärt. Borussia Dortmund ist die Nummer 2 unter den deutschen Fußballklubs. Das Duell gegen RB Leipzig gewann der BVB verdient mit 2:0. Die Leipziger und ihr Trainer Julian Nagelsmann, immerhin Herbstmeister 2019, dürfen sich wieder hinten anstellen. Der BVB ist wie schon im vergangenen Jahr Vizemeister hinter den Über-Bayern – zum fünften Mal seit dem letzten Meistertitel 2012 unter Jürgen Klopp.

In dieser Zeit hat sich Dortmund zu einer Art Ausbildungsverein für die Topklubs Europas entwickelt. Man kann auch sagen: Sie haben aus der Not eine Tugend gemacht. Regelmäßig verlor der Verein Spieler (Götze, Lewandowski, Gündogan), die sich in Dortmund zu Spitzenprofis entwickelten, an Klubs mit klangvolleren Namen und größeren Budgets. Also haben sie daraus unter Federführung von Sportdirektor Michael Zorc ein Geschäftsmodell gemacht, das prächtig funktionierte. Allerdings sprang nur unter Thomas Tuchel vor drei Jahren der Gewinn des DFB-Pokals heraus.

Corona wird Transfergewinne schrumpfen lassen

Zuletzt waren es junge Talente wie Pierre-Emerick Aubameyang oder vor allem Christian Pulisic und Ousmane Dembélé, die von kleinen Vereinen verpflichtet worden, beim BVB reiften und für Rekordsummen weiterverkauft wurden. Den größten Gewinn erzielten die Dortmunder mit Ousmane Dembélé, der für 15 Millionen Euro von Stade Rennes geholt und für 125 Euro nach nur einem Jahr an den FC Barcelona weiterverkauft wurde. Pulisic (ablösefrei gekommen, gegangen für 64 Millionen Euro) und Aubameyang (64 Millionen Euro Erlös nach Einkauf für 13) wechselten zum FC Chelsea und FC Arsenal.

Das war in Zeiten vor Corona. Solch astronomische Transfererlöse wird der BVB in nächster Zukunft nicht mehr erzielen. Wie genau sich der Transfermarkt entwickeln wird, ist offen, aber die Preise werden sinken, so viel ist sicher. Wie alle Vereine wird der BVB laut "kicker" "nach Jahren üppig sprudelnder Gewinne in der Bilanz für das Spieljahr 2019/20 rote Zahlen aufweisen". 

Und das Ende der Krise ist längst nicht überstanden. In diesem Jahr werden die Zuschauer höchstens in begrenzter Zahl in die Stadien zurückkehren. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke rechnet mit einem Anteil von zehn bis 20 Prozent - wenn überhaupt angesichts einer drohenden zweiten Corona-Welle. Das bedeutet weitere Einkommensverluste: "Die nächste Saison wird finanziell noch härter für die Vereine, als die neun Spieltage dieser Saison", sagt Watzke voraus.

Lucien Favre bleibt Trainer

Das hat Auswirkungen auf die Planungen. Watzke bat deshalb Zorc, seinen geplanten Abschied 2021 um ein Jahr zu verschieben. Trainer Lucien Favre bleibt Trainer, wie der Verein gerade bestätigte. So ist in der Führung des Klubs Kontinuität in unruhigen Zeiten garantiert.

Offener ist hingegen die Kaderplanung. Die spannende Frage lautet: Was wird aus den beiden Supertalenten Jadon Sancho und Achraf Hakimi? Sancho hat einen geschätzten Marktwert von knapp 120 Millionen Euro. Das ist aber ein Wert, der aus Zeiten stammt, bevor das Coronavirus über die Welt und den Fußball herfiel. Es ist kaum damit zu rechnen, dass ein englischer Klub die Summe bezahlt, so wie sich das der BVB und Sancho ausgemalt haben. Gut möglich also, dass Sancho ein Jahr dranhängt. Sein Vertrag läuft bis 2022.

Bei Rechtsverteidiger Hakimi ist die Lage schwieriger. Auch bei ihm wurde mit einem Abgang gerechnet. Der Marokkaner ist von Real Madrid ausgeliehen und sollte eigentlich im Sommer zurückkehren. Die Spanier, so heißt es, würden ihn gern verkaufen. Aber wer soll die 50 bis 60 Millionen Euro zahlen? Der BVB kann die Summe nicht aufbringen. Der Ausgang dieser Personalie ist ungewiss. Würde Hakimi bleiben, wäre das ein bedeutender Baustein für eine Mannschaft, die vielleicht auch mal wieder titelfähig wäre.

Sehen Sie im Video: Jürgen Klopp versetzt bei einer Pressekonferenz seinen Sprecher in Empörung – mit nur einem Wort.  Liverpool-Trainer Jürgen Klopp ist ein Freund klarer Worte. Auch auf Englisch.  Bei der PK vor dem Spiel gegen Crystal Palace sorgte er wieder einmal für einen Lacher – allerdings nicht ganz freiwillig.  Wegen der Corona-Pandemie saß Klopp allein auf dem Podium und die PK wurde über den Videodienst "Zoom" ausgestrahlt. Reporter: "Manchester City könnte Sie theoretisch noch einholen. Haben Sie jemals über das Undenkbare nachgedacht?"  Jürgen Klopp: "Nein, es geht nicht darum, ob uns noch jemand einholt. Für mich war die Saison vor dem Restart noch nicht beendet, obwohl wir jetzt 20 oder 22 Punkte vor Manchester City sind. Als ich mir das gestrige Spiel von Manchester City angesehen habe, dachte ich mir nur: ‘Wie kann jemand 20 Punkte vor ihnen liegen?’ Das ist fast undenkbar. Einige Dinge müssen wir also ziemlich gut gemacht haben, um in der jetzigen Situation zu sein. Ich denke nicht darüber nach, ob uns City noch einholt. Meine Gedanken sind jetzt bei Crystal Palace. Wenn jemand jetzt daraus eine Headline macht und schreibt, dass ich meine, City könne uns nicht einholen, dann ist das totaler Schwachsinn. Das sage ich ja nicht." Für das Wort "Schwachsinn" nutzt er den englischen Ausdruck "bollocks". Ein vulgärer Kraftausdruck.   Pressesprecher: "Ich weiß nicht, ob Zoom einen Piepser hat. Du meintest bestimmt Unsinn ["nonsense"]."   Techniker: "Das schneiden wir vielleicht raus."  Pressesprecher: "Vielen Dank! Totaler Unsinn, das meintest du." Klopp: "Was habe ich denn gesagt?" Pressesprecher: "Ist egal. Das wäre ein Desaster für die Mikros, wenn ich das jetzt wiederhole." Vielen Fans dürfte Klopp nach seinem sprachlichen Faux-Pax nun noch sympathischer sein. Auf Youtube hat der Verein FC Liverpool die entscheidende Stelle bereits offline genommen.    
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Zukunft von Hakimi und Sancho ist offen

Da der BVB ursprünglich fest mit den Abgängen von Sancho und Hakimi gerechnet hatte, haben sie beim BVB vorgesorgt. Von der Insel soll Jude Bellingham vom englischen Zweitligisten Birmingham City kommen, ein 16-Jähriger, der als ähnlich talentiert gilt wie Sancho. Der Spieler und der BVB sollen sich einig sein, ihn für eine Ausbildungsvergütung von 20 Millionen Euro zu verpflichten. Zuletzt hieß es aber, dass Birmingham einen höheren Erlös erzielen möchte. Die Bayern sollen in Poker eingestiegen sein, genauso wie der FC Chelsea und Manchester United. Für den BVB spricht, dass Bellingham wohl nach Dortmund will. Sanchos Entwicklung gilt als Vorbild.

Der Deal mit dem Außenverteidiger Thomas Meunier ist derweil bereits fix. Der 28-jährige belgische Nationalspieler kommt von Paris Saint-Germain und soll Hakimi ersetzen, falls der abwandert. Laut Thomas Tuchel ist Verlässlichkeit seine herausragendste Fähigkeit. Damit passt Meunier ins Konzept, das mit Talenten gespickte Team durch erfahrene Profis zu ergänzen, die für Stabilität sorgen.

Sollten Sancho und Hakimi bleiben, gäbe es in ganz Europa wohl keine andere Mannschaft, die so viele junge Hochkaräter versammelt. Denn da sind noch Erling Haaland, 19, Gio Reyna, 17, Mateu Morey, 20 und Leonardo Balerdi, 21. Julian Brandt darf man mit seinen 24 Jahren ebenfalls dazurechnen. Ob das reicht, um die Bayern in der nächsten Saison wieder ernsthaft unter Druck zu setzen, wird sich zeigen. Zu hoffen wäre es.

Quellen: "Kicker", "Süddeutsche Zeitung", "Transfermarkt.de", "Sport.de"


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