HOME

Interview im "Aktuellen Sportstudio": Fußball schon ab Mai? Virologe Alexander Kekulé erklärt, wie das gehen könnte

Geht es nach der DFL, rollt in der Bundesliga schon bald wieder der Ball. Doch ist das überhaupt möglich? Ja, sagt der Virologe Alexander Kekulé – und erklärt, unter welchen Bedingungen die Saison zu Ende gespielt werden kann.

Professor Alexander Kekulé

Der Virologe Professor Alexander Kekulé war am Samstag im "Aktuellen Sportstudio" zugeschaltet und sprach darüber, ob und wie die Fußball-Bundesliga fortgesetzt werden kann.

ZDF

Seit Mitte März ruht der Fußball in Deutschland. Darunter leiden viele Fans, aber auch die Vereine, denen aktuell vor allem Fernsehgelder entgehen. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) stellt bereits Überlegungen an, die Saison ab Anfang Mai ohne Zuschauer zu Ende spielen zu lassen. 

Doch ist das überhaupt möglich? Darüber sprach Sportjournalist Jochen Breyer am Samstagabend im "Aktuellen Sportstudio" mit Professor Alexander Kekulé, der aus München zugeschaltet war. Dessen überraschende Einschätzung: Der Virologe hält die Wiederaufnahme des Spielbetriebes theoretisch für möglich. Man müsse sich zwar überlegen, wie man den Menschen erklärt, dass der Fußball eine Spezialbehandlung bekommt. Das sei eher eine politische Frage. "Aber machbar wäre das", sagte der Wissenschaftler der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  in der ZDF-Sendung. 

Alexander Kekulé plädiert für "smart distancing"

Die Umsetzung dieses Vorhabens ist allerdings alles andere als trivial. "Das wäre drakonisch für die Spieler", so Kekulé, für die man den Lockdown verlängern müsste. Die Mannschaften müssten in eine Art Spezial-Quarantäne gehen - und auch Masseure, Physiotherapeuten sowie Trainer mit einbeziehen. Dazu empfiehlt der Virologe "smart distancing", eine spezielle auf die Situation angepasste Form von Infektionsvermeidung. Dazu gehört das Tragen von Gesichtsmasken.

Vor allem aber wären Corona-Tests für jeden Spieler notwendig - an jedem einzelnen Spieltag. Laut seiner Berechnung würden damit etwa 20.000 Tests anfallen, damit die Saison zu Ende gespielt werden kann. Als Vergleich: Aktuell schafft Deutschland 100.000 Tests am Tag. Grundsätzlich halte er die gesundheitliche Gefährdung aber für vertretbar: Bei Fußballern handele es sich nicht um die typischen Risikogruppen. "Das sind ja im Prinzip junge und gesunde Menschen." Wenn da ein Profi tatsächlich mal eine Infektion hätte, sei das nicht so schlimm. Kurzum: "Rein virologisch wäre das Problem lösbar", sagte Alexander Kekulé. 

Eine Sonderstellung für den Fußball

Aber wäre eine solche Sonderstellung für den Fußball vermittelbar? Der ebenfalls zugeschaltete frühere Nationalspieler Christoph Kramer von Borussia Mönchengladbach plädierte dafür, dass die Menschen gerade in der Zeit des Shutdowns Zerstreuung brauchen, und der Fußball genau diese liefern könne. Ein Argument, dem sich Kekulé durchaus anschließen kann. Man müsse in Zeiten einer so schweren Belastung ein Ventil haben. 

Zwangspause: Klopapier-Tennis und Putzen: Womit sich Fußballer die Zeit vertreiben

Man benötige allerdings eine kluge Kommunikationsstrategie, sagte der Virologe. Die Fußballvereine müssten sich überlegen, wie sie ihre Ausnahmestellung vermitteln. Sein Vorschlag: Die Clubs müssten ein deutliches Zeichen setzen. Wenn zum Beispiel die Fußballvereine finanziell zehn Mal so viele Tests ermöglichen, wie sie selber brauchen, um die Saison weiterzumachen, wären das Argumente, die man kommunizieren kann.

Sein Fazit: "Ich glaube, dass der Fußball in Deutschland die wichtigste Nebensache ist." Dass der bald wieder vor Publikum gespielt werden kann, sieht Kekulé hingegen nicht: "Aus der jetzigen Sicht würde ich für dieses Jahr nichts mehr planen."

che

Wissenscommunity