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Dortmund gegen Bayern Das Spitzenspiel, das keines ist


Viele Spieler bleiben auf der Bank: Als Probe für das Champions-League-Finale taugt die Partie zwischen dem BVB und Bayern nicht. Doch Trainer und Fans sind angespannt. Die Atmosphäre ist vergiftet.
Von Tim Schulze

Selten war ein Spitzenspiel in der Bundesliga sportlich so bedeutungslos. In der Bundesliga geht es für beide Teams um nichts mehr. Dennoch schauen nicht nur Fußball-Anhänger und Medien in Deutschland, sondern europa- und sogar weltweit gespannt auf dieses Duell im Dortmunder Signal-Iduna-Park. Schließlich treffen hier die beiden besten Vereinsmannschaften Europas aufeinander. Die beiden Champions-League-Finalisten sind im Moment das Maß der Dinge im internationalen Fußball. Doch es kommt noch etwas hinzu, was die Partie noch reizvoller macht: Die Atmosphäre zwischen den beiden deutschen Spitzenclubs ist vergiftet. Der Wechsel von Mario Götze von Dortmund nach München und das Pokern der Bayern um Torjäger Robert Lewandowski haben der Rivalität zusätzlich befeuert.

Der BVB, der in den vergangenen zwei Jahren den nationalen Fußball dominiert hat, wird von den Bayern personell attackiert. Das ist zwar ein legitimes Vorgehen, doch das keiner der Bayern-Bosse im Fall von Götze im Vorfeld das Gespräch suchte, nimmt man dem Rivalen beim BVB übel, auch wenn der Transfer aufgrund der Ausstiegsklausel in Götzes Vertrag absolut einwandfrei ist. In solchen Fällen geht es eben auch um Stil. Es ist kaum anzunehmen, dass die Dortmunder ihren Spitzenangreifer Lewandowski ebenfalls vorzeitig nach München ziehen lassen. Jetzt schon gar nicht mehr. Dafür halten sich Watzke und Co. mit Kommentaren zur Causa Hoeneß vornehm zurück. Aus der Eiszeit ist noch keine offene Feindschaft geworden.

Dortmund will sich mit allen Mitteln wehren

Dennoch haben die Beziehungsstörungen Folgen. Eine, wenn auch harmlose, ist, dass das gemeinsame Mittagessen vor dem Spiel am frühen Samstagabend entfällt - mehr als ein unterkühlter Handschlag auf der Ehrentribüne ist nicht zu erwarten. "Warum sollen wir von Friede, Freude, Eierkuchen reden, wenn es nicht so ist", bekannte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Und in einem Interview mit der Süddeutsche Zeitung sagte der BVB-Boss: "Es wird (…) künftig bei Borussia Dortmund keine Ausstiegsklauseln mehr geben. Und dem Rest der Republik schwante: Die bösen, aggressiven Bayern, die mit unverhohlener Arroganz einen ernstzunehmenden Gegner auf allen Ebenen angreifen, waren wieder auferstanden da. Für das Spiel am frühen Abend orakelte Watzke "Die Stimmung wird spezieller als sonst sein", orakelte Watzke, rief die Anhänger aber zur Zurückhaltung auf: "Ich möchte keine Beschimpfungen und Schmähungen von unseren Fans hören."

Doch abgesehen von den atmosphärischen Spannungen ist das Spiel sportlich bedeutungslos. Angesichts des gigantischen 20-Punkte-Abstandes des Tabellenführers der Bayern auf den Zweiten taugt die Partie nur bedingt als Generalprobe für das Champions-League-Finale. "Es ist nicht relevant für das Spiel am 25. Mai. Dementsprechend sehen wir das schon relativ gelassen", sagte Matthias Sammer dem Radiosender "Antenne Bayern". Dennoch erwartet der Münchner Sportvorstand einen Sieg - auch mit Blick Richtung London: "Wir müssen den Rhythmus weitergehen und dann den i-Punkt setzen."

Es passt ins Bild von einem Gipfel mit begrenzter Aussagekraft, dass selbst der ansonsten vom Ehrgeiz dominierte Dortmunder Trainer Jürgen Klopp ungewohnte Töne anschlug. "Ich weiß nicht, ob die Bayern uns vor dem Finale in London erschrecken wollen. Aber das wird nicht möglich sein. Wir haben drei Wochen Zeit, uns zu erholen, von was auch immer." Dennoch würde der BVB-Coach den Bayern liebend gern die erste Auswärtsniederlage seit dem 0:1 in Dortmund vor gut einem Jahr bescheren: "Der Stellenwert des Spiels bleibt ein großer, weil wir vor 80.000 Fans im geilsten Stadion spielen."

Duell zweier B-Mannschaften

Wie Klopp wird auch Jupp Heynckes diversen Leistungsträgern nach der Terminhatz der vergangenen Wochen eine Verschnaufpause gönnen. So verriet der Bayern-Coach, dass die angeschlagenen Nationalspieler Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Arjen Robben und Franck Ribéry wegen Blessuren gar nicht erst mit nach Dortmund reisen. "Ich gehe davon aus, dass auch der Kontrahent Dortmund in einer anderen Formation spielen wird als in Madrid", sagte Heynckes.

Ähnlich wie Sportvorstand Sammer erwartet auch Heynckes wenig "Aussagekraft" für den Höhepunkt des Fußball-Jahres. "Das Spiel hat für mich null Einfluss auf das Champions-League-Endspiel." Trotzdem würden beide Mannschaften "bestrebt" sein zu gewinnen: "Das wird sicher ein gutes Bundesligaspiel." Betrug am zahlenden Zuschauer sei der Verzicht auf einige Spitzenkräfte nicht, erklärte Heynckes: "Bei uns werden Gomez und Pizarro auf dem Platz stehen. Sind das etwa keine Topspieler?"

mit Agenturen

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