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Deutschland - Kroatien: So klappt es mit dem Sieg

Das zweite EM-Spiel kann Deutschland schon den Gruppensieg bescheren. Gegen Polen gab es gute Ansätze, aber diesmal lauert mit Kroatien (ab 17.45 Uhr im stern.de-Liveticker) ein stärkerer Gegner auf das DFB-Team, das in unveränderter Aufstellung beginnen wird. Wie Jogi Löws Jungs die Kroaten schlagen können und wo die Gefahren liegen.

Von Nico Stankewitz

Zum Auftakt der Euro 2008 hat Deutschland eine überzeugende Vorstellung abgeliefert, wurde gegen eine harmlose polnische Mannschaft allerdings auch nicht wirklich gefordert. Gegen Kroatien (ab 17.45 Uhr im stern.de-Liveticker) wird die Löw-Elf mehr bieten müssen, um erneut als Sieger vom Platz zu gehen und möglicherweise schon den Gruppensieg einzufahren. Die etwas defensivere Grundausrichtung gegenüber 2006 überzeugte bisher ebenso wie die Experimente mit Clemens Fritz und Lukas Podolski auf den offensiven Außenbahnen.

Kroatien: Offensiv hui - defensiv pfui?

In ihrem Auftaktspiel gegen Österreich hatte die kroatische Mannschaft noch Schwierigkeiten, ins Turnier zu finden, aber die Qualitäten der Offensivspieler sind auch in Deutschland gut bekannt. Das Sturmduo Ivica Olic/Mladen Petric blickt auf eine starke Bundesligasaison zurück, die beiden haben gemeinsam immerhin 27 Tore erzielt. Zum Vergleich: Miroslav Klose/Mario Gomez kamen zusammen auf 29, Klose/Lukas Podolski auf 15. Dahinter lauert eine technisch starke und variable Dreierreihe, die die eigentliche Herausforderung für die deutsche Defensive darstellt. Denn mit Dario Srna, Luka Modric und Niko Kranjcar stehen da drei dynamische und schwer zu stellende Spieler, die vor allem auf den Außenbahnen versuchen werden zum Erfolg zu kommen.

Obwohl ohne Gegentor gegen Österreich geblieben, scheint die Abwehr der schwächste Mannschaftsteil in der Elf von Trainer Slaven Bilic zu sein. Die Innenverteidigung mit Robert Kovac (34/Borussia Dortmund) und Josip Simunic (30/Hertha BSC) ist aus der Bundesliga bekannt und dürfte nicht gerade Angstschweiß bei den deutschen Stürmern erzeugen. Davor spielt der 36-Jährige Kapitän Niko Kovac (Salzburg) - ein ausgemusterter Bundesligaspieler, der schon zu seiner besten Zeit kein Sprintertyp war. Dieses Trio dürfte mit Klose, Podolski, Gomez große Probleme bekommen. Der sehr beweglichen und laufstarken Offensive der Löw-Elf liegen natürlich eher unbewegliche Gegenspieler wie die Kroaten, hier dürfte der spielentscheidende Unterschied liegen. Falls Bilic einen seiner fünf Offensivspieler zugunsten der Defensive opfern sollte, könnte das die Chancen der DFB-Elf weiter verbessern. Denn vor allem im Angriff liegt die große Chance der Kroaten, gegen die favorisierten Deutschen für eine Überraschung zu sorgen.

Sollbruchstelle halblinks

Obwohl Marcell Jansen viel Druck nach vorne macht, hat der Bayern-Spieler doch schwerwiegende Defizite im defensiven Stellungsspiel und Zweikampfverhalten. So kam sein polnischer Gegenspieler Wojciech Lobodzinski zu einer Reihe von Flanken, die gegen stärkere Gegner verhängnisvoll hätten werden können. Gefahr droht vor allem von dem pfeilschnellen Srna von Schachtjor Donezk, der Jansen und damit die ganze deutsche Hintermannschaft erheblich das Leben schwer machen dürfte. In Verbindung mit dem leichtfüßigen Ballverteiler Modric zentral hinter den Spitzen werden die Kroaten die Schnittstelle zwischen Christoph Metzelder und Jansen attackieren, hier (und nicht zwischen den Innenverteidigern Per Mertesacker und Metzelder) schien gegen Polen die "Sollbruchstelle" in der deutschen Abwehr zu liegen. Dem kompakten Block in der Mitte mit Ballack, Torsten Frings und der Innenverteidigung dürfte es gelingen, Modrics Kreise empfindlich zu stören, auch auf der rechten Abwehrseite sollten Philipp Lahm und Fritz die Situation unter Kontrolle halten können, beides gelang jedenfalls gegen Polen vorzüglich.

Gefahr durch "Minutenschlaf"

Inzwischen ist durchgesickert: Löw wird auch gegen Kroatien zunächst an der erfolgreichen Anfangsformation aus dem Spiel gegen Polen festhalten. Das heißt, er hat sich erneut für die offensive Variante auf der linken Seite mit Marcell Jansen und Lukas Podolski entschieden.

Die sehr souveräne deutsche Vorstellung gegen Polen wurde durch etwa 15 Minuten vor und nach der Halbzeit getrübt, als die Mannschaft unkonzentriert wirkte und dem Gegner zu viel Spielraum ließ. Die Polen kamen in dieser Phase besser ins Spiel und erarbeiteten sich einige Chancen. Gegen die individuell viel stärkeren Kroaten könnte eine solche Schwächephase verhängnisvoll werden, zumal es keine erkennbaren äußeren Ursachen dafür gab. Es waren vielmehr Konzentrationsschwächen und sich häufende individuelle Fehler, die den Gegner zurück ins Spiel brachten. Bleibt die DFB-Elf gegen Kroatien 90 Minuten lang hoch konzentriert und hält die linke Abwehrseite sauber, steht dem Einzug ins Viertelfinale nichts im Wege.

Die Mannschaftsaufstellungen:

Kroatien:

1 Pletikosa (Spartak Moskau/29 Jahre/71 Länderspiele) - 5 Corluka (Manchester City/22/22), 4 Robert Kovac (Borussia Dortmund/34/76), 3 Simunic (Hertha BSC/30/64), 22 Pranjic (SC Heerenveen/26/13) - 11 Srna (Schachtjor Donezk/26/57), 10 Niko Kovac (Red Bull Salzburg/36/79), 14 Modric (Dinamo Zagreb/22/28), 7 Rakitic (FC Schalke 04/20/9) - 19 Kranjcar (FC Portsmouth/23/43) - 18 Olic (Hamburger SV /28/56)

Deutschland:

1 Lehmann (FC Arsenal/38/57) - 16 Lahm (Bayern München/24/43), 17 Mertesacker (Werder Bremen/23/45), 21 Metzelder (Real Madrid/27/43), 2 Jansen (Bayern München/22/24) - 4 Fritz (Werder Bremen/27/16), 8 Frings (Werder Bremen/31/74), 13 Ballack (FC Chelsea/31/83), 20 Podolski (Bayern München/23/50) - 9 Gomez (VfB Stuttgart/22/12), 11 Klose (Bayern München/30/77)

Schiedsrichter:

de Bleeckere (Belgien)

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