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Finanzvorstand Thomas Wüstefeld Der HSV ist seinen Problem-Vorstand los, die massiven Schwierigkeiten bleiben

Thomas Wüstefeld stieg beim HSV rasant auf und stürzte wieder ab
Thomas Wüstefeld stieg beim HSV rasant auf und stürzte genauso schnell wieder ab
© Christian Charisius / DPA
Der Hamburger SV hat ein Problem weniger: Der umstrittene Finanzvorstand Thomas Wüstefeld ist zurückgetreten. Doch die Finanzmisere und die dubiose Rolle von Präsident Marcell Jansen in dem Fall bleiben.

Am Mittwochabend war es soweit: Auf der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung des Hamburger SV erklärte Thomas Wüstefeld seinen Rücktritt als Finanzvorstand und Aufsichtsratsmitglied. Es ist keine große Erkenntnis, dass dieser Rücktritt längst überfällig war und den HSV von einer großen Last befreit. Das hatte offenbar am Ende auch der Medizinunternehmer eingesehen, der gerade einmal neun Monate im Amt war und einem Rauswurf zuvorkam. Sein Aufstieg im Verein war rasant, genauso schnell war sein Fall.

Zu zahlreich und zu schwer wogen zuletzt die Vorwürfe gegen den 53-Jährigen. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt wegen zweier Strafanzeigen gegen Wüstefeld und seine Unternehmen, vor dem Landgericht werden demnächst Millionenklagen verhandelt und es gibt Zweifel am Doktortitel des Unternehmers. Was an den Vorwürfen dran ist, wird sich noch zeigen. Problematisch für den notorischen Krisenklub HSV waren sie allemal.

Gewaltiger Zoff innerhalb des HSV

Auch intern sorgte Wüstefeld nicht für Ruhe, sondern für gewaltigen Zoff. Er legte sich mit Großinvestor Klaus-Michael Kühne an, weil er einen Teil des Kaufpreises für die HSV-Anteile zurück wollte, die er dem Milliardär abgekauft hatte. Er pflegte ein Beziehung inniger Abneigung mit Sportvorstand Jonas Boldt und es gelang ihm bislang nicht, eine Bürgschaft für einen Kredit zur Stadion-Renovierung einzuholen. Stattdessen fabulierte er lieber von einem 200-Millionen-Projekt, der Volkspark-Plaza, die er für den HSV auf dem Gelände rund um das Stadion errichten wollte. Wie vieles bei dem Unternehmer klang es zu schön, um wahr zu sein. Bei der Stadt Hamburg, der das Gelände gehört, löste die Fantasterei nur Kopfschütteln aus.

Das eigentliche Problem hinter den Turbulenzen: Der HSV ist höchst anfällig ist für Gestalten wie Wüstefeld. Der Verein und insbesondere Präsident Marcell Jansen ließen sich offenbar nur allzu gern von den Erfolgsgeschichten des umtriebigen Unternehmers blenden. Jansen war es, der ihn an Bord holte. Jansen war mit Wüstefeld geschäftlich verbunden und traute ihm offenbar einiges zu. Zuletzt hielt der Präsident viel zu lange an dem umstrittenen Finanzvorstand fest und behauptete alles Ernstes, die Vorwürfe gegen Wüstefeld hätten nichts mit dem HSV zu tun. Mit seinem Verhalten hat sich Jansen selbst massiv beschädigt. Wer soll so einen Präsidenten noch ernst nehmen?

Auch Jonas Boldt gibt keine gute Figur ab

Auch Sportvorstand Jonas Boldt gab in dem Schlamassel keine gute Figur ab. Er lieferte sich mit Wüstefeld einen Machtkampf und entließ Sportdirektor Michael Mutzel. Die Angelegeneheit wird aktuell vor Gericht geklärt. Eine solide Vereinsführung sieht anders aus.

Zurückbleibt ein beschädigter Verein – mal wieder. Nicht viele Fußball-Klubs in Deutschland sind so talentiert darin, sich selbst das Leben schwerer als nötig zu machen. Darin ist der frühere Großverein und aktuelle Tabellenführer der 2. Liga ein wahrer deutscher Meister.

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