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EM 2012: Die Top Fünf der besten Trainer der EM 2012

In der Bundesliga drängt eine junge Trainer-Generation in die Verantwortung, Veteranen wie Heynckes (67) oder Stevens (58) sind in der Minderheit. Bei der EM wird das anders sein, in unserem Ranking der besten Trainer ist Joachim Löw mit seinen 52 Jahren der Jüngste. Klar, dass er so nicht ganz vorne landen kann.

Anders als in der Bundesliga, wo eine junge Trainer-Generation immer mehr in den Vordergrund drängt, wird bei der EM in der Trainerfrage in vielen Ländern auf Erfahrung gesetzt. Im Durchschnitt sind die 16 EM-Trainer 56 Jahre alt.

Da verwundert es nicht, dass auch in unserem Ranking der besten Trainer der Euro 2012 nur erfahrene Coaches dabei sind, Bundestrainer Joachim Löw ist mit seinen 52 Jahren noch der Jüngste. Unsere Kriterien sind die Erfolge der Trainer, sowohl auf Vereins- als auch auf Verbandsebene, die Entwicklung der jeweiligen Nationalmannschaft unter dem Trainer und die taktischen Fähigkeiten der Kandidaten.

5. Cesare Prandelli (Italien)

Als Spieler hatte Cesare Prandelli seine große Zeit bei Juventus Turin. Zwischen 1979 und 1985 wurde Prandelli mit der Alten Dame drei Mal Meister, er gewann zwei Mal den italienischen Pokal und auch international konnte er zwei Trophäen in die Höhe stemmen. Als Trainer konnte Prandelli diese Bilanz zwar nicht bestätigen, das lag aber eher an den Ambitionen seiner bisherigen Clubs.

Trotzdem hat es Prandelli in unserer Ranking geschafft, gerade in den fünf Jahren beim AC Florenz leistete der 54-Jährige hervorragend Arbeit – 2006 und 2008 wurde Prandelli zu Italiens Trainer des Jahres gewählt. Nach der desaströsen WM 2010, als Italien ohne Sieg und mit nur zwei Punkten schon in der Vorrunde ausscheiden musste, schenkte der italienische Verband Prandelli als Nachfolger von Weltmeister-Coach Marcello Lippi das Vertrauen.

Prandelli war zum Umbruch gezwungen, fand aber den richtigen Mittelweg. Er verjüngte den Kader, baute aber auch weiter auf Routiniers wie Gianluigi Buffon, Giorgio Chiellini oder Antonio Cassano. Die EM-Qualifikation schaffte die Squadra Azzurra mit acht Siegen und zwei Unentschieden souverän, im Freundschaftsspiel gegen Italien gab es ein achtbares 1:1.

"Wir müssen Vertrauen in die neue Spielergeneration haben. Denn gerade die jungen Spieler bringen eine ganze Menge Optimismus und Begeisterung mit", erzählte Prandelli unlängst bei fifa.com. "Mein Ziel ist es, einen ergebnisorientierten und zugleich schönen Fußball spielen zu lassen." Vor allem im Angriff verfolgt Prandelli einen klaren Plan, hier setzt er neben Cassano auf Mario Balotelli, Sebastian Giovinco und den alten Hasen Antonio di Natale. "Ich brauche keine statischen Angreifer mehr, deren Bewegungsradius eher gering ist." Catenaccio wird es bei der EM nicht geben.

4. Bert van Marwijk (Niederlande)

Seinen größten Erfolg als Trainer feierte Bert van Marwijk in seiner Zeit bei Feyenoord Rotterdam, 2002 gewann er gegen Borussia Dortmund den UEFA-Pokal. Zwei Jahre später ging er zum BVB und hat, in der schwersten Phase der Vereinsgeschichte, bleibenden Eindruck hinterlassen. Auf der finanziellen Rasierklinge tanzend hielt van Marwijk die Borussia sportlich im ruhigen Fahrwasser.

Seit 2008 ist van Marwijk Bondscoach, er löste den glücklosen Marco van Basten ab. Eigentlich gehört van Marwijk in die niederländische Tradition mit zwei Außenstürmern im klassischen 4-3-3. Doch der 60-Jährige verordnete seinem Team eine etwas andere Philosophie – was ihm in seiner Heimat auch viel Kritik einbrachte.

Bei der WM in Südafrika spielte die Niederlande, vor allem zum Missfallen von Legende Johan Cruyff, ergebnisorientierten Fußball. Den üblichen Voetbal Total suchte man vergeblich, damit kam Oranje aber immerhin bis ins Finale. Das blieb allerdings wegen der ruppigen Spielweise in Erinnerung, Nigel de Jongs Tritt gegen Xabi Alonso gehört zu den meistgeschauten Fouls der WM-Historie.

Doch van Marwijk ist seinem Stil treu geblieben, will sein Team nicht mehr in Schönheit sterben sehen. In der Qualifikation marschierte Oranje ungeschlagen bis zum letzten Spiel in Schweden, das 0:3 im Testspiel gegen Deutschland sollte ebenfalls nicht der Maßstab sein. Mit Luciano Narsingh (21/SC Heerenveen) und Jetro Willems (18/ PSV Eindhoven) treibt van Marwijk zudem die Verjüngung des Kaders voran.

3. Joachim Löw (Deutschland)

Joachim Löws Arbeit als deutscher Nationaltrainer muss differenziert betrachtet werden. Auf der einen Seite hat er die spielerische Entwicklung der Mannschaft entscheidend vorangetrieben, das DFB-Team ist nicht mehr abhängig von physischer Überlegenheit oder vom typischen deutschen Willen. Andererseits hat es noch nicht zu einem Titel gereicht, sowohl bei der EM 2008 als auch zwei Jahre später gab es Niederlagen gegen scheinbar übermächtige Spanier.

Mit eben diesem Titel soll es nun endlich klappen – Deutschland geht nach einer verlustpunkfreien EM-Qualifikation wieder als Mitfavorit in die Europameisterschaft, daran ändert auch die Testspiel-Pleite gegen die Schweiz nichts. Schon 2004, als Jürgen Klinsmann Löw als Assistenten zum DFB lotste, galt der Rekordtorschütze des SC Freiburg als der Taktikfuchs, der "Motivator" Klinsmann zu den richtigen Entscheidungen riet.

Nach Klinsmanns Abgang gab es einen geräuschlosen Übergang und seitdem hat Löw sehr vieles richtig gemacht, vor allem in Anbetracht der vielen Millionen Bundestrainern unter den Fans, die gerne die Entscheidungen und Nominierungen Löws kritisieren.

Löws Vertrag beim DFB läuft noch bis 2014, die WM in Brasilien könnte dann sein letztes Turnier sein. Löw kann sich gut vorstellen, danach wieder als Vereinstrainer zu arbeiten, wie er es vorher schon beim VfB Stuttgart, bei Fenerbahce Istanbul, beim KSC sowie in Wien und Innsbruck getan hatte. Seine größten Erfolge waren der Pokalsieg mit dem VfB und der Meistertitel in Innsbruck.

2. Giovanni Trapattoni (Irland)

Über die Erfolge von Giovanni Trapattoni muss eigentlich kein Wort verloren werden, der Italiener ist einer der erfolgreichsten Trainer des Weltfußballs. Doch selbst im hohen Alter von 73 Jahren leistet Trap immer noch hervorragende Arbeit, Außenseiter Irland führte der Italiener über die Playoff-Spiele zum kontinentalen Turnier.

Dabei hatten die Iren sicherlich auch etwas Losglück, mit Estland wurde der vermeintlich leichteste Gegner souverän ausgeschaltet (4:0 und 1:1). Und auch in der Gruppenphase ließen die Iren mit Armenien, Slowakei, Mazedonien und Andorra keine allzu schweren Gegner hinter sich. Trotzdem ist Trapattonis Leistung beachtlich, wenn man bedenkt, dass Irland erst zum zweiten Mal an einer Euro und zum fünften Mal überhaupt an einem großen Turnier teilnimmt.

Die Gruppengegner Spanien, Kroatien und Italien können sich auf defensive Iren einstellen. Trapattoni legte schon immer Wert auf konsequente Defensivarbeit, außerdem schwärmte er im Trainingslager von Chelseas Leistung im Champions League-Finale. "Das war eine gute Lehrstunde für uns", ließ Trapattoni wissen. "Wir haben unsere eigenen Waffen. Aber vielleicht müssen wir so starten wie Chelsea, wenn uns die anderen Teams dazu zwingen." Auch deshalb sieht Kollege Prandelli mit gemischten Gefühlen dem Spiel gegen seinen Landsmann entgegen: "Ich wollte ein Duell mit Trapattoni eigentlich vermeiden."

1. Vicente del Bosque (Spanien)

Viele Trainer-Stationen hatte Vicente del Bosque noch nicht. Bei Real Madrid (zwei Meistertitel, zwei Champions League-Siege), wo del Bosque auch über 300 Partien als Spieler absolvierte, und mit der Nationalmannschaft war er aber extrem erfolgreich – einzig die Odyssee bei Besiktas Istanbul war schnell und ohne Titel beendet.

"Natürlich sind wir Favorit angesichts der Tatsache, dass wir Europa- und Weltmeister sind", sagte del Bosque zu den Ambitionen seines Teams. Spanien kann Geschichte schreiben, kein Europameister konnte bisher den Titel verteidigen und drei Titel bei drei aufeinanderfolgenden Großturnieren hat auch noch keine Nation geschafft.

Aber del Bosque musste zuletzt einige Negativnachrichten verkraften. Mit Carles Puyol fällt sein Abwehrchef ebenso aus, wie sein bester Torjäger. David Villa konnte seine Fitness nicht in einen Turnier tauglichen Zustand bringen. Cesc Fabregas ist ebenfalls verletzt und wird erst in zehn Tagen ins Training einsteigen können. Und analog zu Löw musste er lange auf viele Stammspieler verzichten, die Profis des FC Barcelona und von Athletic Bilbao waren am 25. Mai noch im Pokalfinale im Einsatz. Doch mit seinen 61 Jahren wird del Bosque auch darauf die richtige Antwort finden.

Marcus Krämer

sportal.de / sportal

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