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EM 2012: EM-Casting - Diese vier Spieler sollte Bundestrainer Löw aussortieren

Das Testspiel gegen die Schweiz ist für die EM-Wackelkandidaten die letzte Möglichkeit Eindruck zu schinden. Spätestens am 29. Mai muss Bundestrainer Joachim Löw seinen endgültigen Kader benennen, für vier Spieler geht es dann in den Urlaub. Wir haben die Vorbereitung beobachtet und sagen, wen es treffen sollte.

Im DFB-Trainingslager wird es in den kommenden Tagen ein Kommen und Gehen geben. Die acht Bayern-Spieler reisen nach dem Champions League-Trauma an, spätestens am 29. Mai werden vier Profis von Bundestrainer Joachim Löw aussortiert und dürfen in den Urlaub fahren.

Bei den 27 Aktiven im vorläufigen Kader herrscht ein Überangebot an Mittelfeldspielern, viele Experten rechnen daher neben einem Torwart mit drei Aussortierten aus diesem Mannschaftsteil. Wir denken allerdings, dass es bei der Flexibilität vieler Spieler auch einen Stürmer erwischen kann. Wir füllen vor dem Test gegen die Schweiz schon mal vier Urlaubsanträge aus – Löw muss nur noch unterschreiben:

Urlaubsantrag 1: Ron-Robert Zieler

Seit der vorläufigen EM-Nominierung am 7. Mai stand fest, dass ein Torhüter nicht mit zur Euro wird fahren können. Manuel Neuer ist gesetzt, wird als klare Nummer eins ins Turnier gehen und wird im Idealfall alle sechs Spiele absolvieren. Dahinter, das betonte Bundes-Torwarttrainer Andreas Köpke schon direkt nach der Nominierung des Kaders, gibt es keine Rangfolge: "Jeder hat die Chance, in den 23er-Kader zu kommen."

Löw muss sich also zwischen Tim Wiese, Ron-Robert Zieler und Marc-André ter Stegen entscheiden und alle drei Keeper haben Argumente gesammelt. Für Wiese spricht in erster Linie die Erfahrung, sowohl in der Champions League als auch als zweiter Torwart bei der WM 2010 zeigte der künftige Hoffenheimer, dass auf ihn Verlass ist.

Zieler wiederum ist bereits seit August 2011 ständiger Gast im Nationalteam, im Test gegen die Ukraine zeigte er trotz dreier Gegentore eine starke Leistung. In der vergangenen Saison spielte Zieler mit seinem Club Hannover 96 auch in der Europa League – in der Frage der internationalen Erfahrung steht Zieler vor ter Stegen.

Doch der Mönchengladbacher Torwart hat eine starke Saison gespielt und wird von uns bereits seit knapp einem Jahr als dritter Keeper gefordert. Ter Stegen ist der talentierteste unter den jungen wilden Torhütern, strahlt eine bemerkenswerte Ruhe aus, hat gegenüber Wiese und Zieler fußballerische Vorteile und seine statistischen Daten (24 Gegentore, über 80 Prozent abgewehrter Schüsse, 15 Zu-Null-Spiele) der Saison sind ohnehin erstklassig. Sogar in der Kicker-Umfrage unter allen Bundesliga-Spielern wurde ter Stegen mit 27,4 Prozent der Stimmen zum besten Torhüter der Saison gewählt.

Das alles wäre aber kaum etwas wert, wenn sich ter Stegen nicht auch in den beiden Trainingslagern auf Sardinien und in Tourrette bewährt hätte. In allen Trainingseinheiten wirkte ter Stegen hochkonzentriert, wie ein 20-Jähriger wirkte der Gladbacher nicht. "Der Junge weiß, was er will", legte Köpke in der Bild-Zeitung nach – deshalb schicken wir Zieler in den Urlaub.

Urlaubsantrag 2: Sven Bender

Die schwierigste Entscheidung wird Löw im defensiven Mittelfeld treffen müssen. Trotz des deprimierenden Saisonendes sind die beiden Bayern Toni Kroos und Bastian Schweinsteiger im Kader gesetzt. Kroos kann auch in der offensiven Dreierreihe auflaufen und Schweinsteiger ist der Leader im Team, hier gilt es nur noch psychologische Aufbauarbeit zu leisten. Keinerlei Sorgen machen muss sich auch Sami Khedira nach einer erneut überzeugenden Saison bei Real Madrid.

Bleiben noch Ilkay Gündogan und die Bender-Zwillinge. Gündogan schaffte es etwas überraschend in den Kader, der Dortmunder rettete seine starke Rückrundenform aber in die Vorbereitung. Für Gündogan sprechen vor allem die spielerischen Fähigkeiten, trotz seiner Zweikampfstärke ist er kein reiner Zerstörer, er könnte auch weiter vorne zum Einsatz kommen.

Zerstören, und das ist in beiden Fällen im Sinne des modernen Fußballs gemeint, ist eher das Metier von Sven und Lars Bender. Es gilt als sicher, dass es einen der beiden erwischen wird und auch wir schließen uns dieser Meinung an. Zu Beginn der Rückrunde hatte noch der Dortmunder Sven einen deutlichen Vorsprung, doch das hat sich in den letzten Monaten geändert.

Sven kämpfte mit Verletzungen und verlor seinen Stammplatz an Gündogan. Lars machte zwar auch nicht alle Rückrundenspiele, doch in der durchwachsenen Saison in Leverkusen war er einer der Lichtblicke. Zuverlässig erledigte er seine Arbeit – und das auf verschiedenen Positionen. Das könnte auch letztlich den Ausschlag geben, vielseitig einsetzbare Spieler stehen bei Löw hoch im Kurs – deshalb schicken wir Sven Bender in den Urlaub.

Urlaubsantrag 3: Julian Draxler

Im offensiven Mittelfeld müssen wohl zwei Spieler zittern, die gegen die Schweiz noch letzte Pluspunkte sammeln wollen. Julian Draxler ist der jüngste im Kader und sehr überraschend nominiert worden, André Schürrle ist mit zwölf Länderspielen dagegen schon ein alter Hase beim DFB. Weil er in der Nationalmannschaft stets gute Leistungen zeigte, ist Schürrle überhaupt im Kader, seine Saison in Leverkusen war lange Zeit enttäuschend, erst in den letzten Spielen konnte er an seine Zeit in Mainz erinnern.

Da Draxler in den Trainingslagern überzeugen konnte und Löw einen Hang zu überraschenden Nominierungen hat, werden Draxlers Chancen in den Medien durchaus positiv bewertet. Gegen die Schweiz wird er auf jeden Fall zum Einsatz kommen, wenn auch nicht von Beginn an.

Trotzdem gehört nach der Meinung unserer Redaktion eher Schürrle in den Kader. Draxler gleicht von seiner Spielweise den gesetzten Marco Reus und Mario Götze, zudem ist er nicht torgefährlich genug (zwei Saisontore beim FC Schalke). Schürrle kann mit seiner Geschwindigkeit eine andere Komponente ins Spiel der DFB-Elf bringen, mit sieben Saisontoren in Leverkusen und fünf Länderspiel-Treffern kann Löw bei Schürrle auch zählbares erhoffen – deshalb schicken wir Julian Draxler in den Urlaub.

Urlaubsantrag 4: Cacau

Im letzten sportal.de-EM-Kader suchte man seinen Namen vergeblich, nach Löws Nominierung dachten aber alle Experten, Cacau habe seinen EM-Platz sicher. Immerhin stehen nur drei Stürmer im Team, weniger wäre doch eigentlich fahrlässig.

Doch der Dank für bisherige Joker-Leistungen – als genau das ist die Nominierung nach Cacaus Rückrunde beim VfB Stuttgart anzusehen – sollte tatsächlich vorzeitig enden. Mit Thomas Müller, Schürrle und Lukas Podolski stehen drei Spieler im Kader, die ebenfalls für Miroslav Klose und Mario Gomez im Sturmzentrum einspringen könnten. Und auch Marco Reus gilt, nicht erst seit dem Lob von Löw, als Alternative für den Angriff, wenn auch eher bei einer Umstellung auf ein 4-4-2.

Wo soll also noch ein Platz für Cacau sein? Als Verfechter des Leistungsprinzips darf der Bundestrainer den Stürmer nicht mitnehmen, die Alternativen sind ausreichend vorhanden – deshalb schicken wir Cacau in den Urlaub.

Marcus Krämer

sportal.de / sportal

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