VG-Wort Pixel

EM 2016 Darum wird die Nationalelf (viel zu) früh scheitern

Bastian Schweinsteiger hat für die EM 2016 am ehesten Leitwolf-Potenzial, ist aber noch angeschlagen
Bastian Schweinsteiger hat für die EM 2016 am ehesten Leitwolf-Potenzial, ist aber noch angeschlagen
© Christian Charisius/DPA
Die EM 2016 startet,  und als amtierender Weltmeister malt sich Deutschland gute Chancen auf den Titel aus. Doch daraus wird leider nichts, meint unser Autor. Es wird um Längen nicht reichen.

Ja, ich hätte es auch gerne anders! Aber Deutschland wird leider nicht Europameister - und es wird auch nicht knapp. Wäre die Vorrunde nicht so eine Farce, ich würde ein Aus schon in der Gruppenphase prognostizieren. Gegen Polen, die Ukraine und Nordirland auf dem vierten oder einem schlechten dritten Platz zu landen, das wäre dann aber doch ein zu großes Kunststück für diese deutsche Nationalmannschaft. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich halte die aktuelle Fußballer-Generation Deutschlands für eine der besten, die dieses Land je hervorgebracht hat. Nahezu alle Spieler im Kader haben Weltformat. Darüber braucht man gar nicht zu diskutieren.

Die Probleme von "La Mannschaft", wie sie sich neuerdings nennt, liegen ganz woanders. Seit dem WM-Titel 2014 hat man versäumt, das Feuer zu schüren und die Flamme lodern zu lassen. Die innere Spannung ist nach dem Turnier abgefallen – und nie wieder aufgebaut worden. In der EM-Qualifikation setzte es seitdem zwei Niederlagen und ein Unentschieden. Gegen Schottland und Georgien gewann man nur knapp und von neun Freundschaftsspielen nach der WM gingen fünf verloren. Auf wirklich überzeugende Auftritte wartet man seit 2014 vergebens – bleibt als letzte Hoffnung nur, dass Deutschland sich wieder als die so oft beschriebene Turniermannschaft zeigt. 

DFB-Team mangelt es an Leitwölfen

Mit Klose, Lahm und Mertesacker gingen drei für das Mannschaftsgefüge sehr wichtige Spieler in Rente. Neue Leitwölfe aber sucht man vergebens. Mesut Özil, Toni Kroos, Mario Götze – alles hochbegabte Künstler am Ball. Läuft es aber mal nicht, gehen sie unter. Sie sind edle Zahnräder in einer Präzisionsmaschine, aber wenn keiner diese ankurbelt, stehen sie still. 

Bastian Schweinsteiger ist theoretisch ein solcher Kurbler. Das hat das WM-Finale 2014 eindrucksvoll gezeigt. Einer, der sich in jeden Zweikampf wirft, der das ganze Team mitreißt, "ein Krieger", wie es damals hieß. Doch Schweinsteiger hat zwei schlechte Jahre hinter sich, war bis kurz vor der EM am Knie verletzt. Er ist nicht in Wettkampfform und wird diese wohl auch im Laufe des Turnieres kaum mehr erreichen. Er wird bestenfalls ein angeschlagener Führungsspieler, womöglich reicht es nur für die Seitenlinie. Von dort das Team anzupeitschen, ist nicht dasselbe.

Joachim Löw spricht immer davon, dass man für den Turniersieg ein eingeschworenes Team braucht - und hat sicher recht damit. Ich bezweifle nur, dass es ihm gelingen wird, eben dieses Team in Frankreich zu formen. Dank der außergewöhnlichen individuellen Klasse des Kaders wird es für die Vorrunde noch reichen. Dank des neuen Modus wartet vielleicht auch im Achtelfinale Fallobst. Doch spätestens in der Runde der letzten Acht wird man auf Mannschaften wie Spanien, England, Frankreich, Italien, Portugal oder Belgien treffen. Auf Mannschaften, die mehr als nur den Schongang von Löws Elf fordern werden. Teams, gegen die man Leitwölfe auf dem Platz braucht, die auch bei Gegenwind vorausgehen. Solche Führungsspieler sehe ich im Moment nicht. Und deswegen wird spätestens hier die Reise enden – leider.

Hier finden Sie unseren Spielplan EM 2016.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker