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EM 2012: Wembleys Eleven - Vorspiel VI

Mit einer Mannschaft, die als Wembley-Elf in die Geschichte eingegangen ist, gelang es der deutschen Nationalmannschaft in den 70er Jahren, das Bild, das man bis dahin international vom deutschen Fußball hatte, grundlegend zu verändern.

Die deutsche Nationalmannschaft - in der internationalen Wahrnehmung wurde das häufig gleichgesetzt mit Athletik, Kraft, Ausdauer. Gerne wurde Methapern bemüht, die aus der Militärsprache stammen, der Vergleich mit Panzern ist den meisten wohlvertraut.

"Eisenharte Verteidiger“ oder "Terrier“ waren typische Bezeichnungen für deutsche Abwehrspieler, technische und spielerische Glanzpunkte wurden eher von anderen Nationen gesetzt. Während der Ära Löw hat sich das Bild, das man sich von der deutschen Mannschaft in anderen Ländern macht, deutlich verändert. Fußballhistorisch gesehen hat eine solche Wandlung der Wahrnehmung jedoch Vorbilder.

Die EM 1972 wurde nach folgendem Modus ausgetragen: In acht Gruppen zu je vier Teams qualifizierte sich jeweils nur der Gruppenerste für das Viertelfinale. Als Austragungsorte für das Finalturnier der besten Vier waren England oder Italien angedacht, je nachdem, welche Mannschaft das Viertelfinale überstehen würde. Dritte Wahl war Belgien. Die Viertelfinalpaarungen lauteten Ungarn - Rumänien, England - Deutschland, Italien - Belgien und Jugoslawien - Sowjetunion.

Solide Gruppenphase

Relativ souverän hatte die DFB-Auswahl die Gruppenphase absolviert. Zwar startete man mit einem Remis gegen die Türkei (1:1) und beendete die Qualifikation auch mit einem Remis gegen Polen (0:0). Doch zu diesem Zeitpunkt war der Platz in der K.o.-Runde bereits gesichert, da die Mannschaft von Helmut Schön in der Zwischenzeit mit zwei Siegen gegen Albanien, einem je gegen Polen und die Türkei verlustpunktfrei geblieben war.

Die Auslosung für das Viertelfinale sorgte für einen absoluten Schock in der deutschen Presselandschaft. "Schlimmer ging’s nicht: ENGLAND“, titelte beispielsweise der Kicker. Das Finale von Wembley 1966 war noch in recht frischer Erinnerung, die Engländer auf heimischem Boden zu schlagen, war in jenen Jahren noch ausgesprochen außergewöhnlich, aber nicht ausgeschlossen.

Helmut Schön hatte "ein“ Problem. Die Liga war vom Bundesligaskandal erschüttert, so musste er auf einige Stammkräfte verzichten, weder Stan Libuda noch Klaus Fichtel standen ihm zur Verfügung, ebenso waren Bernd Patzke, Lothar Ulsaß und Max Lorenz gesperrt. Berti Vogts war verletzt, Wolfgang Overath angeschlagen.

Angst vor England

Warum aber diese großen Befürchtungen in der deutschen Medienlandschaft vor dem Showdown im Viertelfinale? Die Truppe von Schön hatte ja erst bei der Weltmeisterschaft in Mexiko 1970 gezeigt, dass man den Three Lions gewachsen war. In der Verlängerung im Viertelfinale schlug man die Engländer in einer denkwürdigen Partie mit 3:2. Dass solches auch irgendwann auf englischen Boden geschehen musste, war nur eine Frage der Zeit.

Tatsache war, dass nach dem Titel von 1966 dem englischen Nationalteam die großen Erfolge verwehrt blieben. Als England und Deutschland am 29. April 1972 in Wembley aufeinandertrafen, bot Sir Alf Ramsey mit Gordon Banks, Bobby Moore, Martin Peters, Alan Ball und Geoff Hurst fünf Spieler auf, die beim großen Triumph 1966 dabeigewesen waren. Mit anderen Worten, bei England standen fünf Weltmeister auf dem Rasen. Die Mannschaft hatte ihre besten Tage schon hinter sich.

Schön dagegen konnte mit Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Georg Schwarzenbeck, Paul Breitner, Günter Netzer, Uli Hoeneß, Herbert Wimmer, Jürgen Grabowski und Gerd Müller gleich neun Weltmeister aufbieten, nur konnten die damals noch gar nichts von zukünftigen Ehren wissen.

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