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Champions League: Bayern auf Kunstrasen - Magath tobt

Gegen Spartak Moskau spielen die Bayern am Abend (ab 18.30 Uhr im stern.de-Live-Ticker) erstmals in einem Pflichtspiel auf Kunstrasen. Trainer Magath rast vor Wut - und spricht von Wettbewerbsverzerrung.

Felix Magath wittert eine Wettbewerbsverzerrung, doch bei allem Ärger über die Premiere auf Kunstrasen will der FC Bayern München eine Bauchlandung im winterlichen Moskau unbedingt vermeiden und den ersten "Matchball" zum Gruppensieg verwandeln. Als Oliver Kahn & Co. am Dienstagmittag in der schneebedeckten und diesigen russischen Hauptstadt angekommen waren, war nicht das Wetter das Thema Nummer 1 in der Reisegruppe des deutschen Meisters, sondern der Bodenbelag am Mittwochabend (18.30 Uhr MEZ/Premiere) bei der Champions-League-Partie gegen Spartak Moskau. Und wenig später sorgte noch das Verkehrschaos für Gesprächsstoff. Wegen verstopfter Straßen fiel das Abschlusstraining aus. Am Spieltag soll nun eine Polizeieskorte die Bayern rechtzeitig ins Stadion geleiten.

Magath beklagte, dass Spartak durch das ständige Spielen auf dem Belag "einen außergewöhnlichen Vorteil" habe. Der Bayern-Coach prangerte deswegen die Europäische Fußball-Union (UEFA) an: "Es ist eine Unverschämtheit, dass der Verband einen solchen Belag auf diesem Niveau zulässt." Allerdings mochte Magath seiner Mannschaft nicht vorab ein Alibi für einen möglichen Misserfolg liefern. Er sieht sie vielmehr ausreichend gerüstet für die 90 Minuten auf dem ungeliebten Geläuf. "Der Rasen wird kein Problem sein, weil wir zwei Mal darauf trainiert haben", meinte Magath.

Charme des Fußballs geht verloren

Ausprobieren konnten die Münchner den Platz am Dienstagabend nicht einmal. Zuerst traf die Mannschaft wegen des Verkehrschaos’ in Moskau mehr als halbe Stunde verspätet ein, der Bus mit der Ausrüstung schaffte es gar nicht ins Stadion. Daher wurde die Abschlusseinheit am Dienstagabend nach mehr als einer Stunde Warten abgesagt, am Mittwochvormittag soll der Platz getestet werden. Beim Champions-League-Spiel gegen Inter Mailand hatte Spartak selbst unangenehme Erfahrungen mit dem Verkehrschaos gemacht. Die Spieler waren letztlich per U-Bahn angereist.

Trotz der vielen Unwägbarkeiten wollen die Bayern ihren Bundesliga-Aufwärtstrend unbedingt fortsetzen. Magath: "Vielleicht brauchen wir noch einen Sieg in Moskau, um wieder die alten Bayern zu sein." Seine Spieler werden sich allerdings erheblich umstellen müssen, denn im Gegensatz zum Naturrasen wird der Ball schneller. Zudem werden Gelenke und Bänder ganz anders belastet. Der Charme des Fußballs gehe auf Kunstrasen verloren, kritisierte Mark van Bommel. Der Niederländer machte als Bayerns Vorkämpfer aber auch gleich klar: "Wir müssen mit dem Rasen arbeiten und nicht so viel darüber reden."

Deisler nicht von Beginn an

Ohne Lucio, dem ein Einsatz auf Kunstrasen nach seiner gerade auskurierten Sprunggelenksverletzung zu riskant war, sowie dem ausgelaugten und daher geschonten Philipp Lahm traten die Münchner die Reise in die russische Hauptstadt an. Mit 10 Punkten und 7:0 Toren - so gut wie nach dem vierten Spieltag nie zuvor - steht der FC Bayern schon als Achtelfinalist fest. Nun wollen die Münchner wie auch in der Saison 2001/02 wieder ungeschlagen eine Vorrunde beenden.

"Das Wesentliche ist, dass wir uns qualifiziert haben. Jetzt wollen wir Erster bleiben", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. "Unser Ziel muss es sein, Gruppenerster zu werden, um den großen taktischen Vorteil zu haben, im Achtelfinale zuerst auswärts anzutreten." Durch einen Dreier gegen Moskau, das in 21 Spielen seit November 2000 in der Champions League und gegen München in sieben Begegnungen ohne Sieg ist, könnten sich die Bayern ihren siebten Gruppensieg sichern.

Zwar mäkelten Magath & Co. am Bodenbelag herum, doch die Bayern, die in München noch für Weihnachtspostkarten vor dem Fotografen posierten, präsentierten sich recht gelassen in Moskau. "Der Rasen ist eine Umstellung. Aber wir sind Profis und werden damit zurecht kommen", versicherte Sebastian Deisler, der trotz aller Spielfreude beim Kunstrasen-Training nicht von Beginn an auflaufen wird. "Von Anfang an zu spielen, traue ich mir noch nicht zu", sagte der 36-malige Nationalspieler, der in der Bundesliga gegen den VfB Stuttgart am Samstag nach acht Monaten ein 18-Sekunden-Comeback gegeben hatte.

So wollen die Bayern spielen:

Kahn - Sagnol, Demichelis, van Buyten, Lell - Ottl - van Bommel, Salihamidzic - Schweinsteiger - Makaay, Pizarro

DPA/kbe

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