Nationalmannschaft Rippenbruch - Frings droht EM-Aus


Doppel-Schock für die DFB-Elf: Im EM-Viertelfinale gegen Portugal droht der Ausfall von gleich zwei Leistungsträgern: Torsten Frings hat sich gegen Österreich eine Rippe gebrochen, sein Einsatz ist mehr als fraglich. Und auch Torjäger Lukas Podolski ist angeschlagen.

Schock für Joachim Löw: Nur wenige Stunden nach seinem zweiten EM-Versprechen erreichte den Bundestrainer aus dem Krankenhaus in Lugano eine Hiobsbotschaft. Leistungsträger Torsten Frings steht nach einem Rippenbruch beim gemeisterten "Ausnahmezustand" in Wien gegen Österreich vor dem EM-Aus. Eine Röntgen-Untersuchung bestätigte am Dienstagabend die Befürchtungen, auch wenn Löw das Unheil vor dem Viertelfinale am Donnerstag gegen Portugal noch nicht wahrhaben wollte.

"Da Torsten für unser Team ein wichtiger Spieler ist, ist es selbstverständlich, dass unsere medizinische Abteilung alle Möglichkeiten ausschöpfen wird, damit er einsatzfähig ist", wurde der Bundestrainer in einer DFB-Mitteilung zitiert. Er hofft auf ein kleines medizinisches Wunder. Frings soll rund um die Uhr behandelt werden. Die Entscheidung, ob er mit gebrochener Rippe eingesetzt werden kann, will Löw "erst kurzfristig" am Spieltag treffen. Der Bundestrainer ist damit über Nacht in große Personalnöte geraten, da auch noch der Ausfall von Lukas Podolski droht. Der dreifache Turnier-Torschütze hat sich ebenfalls beim 1:0-Sieg gegen die Österreicher eine hartnäckige Wadenblessur zugezogen. "Das Fragezeichen ist groß", berichtete ein besorgter Löw.

Mittags hatte sich der 48-Jährige nach dem auch persönlichen Befreiungsschlag gegen den EM-Mitgastgeber noch aufgeräumt und optimistisch präsentiert. Mit einem kurzen "ja" hatte er sogar die Frage beantwortet, ob die deutsche Elf nach dem krassen Außenseiter Österreich nun auch den hoch gehandelten EM-Mitfavoriten Portugal mit Topstar Cristiano Ronaldo aus dem Turnier werfen werde. "Wir tun uns leichter gegen Mannschaften, die mitspielen. Da wird man auch wieder unsere Qualitäten sehen", hatte Löw bei der Pressekonferenz in Tenero versichert.

Hitzelsperger als Frings-Ersatz

Trotz der deutlichen Mängel beim knappen Erfolg im letzten Vorrundenspiel und den personellen Rückschlägen glauben Löw und sein Personal immer noch an den Halbfinal-Einzug am Donnerstag (

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) in Basel. "Die Portugiesen werden auch eine Menge Respekt vor uns haben", bemerkte Torschütze Michael Ballack. Der Kapitän muss sich nach der schweren Blessur von Frings auf einen neuen Nebenmann im Zentrum einstellen, der wohl nur Thomas Hitzlsperger heißen kann.

Der Bundestrainer könnte bei der Neuauflage des kleinen WM-Finales von 2006 (3:1) auch selbst am Spielfeldrand fehlen. Derzeit ist der 48-Jährige für die Partie im St.-Jakob-Park gesperrt. So sieht es Artikel 9, Absatz 1 der Uefa-Regularien für den Fall vor, dass ein Trainer von der Bank verwiesen wird, wie es im EM-Gruppenfinale Löw und dessen Kollegen Josef Hickersberger passiert war. Allerdings kann die Uefa-Disziplinarkommission, die am Mittwoch tagt, ein anderes Urteil treffen. "Ich gehe davon aus, dass es einen Freispruch geben kann, weil ich niemanden beleidigt habe", betonte Löw, der sich im Happel-Stadion vom vierten Schiedsrichter vehement an der Ausübung seiner Arbeit in der Coaching-Zone behindert sah. "Ich möchte mich da frei bewegen, diese Zone ist dafür da."

Rotsünder Schweinsteiger kehrt zurück in Start-Elf

Für eine ausführliche Aufarbeitung des wenig Mut machenden Prestige-Erfolges gegen Österreich bleibt dem Bundestrainer kaum Zeit. Denn der Viertelfinal-Gegner, der beim 0:2-Gruppenabschluss gegen die Schweiz gleich acht Stammkräfte geschont hatte, darunter Ronaldo und Deco, reist ohnehin schon wesentlich ausgeruhter nach Basel. Dass Leistungen wie gegen Kroatien (1:2) und gegen Österreich nun gegen die offensivstarken Portugiesen nicht mehr reichen werden, ist ohnehin allen im deutschen Lager klar. "Es wird jetzt eine Herausforderung für Ballack und Co., eine Schippe draufzulegen. Und sie müssen eine Schippe drauflegen, sonst scheiden sie aus", übermittelte Fußball-"Kaiser" Franz Beckenbauer.

Löws dürfte nach dem Frings-Schock mehr personelle Korrekturen vornehmen müssen, als er wollte. Mario Gomez hat im Sturm mit dem nächsten schwachen Auftritt seine letzte Chance verspielt. Auch Löw musste eingestehen, dass der immer wieder mit dem FC Bayern München in Zusammenhang gebrachte Stuttgarter seine Form aus der Bundesliga beim EM-Turnier nicht bestätigen konnte. Dennoch ließ er "keine Zweifel an den Qualitäten" des 22-Jährigen zu, auch weil er bei einem Podolski-Ausfall Gomez weiter als Angriffs-Partner des ebenfalls schwächelnden Miroslav Klose brauchen würde.

Festgelegt hat sich Löw auf eine Rückkehr Schweinsteigers ins Mittelfeld. Der Bundestrainer hat nach der Roten Karte des Münchners gegen Kroatien eine "gute Reaktion" bei Schweinsteiger ausgemacht und setzte ihn unter Druck: "Er hat eine gewisse Bringschuld gegenüber uns allen."

DPA DPA

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