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Champions-League-Finale Dortmund gegen Bayern: Trafalgar in Schwarz-Gelb

London erlebt zur Stunde eine einzige große Fußballparty. Wenige Stunden vor dem großen Finale dominiert Schwarz-Gelb in der City. Es ist größtenteils friedlich. Und alle lieben Jürgen Klopp.

Von Klaus Bellstedt, London

Finaltag. Endlich. Das Warten hat ein Ende. Es sind die letzten Stunden bis zum Anpfiff des Champions-League-Finales zwischen den Bayern und Borussia Dortmund im Londoner Wembley-Stadion. Und die britische Metropole pulsiert.

Beim Schlendern durch die City of London kann man den Eindruck gewinnen, dass Schwarz-Gelb in der Überzahl ist. Victoria Station, Kings Cross, aber auch am Trafalgar Square und auf der Tower Bridge: Überall begegnen einem Dortmunder Fans. Etwa 25.000 Tickets haben beide Mannschaften für ihre Anhängerschaft zur Verfügung gestellt bekommen. Zehn Studenten aus Köln, alle mit BVB-Schals um den Hals, sind ohne Eintrittskarte nach London gereist. "Ist vielleicht bisschen verrückt", sagt einer. "Aber wir wollen hier dabei sein und den Engländern zeigen, wie man feiert." Zwei Japaner mit Bayern-Trikots laufen des Weges. Freundlich wird sich abgeklatscht. Es wird gelacht und gefrotzelt. Auf Englisch. Die Stimmung ist friedlich. Und: Es regnet endlich nicht mehr. Sogar die Sonne lässt sich kurz blicken.

Am Trafalgar Square hat die Polizei Position bezogen. Der Soldatenmord von London dominiert noch immer die Schlagzeilen in den Wochenendzeitungen. Dazu der abgefangene Flieger aus Pakistan, der am Freitag in Stansted für ein halbtägiges Chaos gesorgt hat. Die Londoner kennen das. Für Gäste vom europäischen Festland sind mit Maschinenpistolen patrouillierende Sicherheitskräfte ein eher befremdlicher Anblick. Ein paar grölende Bayern-Fans werden freundlich aber bestimmt ermahnt. Bloß keine Aufregung. Bloß keine Ausschreitungen. Die große Mehrzahl der deutschen Fans benimmt sich bis jetzt vorbildlich. Im Herzen von London steigt einfach nur eine große Fußballparty. Das Schöne daran: Die Engländer freuen sich mit. Manche machen sogar mit.

Abstecher zum Bayern-Hotel

Selbst das gefürchtete britische Boulevardblatt, die "Sun", hat ihre Liebe für die Deutschen entdeckt. Vor dem Wembley-Stadion im Nordwesten der Stadt liegt seit Freitag ein riesiges Handtuch, angeblich so lang wie drei Doppeldeckerbusse. "Willkommen" steht dort in überdimensionalen Lettern. Die Anspielung auf den ewigen Handtuchstreit zwischen Briten und Deutschen hat durchaus seinen Charme. Christoph Wild, ein 19-jähriger Münchner sieht das ähnlich: "Es bedeutet uns viel, dass die Engländer uns hier willkommen heißen. Wir lieben sie auch. Ihren Fußball. Ihren Humor. Ihre Liebe zum Bier. Selbst ihren verdammten Regen", sagt er. Ein Ticket hat er nicht. "Wer weiß, vielleicht hab ich ja noch Glück." Was er investieren will, verrät er nicht.

Dann noch schnell ein Abstecher zum Hotel der Bayern. Da soll viel los sein, sagt ein Inder im Schweinsteiger-Trikot. Kann man unterschreiben. Das "Landmark Hotel", ein nobles Haus an der Marylebone Road im gleichnamigen Stadtteil in der City of Westminster, ist in diesen Stunden umlagert von etwa hundert Bayern-Fans. Die Polizei hat den Eingang hermetisch abgeriegelt. Es kommt nur rein, wer hier wohnt. Bis zur Abfahrt des Mannschaftsbusses und der Chance, einen Blick auf die Stars zu erhaschen, wird es aber noch dauern. Gegen 18 Uhr Londoner Zeit soll es losgehen.

"We love Klopp"

Und davor: "Wake up, breakfast, siesta, coffee and cake, play football and hopefully celebrate", so hat Münchens Kapitän Philipp Lahm den Tagesablauf am Samstag beschrieben. Die große Sause in der Nacht steigt dann im schicken Grosvenor House am Hyde Park. Die Bayern haben extra eine Lizenz beantragt, damit sie bis 5 Uhr in der Früh feiern können – und Alkohol ausgeschenkt werden darf. Wehe, wenn das noch schiefgeht. Dann mag man sich als neutraler Beobachter dieses Finales lieber ins schwarz-gelbe Getümmel stürzen. Der BVB hat dazu das Natural History Museum in der Cromwell Road angemietet. Selbst im Falle einer Dortmunder Niederlage wird es dort stimmungsvoll zugehen. Weil die Borussia Außenseiter in diesem Endspiel ist. Die Lust am Gewinnen ist für Jürgen Klopps Team größer, als die Angst zu verlieren. Bei den Bayern verhält es sich ein bisschen anders. Apropos Jürgen Klopp. Den haben die Engländer wegen seiner charmanten Interviews, die er dem "Guardian" und der "Sun" gegeben hat, für sich entdeckt. Auf der Abschlusspressekonferenz am Freitagabend im Wembley-Stadion ging Dortmunds Trainer ein letztes Mal vor dem großen Spiel in die Charmeoffensive. In fließendem Englisch machte er Späßchen mit den britischen Reportern. Es wurde viel gelacht. Klopp weiß, wie er Menschen mit seiner offenen Art für sich gewinnt. Beispiel gefällig? Der Bobby auf der anderen Straßenseite des Bayern-Hotels strahlt, als er nach einem Tipp für heute Abend gefragt wird: "Dortmund is going to win, because they have Klopp. And we love him." Der Countdown läuft. Nur noch ein paar Minuten.

Die Fans liefern sich per Twitter einen Wettkampf: #fairytale für den BVB, #packmas für den FCB. Machen Sie mit!

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