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Die Zukunft von Borussia Dortmund: Die Himmelsstürmer werden nicht abstürzen

Nach der Finalniederlage in Wembley beendet der BVB die Saison ohne Titel. Zudem verlässt mindestens ein Leistungsträger den Verein. Dennoch: Der Dortmunder Höhenflug ist längst nicht zu Ende.

Von Carsten Heidböhmer

Nach 90 aufreibenden Minuten ist am Samstagabend im Wembley-Stadion in London der große Traum der jungen Dortmunder Mannschaft geplatzt. Sie haben die Sensation verpasst und das Champions-League-Finale gegen den FC Bayern knapp verloren. Auf seiner Facebook-Seite gab Mittelfeld-Stratege llkay Gündogan einen Einblick in das Seelenleben der Dortmunder Spieler: "Ich muss ehrlicherweise zugeben, dass ich eine Enttäuschung wie nach dem Spiel am Samstag in meiner Karriere noch nicht erlebt habe."

Nach zwei Meisterschaften in Folge beendeten die Borussen die Saison damit ohne Titel. Doch das war nicht der einzige Rückschlag, den die jungen Himmelsstürmer einstecken mussten: Mit Mario Götze kehrt dem BVB das größte Talent des deutschen Fußballs den Rücken. Dass ausgerechnet ein Dortmunder Eigengewächs den Verein verlässt, traf Mannschaft und Fans tief: "Es war wie ein Herzanfall", beschriebt Trainer Jürgen Klopp den Moment, als er von dem Abgang erfuhr. "Ich habe sechs oder sieben Spieler angerufen, von denen ich wusste, dass sie in ihrem Herzen tief getroffen waren", sagte Klopp der britischen Tageszeitung "Guardian".

Einer dieser Spieler war Mats Hummels, der eine schlaflose Nacht hatte: "Einen zu verlieren, der genau weiß, wie wir denken, der auch aus dem Verein kommt und trotzdem einen anderen Verein vorzieht, macht es so schwierig für uns", sagte er dem TV-Sender Sky. Als Shinji Kagawa gegangen sei oder im Falle des abwanderungswilligen Robert Lewandowski könne er das nachvollziehen, weil sie nicht aus Deutschland kommen. "Aber so war das für uns persönlich eine ganz harte Nummer."

Die Strahlkraft ist ungebrochen

Mit Götze und Lewandowski werden den Verein zwei absolute Weltklassespieler verlassen, zudem jagen internationale Spitzenclubs weitere Dortmunder Jungstars. Bricht jetzt das Dortmunder Projekt auseinander?

Das war die spontane Befürchtung. Doch die Strahlkraft von Jürgen Klopp und dem Verein ist offenbar größer, als erwartet. Denn die Zeichen stehen nicht auf Abbruch. Im Gegenteil: Schnell signalisierte der vom FC Barcelona umworbene Gündogan seine Bereitschaft, den bis 2015 auslaufenden Vertrag zu verlängern. Auch Mats Hummels dementierte alle Gerüchte, er stehe mit den Katalanen in Verhandlungen und bekannte sich zu Borussia Dortmund.

Gleichzeitig machen die begeisternden internationalen Auftritte und sicher auch das in der Champions League erspielte Geld den BVB für ausländische Spieler interessant. Der 21-jährige Däne Christian Eriksen hat seine Sympathien für den Verein bereits öffentlich bekundet und wird vermutlich für 15 Millionen Euro von Ajax Amsterdam ins Ruhrgebiet wechseln. Für weitere 15 Millionen Euro soll Kevin de Bruyne, 21, nach Dortmund kommen, Chelsea muss noch zustimmen. Daneben wird der 20-jährige brasilianische Ballkünstler Bernard mit den Schwarz-Gelben in Verbindung gebracht.

Junge, formbare Spieler

Der Verein bleibt also seiner Linie treu, junge, hungrige Spieler zu verpflichten, die noch formbar sind. Bereits fest steht der Transfer des griechischen Verteidigers Sokratis, 24, von Werder Bremen. Für den 23-jährigen Mittelfeldspieler Edgar Prib (Greuther Fürth) hat der BVB ein Gebot abgegeben, daneben werden Außenverteidiger und Stürmer gesucht. Die Kriegskasse ist prall gefüllt, zudem bietet der Verein mit seinem Dreigestirn, bestehend aus dem Vorsitzenden Joachim Watzke, Manager Michael Zorc und Trainer Jürgen Klopp ein Umfeld, in dem Talente bestens gedeihen können.

Dass der Götze-Abgang Dortmund nicht umhaut, deutet auch Sebastian Kehl im "Kicker"-Interview an: "Selbst wenn uns der eine oder andere mal verlässt: Verein und Mannschaft sind so gefestigt, dass sich das auch kompensieren lässt." Mehr noch: Der Verein hat so viel Geld erspielt, dass der Kader endlich verbreitert werden kann, damit die Dortmunder den Bayern künftig in allen Wettbewerben auf Augenhöhe begegnen können, und nicht noch einmal die Meisterschaft mit 25 Punkten Rückstand herschenken müssen. Auch da könnte der Weggang die Mannschaft eher stärken als schwächen.

Sogar das verlorene Finale könnte den Borussen weiter Auftrieb geben. Sie bleiben weiter hungrig. Oder wie es Geschäftsführer Watzke formulierte: "Um den nächsten Triumph zu erreichen, brauchst du den Schmerz der Niederlage."

Mit ihrem Auftritt in London haben es die Spieler noch einmal unter Beweis gestellt: Dortmund ist eine der besten Adressen im europäischen Fußball. Oder wie es Trainer Jürgen Klopp im "Guardian" formulierte: "das interessanteste Fußballprojekt der Welt."

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