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EM 2021 Wieso können in Budapest heute Abend 55.000 Zuschauer ins Stadion? Wir haben nachgefragt

Ungarische Fans mit vielen Landsfahnen im EM-Stadion in Budapest
Volle "Hütte", volle Fußball-Atmosphäre: Warum geht in Budapest, was an anderen EM-Spielorten nicht geht?
© Robert Michael / DPA
Im EM-Achtelfinale dürfen es Niederländer und Tschechen erleben: das prallgefüllte Stadion in Budapest inklusive Stimmung und Begeisterung. Doch wieso ist in Ungarn möglich, was andernorts nicht geht? So sieht das Konzept aus.

54.886. So viele Zuschauer waren am vergangenen Mittwoch im Puskás-Stadion von Budapest und verfolgten gebannt das Gipfeltreffen von Weltmeister Frankreich und Europameister Portugal (2:2). Stimmung und Begeisterung satt, ganz so wie in Vor-Corona-Zeiten. Noch ein weiteres Mal wird es an diesem Sonntag beim EM-Achtelfinale zwischen den Niederlanden und Tschechien so sein (18 Uhr/live in der ARD, auf MagentaTV und im stern-Ticker), ehe das Turnier für die ungarische Hauptstadt beendet ist. Doch wieso ist dort möglich, was an den meisten anderen EM-Spielorten nicht geht? 

Die Antwort: Es wird ein enormer Aufwand betrieben, und die Corona-Situation in Ungarn ist derzeit vergleichsweise entspannt. In der vergangenen Woche (14. bis 21. Juni) wurden dort laut dem European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) 585 Neuinfektionen gezählt, 34 Menschen starben mit oder durch Covid-19. Der Inzidenzwert: 5,9. Zudem wurden in Ungarn laut dem Portal Our World in Data bereits mehr Impfdosen verabreicht (10,1 Millionen) als das Land Einwohner (9,7 Millionen) hat. Mehr als 48 Prozent der Ungarn (4,7 Millionen) sind vollständig geimpft, mehr als fünf Millionen sollen zumindest eine Dosis erhalten haben. Ungarn hat schon früh mit Impfungen begonnen und darauf gesetzt, dass russische und chinesische Stoffe, die in der EU noch keine Zulassung haben, gegen Corona wirken. Eine Entscheidung, mit der die Regierung von Viktor Orbán aus dem Vorgehen der EU ausgeschert ist.

Hohe Durchimpfungsrate in Ungarn

Die fortgeschrittene Durchimpfung ist laut Angaben des Reinigungsunternehmens B+N AG die Voraussetzung dafür, dass im Puskás-Stadion Zuschauer zugelassen sind. Das Unternehmen mit insgesamt 7000 Beschäftigten ist auch abseits der Europameisterschaft für die Reinigung und technische Instandhaltung der 67.000 Menschen fassenden Arena zuständig. Bei den EM-Spielen sei der Aufwand aber deutlich höher als üblich, um Corona-gerecht Atmosphäre und Stimmung sicherstellen zu können, erläutert ein Sprecher des Unternehmens dem stern. Sowohl vor als auch nach den Spielen würden die Zuschauerränge und sämtliche Sitze gereinigt und desinfiziert. Dies gelte ebenso für alle Innenräume inklusive aller Korridore, Mannschaftskabinen und sogenannter Skyboxen, wie die VIP-Lounges mit Glasfront zum Spielfeld genannt werden.

Neben Reinigungsmaschinen sei deutlich mehr Personal als üblich im Einsatz – insgesamt rund 150 Reinigungskräfte. Der erhöhte Aufwand sei nötig, weil die Corona-Bestimmungen der Uefa zur EM besonders streng seien. Alles werde intensiv kontrolliert und zweifach gecheckt, heißt es.

Ins Stadion kommt nur, wer vollständig geimpft ist

Zugang zum Stadion bekommen den Angaben zufolge zudem nur Personen, die entweder einen Impfpass vorlegen können oder eine Krankenhaus-Bestätigung über eine überstandene Covid-Erkrankungen innerhalb der vergangenen drei Monate. Einen Impfpass erhalten demnach nur vollständig geimpfte Personen. Der Pass könne eine Plastikkarte oder ein App sein. Auf diese Weise werde auch abseits des Fußballs in Ungarn der Zugang zu Restaurants, Discotheken oder anderen öffentlichen Räumen geregelt und kontrolliert.

Die Zugangskontrollen zum Stadion seien noch deutlich aufwendiger – schließlich kommen zu den EM-Spielen auch Tausende Fans aus dem Ausland. Um sicherzustellen, dass nur berechtigte Personen ins Stadion gelangen, gebe es in Budapest drei Sammelpunkte sowie einen weiteren am Flughafen. Dort müssten Zuschauer Impfpass, Personalausweis und die Eintrittskarte für das jeweilige Spiel vorlegen, um für den Einlass registriert zu werden. Ist alles in Ordnung, erhält jeder Ticketinhaber ein Armbändchen, mit dem man schließlich ins Stadion gelassen wird. Um Missbrauch zu verhindern, haben die Bändchen für jedes der vier Spiele in der Puskás-Arena andere Farben: gelb, orange und rot sind schon vergeben. Fürs Achtelfinale am Sonntag gilt eine weitere Farbe.

Testlauf beim Supercup 2020

Eine Ausnahme gibt es nach Angaben von B+N dann aber doch. Kinder unter 16 Jahren müssen die Registrierungsprozedur nicht mitmachen. Sie sind in aller Regel auch (noch) nicht geimpft. In Begleitung von einem Erwachsenen, der einen Impfpass vorweisen kann, werden sie dennoch ins Stadion gelassen. Dadurch sei der Schutz vor Corona innerhalb des Stadions nicht ganz bei 100 Prozent, heißt es.

Das Konzept war vor der EM bei einer anderen Uefa-Veranstaltung bereits getestet worden: dem Supercup-Finale zwischen Champions-League-Sieger Bayern München und Europa-League-Gewinner FC Sevilla (2:1 n.V.). Der Testlauf Ende September vergangenen Jahres fand vor gut 15.000 Zuschauern statt. Laut B+N hat sich das Konzept damals bewährt, so dass es nun bei den insgesamt vier EM-Spielen in der Puskas-Arena bei zudem sinkenden Corona-Zahlen angewandt werden könne.

dho

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