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Dortmund und Schalke in der Champions League: Die Reifeprüfung

Gegen Real Madrid und Arsenal London müssen Dortmund und Schalke zeigen, dass sie zu den etablierten Teams der Königsklasse aufschließen können. Die Vorzeichen könnten nicht unterschiedlicher sein.

Von Joel Stubert

Das Arsenal-Monatsmagazin für Oktober verlost ein Treffen mit dem "New darling of the Emirates Stadium" – und das ist mittlerweile Lukas Podolski. Ob die Spieler des FC Schalke 04 an dieser Verlosung teilgenommen haben, ist nicht überliefert. Dass sie dem Spiel heute Abend (ab 20.45 Uhr im stern.de-Liveticker) in London jedoch gelassen entgegenblicken dagegen schon.

Nach dem Derbysieg in Dortmund ist die königsblaue Welt in Ordnung. Die überzeugende Vorstellung beim Erzrivalen hat sich bis nach Nord-London herumgesprochen. "Sie sind technisch gut, haben ein gutes Passspiel - ihr Ansatz ähnelt unserem Spiel. Das wird interessant", erwartet Arsenal-Legionär Per Mertesacker ein schweres Spiel seiner "Gunners“ gegen den FC Schalke 04 .

Schalke liegt bisher im Soll

Interessant auch, weil Arsenals Formkurve nach unten zeigt. Selbst der neue Liebling der "Gunners“, Lukas Podolski, konnte die peinliche 0:1-Niederlage bei Norwich City nicht verhindern und wurde, wie bisher in jedem Spiel, ausgewechselt. Es sei die schlechteste Saisonleistung seines Teams gewesen, polterte Coach Arsene Wenger nach dem Spiel und zeigte sich "schockiert“.

Trotz der letzten Niederlage Arsenals: Für die Gelsenkirchner wird das Spiel zum Gradmesser der bisherigen Saison. Überzeugend in Piräus, nachlässig gegen Montpellier – mit vier Punkten liegen die "Knappen“ international bisher im Soll. Selbiges gilt für die Bundesliga, erst recht nach dem 2:1-Erfolg beim Erzrivalen. Trainer Huub Stevens ist sich sicher, dass der prestigeträchtige Sieg positive Auswirkungen hat: "Ich denke schon. Wir haben gegen Dortmund super gespielt. Wenn wir gegen Arsenal die gleiche Einstellung an den Tag legen, haben wir auch dort eine Chance." Mit Arsenal wartet ein europäisches Spitzenteam, gegen das Schalke seine internationale Reife beweisen kann.

Zorc fordert "Trotzreaktion"

Es ist förmlich zu spüren, wie das Selbstbewusstsein der Schalker nach dem Derby-Sieg in die Höhe geschnellt ist. "Wenn man beim BVB drei Punkte holt, ist auch in London was drin. Wir müssen aber mindestens die Performance bieten, wie in Dortmund", sagt der Halb-Engländer Lewis Holtby, der keine Gelegenheit auslässt, seine Liebe für den britischen Fußball zu bekunden.

Vorfreude ja, doch von der Euphorie, die bezüglich der Champions-League-Saison noch vor wenigen Wochen in und um die Stadt Dortmund herrschte, ist wenig zu spüren. International haben die Borussen die Feuertaufe in Manchester zwar bestanden, trotzdem reichte es nur zu einem Remis. National hinken sie ihren Erwartungen dagegen deutlich hinterher. Zwölf Punkte Rückstand auf Bayern nach acht Spielen - das war so nicht geplant. Gegen Real Madrid muss Dortmund den Abwärtstrend der vergangenen Spiele in Hannover und gegen Schalke stoppen. "Real könnte genau der richtige Gegner sein. Ich erwarte eine Trotzreaktion", formuliert Sportdirektor Michael Zorc die Erwartungen für das Spitzenspiel der Gruppe D gegen den neunfachen Titelträger Real Madrid.

Spiel in Manchester "eine Explosion"

Die "Königlichen" gehen in Dortmund genauso als Favorit in die beiden Spiele, wie der FC Arsenal gegen Schalke. Dennoch muss vor allem der deutsche Double-Sieger gegen die Elf von Star-Trainer José Mourinho beweisen, auf hohem Niveau mithalten zu können. Das dritte Vorrunden-Aus auf europäischer Bühne in Folge wäre mit dem Status eines zweifachen deutschen Meisters nicht in Einklang zu bringen.

Vor allem der Auftritt bei Manchester City lässt die Spieler der Borussia optimistisch auf das Spiel gegen den spanischen Meister blicken. "Das Spiel in Manchester war eine Explosion. Wenn wir gegen Real das gleiche Spiel abliefen, wird es spannend. Dann können wir auch dem spanischen Meister das Wasser reichen", glaubt Verteidiger Neven Subotic.

Arsenal mit dem "German Wunderkind" auf der Bank

Fest steht jedoch: Seit dem Spiel in England ging es bergab. Die Leistung aus Manchester zu wiederholen dürfte zudem schwer werden. Ilkay Gündogan ist fraglich und um die Einsätze von Marcel Schmelzer und Mario Götze muss bis zum Anpfiff gebangt werden. Spieler, die Jürgen Klopp nicht gleichwertig ersetzen kann, wie die schmerzhafte Niederlage gegen Schalke bewies.

Real-Coach Jose Mourinho hat solche Probleme nicht. Er kann auch im Revier auf Mesut Özil zurückgreifen und sollte dies auch tun - zumindest wenn es nach 22.000 Usern der Zeitung "AS" geht. Die votierten für einen Startelf-Einsatz des Ex-Schalkers Özil, deutlich mehr, als für dessen prominente Konkurrenten Luka Modric und Kaka. Auch Trainer Mourinho setzte zuletzt wieder häufiger auf den Nationalspieler. "Özil wirkt physisch stärker, über spielerische Qualitäten verfügt er sowieso", schrieb das Sportblatt "Marca" nach dem letzten Spiel gegen Vigo. Die Wertschätzung für den Spielmacher der deutschen Nationalmannschaft ist zuletzt wieder deutlich gestiegen, auch dank seines starken Auftritts beim "Clasico" in Barcelona (2:2).

Neben Özil werden auch noch Khedira, Mertesacker und Podolski gegen die deutschen Mannschaften auflaufen. Und vielleicht noch ein weiterer deutscher Auswahlspieler. Hierzulande fast unbemerkt feierte Serge Gnabry sein Debüt in der ersten Mannschaft des FC Arsenal. In Norwich wurde der deutsche Junioren-Nationalspieler zehn Minuten vor Schluss eingewechselt. Coach Wenger fand nur lobende Worte für das "German Wunderkind": "Serge war nach seiner Einwechslung einer der Gefährlichsten. Er war auffällig und sah sehr interessant aus." Beim Spiel gegen Schalke steht der Deutsch-Ivorer im Kader Arsenals und kann vielleicht ebenfalls seine internationale Reifeprüfung ablegen.

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