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Champions League: Champions League - Was folgt auf ein Qualifikations-Aus?

Für Bayern geht es gegen den FC Zürich um viel. Eine Pleite wäre nicht nur ein finanzielles Desaster, sondern würde auch das Image beschädigen. Selbst langfristige sportliche Konsequenzen sind nach einem Quali-Aus nicht ausgeschlossen. Sampdoria Genua, Borussia Dortmund und 1860 München können davon ein Lied singen.

Das große Ziel der Bayern steht seit Langem fest. "2012 findet das Champions League-Finale in München statt, und da müssen wir dabei sein", hatte Uli Hoeneß bereits Ende letzten Jahres auf der Jahreshauptversammlung die Messlatte sehr hoch gelegt. Offenbar zunächst zu hoch, denn die Mannschaft musste sich gewaltig strecken, um sich überhaupt für die Königsklasse 2011/12 zu qualifizieren.

Lange Zeit drohte sogar die Teilnahme am verhassten "Verlierer-Cup" Europa League. Erst kurz vor Saisonende retteten sich die Münchner noch auf Platz drei in der Liga und erreichten so wenigstens die Qualifikationsrunde zur Champions League. Dort wartet mit dem FC Zürich nun zwar ein machbarer Gegner, dem Ivica Olic und Christian Nerlinger laut fifa.com bereits absprachen, ein "Topgegner" zu sein. Das Weiterkommen wird trotzdem kein Selbstgänger und ein Scheitern könnte katastrophale Folgen haben, wie die Schicksale dreier exemplarisch ausgewählter Clubs zeigen.

Aus der Champions-League-Quali direkt in die Serie B

Sampdoria Genua hatte nach einer großartigen Saison 2009/10 den vierten Platz in Italien erkämpft und sich die Teilnahme an der Qualifikationsrunde redlich verdient. Gegen Bremen hatten sie auch schon mit einem Bein in der Gruppenphase gestanden. Durch Tore von Giampaolo Pazzini (8., 13.) und Antonio Cassano (85.) hatte Samp eine 1:3-Niederlage gegen Werder Bremen aus dem Hinspiel vor heimischem Publikum gedreht. Der Jubel war groß, die Ligurer wähnten sich am Ziel.

Gerade zogen sie das andere Bein nach, als das Schicksal seinen Lauf nahm. Denn die Norddeutschen kamen tatsächlich noch einmal zurück. Ein Tor von Markus Rosenberg in der Nachspielzeit erzwang die Verlängerung, in der Claudio Pizarro das Blatt noch zu Bremer Gunsten wendete. Sampdoria war raus - ein Schock, von dem sich die Ligurer nicht mehr erholten. Das Selbstvertrauen hatte einen gewaltigen Knacks bekommen, auf einmal krebste die mit deutlich höheren Ambitionen in die Saison gegangene Mannschaft im Mittelmaß herum.

Die Nerven lagen blank. Cassano überwarf sich mit seinem eitlen Präsidenten Riccardo Garrone, wurde erst gesperrt, dann an Milan verkauft, wegen der entgangenen Champions League-Millionen wurde im Winter dann auch Pazzini für 12 Millionen Euro an Inter verkauft - ohne adäquaten Ersatz zu holen. Ohne die beiden Leistungsträger ging es ab da im freien Fall nach unten, Samp befand sich plötzlich im Abstiegskampf - und war damit hoffnungslos überfordert.

Noch schwieriger machten die aufgebrachten Club-Ultras die Situation. In Internet-Foren sprachen sie Morddrohungen gegen das Team aus, bewarfen den Teambus mit Steinen und zerstörten Fensterscheiben. Unter diesem Druck brach die Mannschaft dann völlig zusammen. Neun Monate nach dem Aus in der Champions League-Quali trat ein weinender Kapitän Angelo Palombo den bitteren Gang in die Fankurve an, um sich bei den Fans für den Abstieg aus der Serie A zu entschuldigen.

"Von Bremen nach Gubbio in nur neun Monaten" überschrieben italienische Medien ihre Expertisen über den Absturz des Traditionsvereins, wobei Gubbio Calcio - Zweitligist aus der Provinz - für einen Serie A-Club so etwas ist, wie der SV Meppen lange für jeden Bundesligisten war. Das Synonym für die absolute Bedeutungslosigkeit.

Dem sportlichen K.o. folgte fast der finanzielle

So weit ist es mit Borussia Dortmund nicht gekommen, auch wenn nicht allzu viel gefehlt hatte. Am letzten Spieltag der Saison 2002/03 hatte die Borussia durch ein 1:1 zu Hause gegen Energie Cottbus noch Platz zwei in der Bundesliga verspielt und musste auf einen Erfolg in der Champions-League-Qualifikation gegen den FC Brügge hoffen, um die Gruppenphase zu erreichen. Doch dort bedeutet eine 2:4-Pleite nach Elfmeterschießen im Rückspiel das Aus. Die Konsequenzen waren immens. Nicht nur sportlich ging es bergab, sondern vor allem finanziell.

"Wir sind mit einer teuren Mannschaft in eine Saison gegangen, von der wir hofften, dass wir eine Champions League-Teilnahme haben, um die Ausgaben für diese Mannschaft gegenzufinanzieren. Das ist leider nicht der Fall gewesen", bestätigte der damalige Präsident Dr. Gerd Niebaum gegenüber schwatzgelb.de, dass das Geld aus der Königsklasse bereits fest eingeplant war, um den teuren Kader finanzieren zu können.

Als diese Einnahmen jedoch wegbrachen, taten sich riesige Lücken im Etat auf. Die Folgen der Kirch-Krise, der kostspielige Ausbau des Stadions, bei dem der Club auf Zuschüsse der öffentlichen Hand verzichtete, taten ihr übriges, sodass der Club einen Schuldenberg von 98 Millionen Euro anhäufte. "Es gab immer wieder Gerüchte, die wir Spieler mitbekommen haben. Aber wie dramatisch die Situation wirklich war, ahnte keiner in der Mannschaft", erinnerte sich Sebastian Kehl bei mittelbayrische.de an die schwere Zeit. "Als Details publik wurden, wussten wir: Hier stehen unsere Arbeitsplätze und die Existenz des Vereins auf dem Spiel. Das kam überraschend, aber dann mit voller Wucht."

Die drohende Insolvenz konnte zwar gerade noch abgewendet werden, doch der teure Kader musste erheblich ausgedünnt werden. An europäische Wettbewerbe war nicht mehr zu denken, stattdessen rutschte der BVB rutschte für Jahre ins Mittelmaß ab, schwebte zeitweilig sogar in Abstiegsgefahr. Erst unter Jürgen Klopp glückte der Neuaufbau und die Rückkehr zu alten Erfolgen.

Die Tür zum großen Geld nicht durchschritten

Von der Rückkehr zu längst vergangenen Europacup-Erfolgen hatte auch der TSV 1860 München zur Jahrtausendwende geträumt. Sensationell waren die Löwen in der Saison 1999/2000 auf den vierten Platz vorgestürmt, der damals zur Teilnahme an der CL-Quali berechtigte . Der damalige Präsident Karl-Heinz Wildmoser hatte die Dollar-Zeichen bereits in den Augen, als er laut rp-online.de erklärte: "Wir stehen vor der Tür zum großen Geld."

In München rieb man sich in Erwartung des großen Reibachs bereits genüsslich die Hände, stieß gegen Leeds United die Tür zur Königsklasse mit einer 1:2-Niederlage in England auch einen Spalt auf, versäumte dann aber auch hindurchzugehen und verlor das Rückspiel im Olympiastadion mit 0:1. "Wir waren kurz davor, den letzten Schritt zu machen", hatte der damalige Mannschaftskapitän Marco Kurz laut spiegel.de damals erklärt und angekündigt: "Jetzt werden wir versuchen, das Beste aus dem Uefa-Cup zu machen."

Doch auch dort scheiterte man nach wenig überzeugenden Auftritten in der dritten Runde am AC Parma. In der Bundesliga verschwand der TSV nach dem kurzen Intermezzo schnell wieder von der der Spitze, hielt sich noch drei Jahre im grauen Mittelmaß, ehe man in der Saison 2003/04 als 17. abstieg. Seitdem dümpeln die Löwen in der Zweitklassigkeit herum. Schlagzeilen produzierten bzw. produzieren sie dort aber weniger aus sportlichen Gründen, sondern vor allem aus finanziellen.

Mit der Beteiligung an der Allianz-Arena hatte sich der Club finanziell übernommen, eine drohende Insolvenz und der befürchtete Zwangsabstieg in die Regionalliga konnten 2006 durch den Anteilsverkauf an die Bayern gerade noch abgewendet werden. Weil sich die Löwen dabei aber über den Tisch gezogen fühlten, reichten sie im Dezember 2010 Klage gegen den Stadtrivalen ein. Aktuell sorgte eine Protestaktion der 1860-Ultras gegen den neuen Investor Hasan Ismaik für Aufregung.

Für Bayern stehen nicht nur 25 Millionen auf dem Spiel

Ganz so extreme Spätfolgen wie in unseren drei Beispielen hätte das eigentlich nicht einzukalkulierende Scheitern des FC Bayern in der Champions League-Qualifikation am FC Zürich wohl nicht, fatal wäre es trotzdem. Der FC Bayern würde sicher nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwinden und auch nicht von der Insolvenz bedroht sein.

Auch wenn die Summe, die den Bayern bei einer Pleite gegen Zürich aus der Nase ginge, auf mindestens 25 Millionen Euro beziffert wird. "Wenn wir uns nicht für die Champions League qualifizieren, werden wir auch keinen Gewinn machen", bestätigte Hoeneß laut focus.de.

Doch viel schlimmer als die finanziellen Folgen wäre wohl für den Präsidenten, wenn er sich schon vor dem eigentlichen Beginn des Wettbewerbs darauf würde einstellen müssen, wie schon 1997 tatenlos mit anzusehen, wie eine andere Mannschaft in seinem Stadion die Champions-League-Trophäe überreicht und die Siegermedaillen umgehängt bekäme. Ob die Freundschaft zu Jupp Heynckes das aushalten würde?

Malte Asmus

sportal.de / sportal

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