DFB-Pleite Denkzettel aus Ungarn


Die EM-Generalprobe ist völlig daneben gegangen: Ohne Kampfgeist und Engagement verlor die Völler-Elf das Jubiläumsspiel gegen zweitklassige Ungarn mit 0:2.

Mit einer völlig verpatzten Generalprobe hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft wieder große Zweifel an einer erfolgreichen Europameisterschaft geweckt. Einen Tag nach dem missglückten Test des Erzrivalen Niederlande beim 0:1 gegen Irland blamierte sich der Vize-Weltmeister am Sonntagabend im 50. Länderspiel unter der Regie von Teamchef Rudi Völler mit 0:2 (0:2) gegen Ungarns Verlegenheitself. Vor 36 073 Zuschauern im Fritz- Walter-Stadion von Kaiserslautern bestrafte Doppel-Torschütze Sandor Torghelle (7./31.) zwei von zahlreichen Fehlern der deutschen Mannschaft. Schon 30 Sekunden nach Spielende hatten unter dem gellenden Pfeifkonzert der Fans alle Spieler bis auf Oliver Kahn den Rasen verlassen, um sich in einen zweitägigen Heimaturlaub zu verabschieden. Am Mittwochmorgen in Frankfurt/Main treffen sie sich wieder zum Abflug nach Faro.

Schwächen und Mängel auf jeder Position

"Es war eine unnötige Niederlage. Heute haben wir einen Denkzettel bekommen. Aber wir müssen jetzt nach vorne schauen. Alle Trainingsspiele zählen nicht mehr, wenn wir nächste Woche gegen Holland spielen", bilanzierte Völler 90 enttäuschende Minuten, in denen seine Elf Mängel in allen Mannschaftsteilen offenbarte und den kapitalen Fehler beging, das vermeintlich harmlose Not-Team von Lothar Matthäus auf die leichte Schulter zu nehmen. Nach dem Kräfte zehrenden 13-tägigen Trainingslager im Schwarzwald fehlten zudem die geistige und körperliche Frische, um die verfahrene Situation nach dem schnellen 0:2 noch in den Griff zu bekommen.

Matthäus spricht stolz vom "Wunder von Kaiserslautern"

"Wir haben nicht das nötige Selbstvertrauen gezeigt. Man hat nicht gesehen, dass wir der Vize-Weltmeister sind. Aber man darf nicht den Fehler machen, dieses Spiel überzubewerten. Wir stehen kurz vor der EM, im Kopf sind wir schon beim Turnier", sagte Oliver Kahn. Dagegen war Matthäus, über dessen bevorstehenden Abschied als ungarischer Nationaltrainer spekuliert wird, obenauf: "Man kann nur stolz sein auf diese Spieler, die heute das Wunder von Kaiserslautern geschafft haben."

Wenige Lichblicke

Zu den wenigen Lichtblicken der Elf zählten Philipp Lahm, der in der Defensive kaum Fehler beging und sich mutig in den Spielaufbau einschaltete, und Bastian Schweinsteiger. Der nach der Pause eingewechselte Münchner überzeugte ein paar Mal durch Spielwitz und deutete ebenso wie der Kölner Lukas Podolski, der in der 74. Minute als 26. Debütant unter Völler für Fredi Bobic aufs Feld kam, sein großes Potenzial an. In der 86. Minute verpasste Schweinsteiger die große Chance, auf 1:2 zu verkürzen.

Dagegen war vom Mittelfeld wenig zu sehen. Während sich Michael Ballack zumindest bemühte, Ordnung in die zerfahrenen Aktionen zu bringen, misslang Dietmar Hamann und vor allem Torsten Frings und Bernd Schneider praktisch alles. Im Deckungsverbund fehlte zwischen Jens Nowotny und Christian Wörns häufig die Abstimmung. Andreas Hinkel konnte nicht nachweisen, dass er auf der rechten Seite mehr als ein Platzhalter für Arne Friedrich war, der nach dem Training am Morgen wegen einer Muskelverhärtung im Oberschenkel passen musste.

Totalausfall Miroslav Klose

Als Totalausfall entpuppte sich bei seinem Abschied vom Betzenberg Miroslav Klose. Der künftige Bremer gewann keinen Zweikampf und konnte sich mit seiner Leistung nicht für den Platz als Sturm-Partner von Kevin Kuranyi empfehlen. Dem zweifachen Torschützen von Basel verordnete Völler wegen Rückenproblemen eine Pause. Der zur Pause für Klose eingewechselte Thomas Brdaric wirkte agiler als sein Vorgänger, doch ihm fehlte das Quäntchen Glück im Abschluss.

Am Tag von Bern

In der Neuauflage des WM-Finales von 1954, der mit Ottmar Walter, Horst Eckel und Hans Schäfer die drei noch lebenden "Helden von Bern" beiwohnten, wurde die deutsche Mannschaft von den unbekümmert aufspielenden Ungarn kalt erwischt. Nach nur sieben Minuten setzte sich Torghelle im Strafraum gegen Wörns durch und ließ Kahn keine Chance. Nach 31 Minuten lagen die Magyaren wie vor 50 Jahren im Wankdorf-Stadion sogar mit 2:0 vorne, als wiederum Torghelle die deutsche Abwehr alt aussehen ließ.

Wenig Druck auf das ungarische Tor

Auf der Gegenseite blieb Gabor Kiraly im Tor der Ungarn bis zur 25. Minute nahezu beschäftigungslos. Erst dann wurde der Keeper, der noch im letzten Jahr bei Hertha BSC zwischen den Pfosten stand, bei einem von Schneider abgefälschten Frings-Schuss erstmals eingreifen. Seine beste Szene hatte Kiraly, der zur kommenden Spielzeit nach England wechselt, Sekunden vor der Halbzeit, als er einen Rückzieher von Bobic reaktionsschnell über die Latte lenkte. Nach der Pause erkämpften sich die Gastgeber deutliche Vorteile, ohne das Tor des fehlerfreien Kiraly ernsthaft in Gefahr zu bringen. Dagegen hätte Zoltan Gera (56.) einen ungarischen Konter beinahe mit dem 0:3 abgeschlossen.

Von Oliver Hartmann und Klaus Bergmann/DPA


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