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EM kompakt: Cruyff watscht das Oranje-Team ab

Hollands Fußball-Legende Johan Cruyff hat die Oranje-Stars nach dem Vorrunden-Aus bei der EM in Polen und der Ukraine heftig kritisiert. "Wer nicht mitzieht, darf nicht mehr nominiert werden." so der Vize-Weltmeister von 1974 und 1978.

Cruyff kritisiert Oranje-Stars: "Zu wenig gebracht"

Cruyff bemängelte besonders die fehlende Kreativität im Spiel der Elftal. "Oranje ist während der EM vor allem am schlechten Aufbau und am unsauberen Passspiel gescheitert", schrieb Cruyff in seiner wöchentlichen Kolumne für die Tageszeitung "De Telegraaf" (Dienstagsausgabe). "Hier haben viele Nationalspieler nicht das gebracht, was sie leisten können. Und damit meine ich vor allem die Stars", sagte Cruyff.

Nach Meinung des einstigen Weltklasse-Spielmachers muss Bondscoach Bert van Marwijk nun einen klaren Schnitt machen und nur noch Spieler berufen, auf die er sich auch wirklich verlassen kann. "Bert muss nun ganz klar entscheiden, wer für ihn wichtig ist", riet Cruyff dem umstrittenen Bondscoach. Wer nicht mitziehe, dürfe nicht mehr nominiert werden. "Denn Fehler kannst du machen und Chancen vergeben, aber du musst auf dem Feld schon machen, was von dir verlangt wird", ergänzte Cruyff.

Allerdings ist die Zukunft von van Marwijk weiter ungewiss. KNVB-Direktor Bert van Oostveen kündigte eine schonungslose Analyse des EM-Debakels an. "Ich will das nicht noch einmal erleben und daher werden wir alles ganz genau durchleuchten", sagte van Oostveen dem "Algemeen Dagblad". Van Marwijk hat noch einen Vertrag bis 2016, wirkte nach dem vorzeitigen Scheitern des Vize-Weltmeisters in Polen und der Ukraine aber deutlich angeschlagen.

EM-Quotenhoch: Mehr als 27 Millionen sehen Sieg gegen Dänemark

Die TV-Quoten bei der Fußball-EM 2012 haben ein neues Hoch erreicht. 27,65 Millionen Zuschauer verfolgten den 2:1-Sieg der DFB-Auswahl gegen Dänemark in der ARD. Der Marktanteil lag nach Senderangaben bei 74,2 Prozent. Damit haben sich drei von vier Fernsehzuschauern am Sonntagabend für die Fußball-Übertragung entschieden. Für das zweite deutsche Gruppenspiel gegen die Niederlande hatten die Medienforscher 27,28 Millionen Zuschauer und einen leicht höheren Marktanteil von 74,8 Prozent ermittelt.

EM bleibt an der Quotenspitze - auch ohne deutsche Team

Tine Wittler und "Der letzte Bulle" hatten keine Chance gegen die Fußball-EM. Auch ohne deutsche Beteiligung war die Übertragung der Spiele von der Quote her nicht zu schlagen. Knapp 12,8 Millionen Zuschauer schalteten am Montagabend das ZDF ein und sahen den knappen 1:0-Sieg der spanischen Favoriten über Kroatien. Das bedeutete einen Marktanteil von 42,2 Prozent.

Das ZDF war nach Senderangaben mit 20,6 Prozent Marktanteil der meisteingeschaltete Fernsehsender des Tages. Zeitgleich sahen im digitalen Spartensender ZDFinfo 480 000 Zuschauer den 2:0-Sieg der italienischen Elf gegen die Mannschaft aus Irland (Marktanteil: 1,6 Prozent). Diese Übertragung war die bislang erfolgreichste Sendung auf ZDFinfo.

Trapattoni freut sich auf WM-Qualifikation gegen Deutschland

Nach der EM ist für Irlands Fußball-Nationaltrainer Giovanni Trapattoni vor der WM. "Ich bin mehr als bereit für den Neuanfang. Ich kann es gar nicht erwarten", sagte der Italiener nach der 0:2-Niederlage seiner Iren am Montagabend gegen Italien in Posen. In der Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien trifft Irland auf Deutschland, Schweden, Österreich, die Färöer und Kasachstan.

Trotz des enttäuschenden EM-Auftritts seiner Boys in Green mit drei Niederlagen und 1:9-Toren in der Vorrunde bleibt der frühere Bayern-Coach bis 2014 Trainer der Iren. Trapattoni bedankte sich bei den irischen Fans. Er entschuldigte sich indirekt bei ihnen und versicherte: "Wir haben besser gespielt als in den ersten beiden Spielen und mit ganzem Herzen für euch gekämpft!"

Den Italienern traut Trapattoni bei der EM nach dem mühsamen Einzug ins Viertelfinale nun "alles zu". Er betonte jedoch: "Aber es gibt noch andere sehr starke Mannschaften wie Deutschland." In der WM-Qualifikation trifft das DFB-Team am 12. Oktober in Irland an. Das Rückspiel in der Qualifikationsgruppe C ist für den 11. Oktober 2013 in Köln terminiert.

Studio statt Stadion: ESPN-Experte "Meikel Bollock"

Seine TV-Kollegen nennen ihn nur "Meikel Bollock". Der frühere Kapitän der deutschen Nationalmannschaft gehört zur Experten-Crew des US-Kabelsenders ESPN für die Fußball-EM. Die ARD hat Mehmet Scholl, das ZDF Oliver Kahn und der laut eigenem Logo "weltweit führende Sportkanal" hat "Meikel Bollock", wie Moderator Bob Ley den gebürtigen Görlitzer täglich dem US-Publikum vorstellt.

Ballack analysiert, resümiert, kritisiert in überzeugendem Englisch, wenngleich der deutsche Akzent des Sachsen nicht zu überhören ist. Und er hält - wie es sich für einen 98-maligen Nationalspieler gehört - auch tausende Kilometer von der Heimat entfernt die schwarz-rot-goldene Fahne hoch. Bereits vor Turnierbeginn hatte sich der 35-Jährige auf einen 3:1-Finalsieg gegen Frankreich festgelegt.

Nur rund 1,3 Millionen Zuschauer verfolgen im Schnitt die Sendungen, ein Anstieg um 183 000 gegenüber der EM 2008. ESPN steht für Entertainment und Sports Programming Network - es geht nicht nur um Live-Übertragungen, sondern auch um Unterhaltung. Die Experten für Basketball, Baseball oder American Football schreien sich vor laufender Kamera schon mal an, um ihren Standpunkt klar zu machen - alles im Sinne einer guten Einschaltquote. Ballack ist neu in diesem Geschäft, kein Muttersprachler und erst Recht kein Showmaster, kommt aber dennoch an.

Zu Turnierbeginn hatte Ballack jedoch einen Fehlstart zu verarbeiten. Er wirkte nervös, schaute immer wieder hilfesuchend auf seine Zettel. Hinzu kam, dass er oft von seinen Gesprächspartnern unterbrochen wurde. Mit jedem Spiel wurde Ballack souveräner, erzählte vor der Niederlande-Partie sogar einen Holland-Witz und wies vor dem Dänemark-Spiel darauf hin, dass "Lars Bender ein Guter ist." Als sein Leverkusener Mitspieler den 2:1-Siegtreffer schoß, sagte er nicht mehr viel, sondern grinste einmal mehr.

ins/DPA / DPA

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