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Aus bei der EM Vergebene Torchance – Müller kam, sah und schoss daneben

Thomas Müller vergibt die Riesenchance auf den Ausgleich
Thomas Müller vergibt die Riesenchance auf den Ausgleich
© Matthew Childs / DPA
Mit Thomas Müller sollte die Nationalelf stabiler werden. Doch die Rückkehr selbst war schon ein Beleg dafür, dass etwas schief lief im Reich von Joachim Löw. Der Bayern-Profi hängte sich voll rein und wurde am Ende zur tragischen Figur.

Die 81. Minute im Achtelfinalspiel in Wembley ist schon jetzt einer der unglücklichsten Momente in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft: Thomas Müller läuft frei auf das Tor des englischen Torwarts Jordan Pickford zu und schießt knapp am Tor vorbei. Die große Chance auf den Ausgleich ist vergeben, Müller sinkt auf die Knie im Fußball-Tempel Wembley und weiß vermutlich sofort: "That‘s it. So eine Gelegenheit wird sich in diesem Spiel nicht mehr ergeben." Und so kommt es. Die Engländer legen gegen eine ungeordnete deutsche Abwehr sogar noch einen Treffer nach und gewinnen statt in die Verlängerung zu müssen. Müllers Fehlschuss wird sich ins kollektive Fußball-Gedächtnis eingraben. Es ist eines der Bilder, die das Ende der Ära Löw symbolisieren.

Ob das unrühmliche Ende von Löws fünfzehnjähriger Amtszeit ebenfalls das Ende der zweiten Nationalmannschaftskarriere des Bayern-Profis ist, ist offen. ARD-Experte Bastian Schweinsteiger legte ihm auf jeden Fall den Rücktritt nahe. Ob Hansi Flick, der künftige Bundestrainer, das genauso sieht oder Müller von sich aus den endgültigen Abschied erklärt, wird sich zeigen.

Thomas Müller ist kein Vorwurf zu machen

Doch eines ist sicher: Selbst wenn Müller diesen einen Schuss im englischen Tor versenkt hätte, es hätte nichts daran geändert, dass seine viel umjubelte und vielfach geforderte Rückkehr nur ein Symptom für den Niedergang dieser Elf war, den letztendlich Löw allein zu verantworten hat. Dass er ihn aussortiert hatte, war ein Fehler. Durch die Ad-Hoc-Rückkehr unmittelbar vor dem Turnier, die eher einer Verzweiflungstat glich (ähnliches gilt natürlich für Mats Hummels), wollte Löw seinen Abschied retten. Doch dafür war es längst zu spät. Die Schwächen und Unzulänglichkeiten der Mannschaft konnten die Comebacker auch mit all ihrer Erfahrung und Klasse nicht ausgleichen.

Müller ist kein Vorwurf zu machen. Der 31-Jährige, der unter Flick bei den Bayern auf beeindruckende Weise zu alter Stärke zurückfand, nahm das Angebot Löws dankend an. Er haute sich voll rein, und wurde dafür gefeiert. Auf und neben dem Platz. "Radio Müller" funktionierte auch im DFB-Quartier in Herzogenaurach.

Toni Kroos in Wembley

Sportlich war die Rückkehr durchwachsen

Sportlich war seine Rückkehr durchwachsen. Es war ein Effekt zu sehen, aber eben kein großer. Müller rotierte, war Anspielstation, Passgeber, Anläufer, doch die grundsätzlichen Fehler im Löwschen System konnte er nicht wegspielen. Vermutlich hätte das kein Spieler dieser Welt vermocht.

Sein Auftritt im Spiel gegen England war ein Spiegelbild des ganzen Comebacks. Er spielte in der ersten Halbzeit einen großartigen Pass auf Goretzka und dirigierte die Mannschat sogar mit den Händen. Ihm unterlief genauso ein übler Fehlpass, der fast zum ersten Treffer der Engländer geführt hätte, wenn nicht der andere Rückkehrer Hummels das Tor gerade noch verhindert hätte. Am Ende vergab er die große Chance, die möglicherweise ein Verlängerung bedeutet hätte.

Das ist bitter für ihn und ärgerlich für die Anhänger, aber natürlich kein Weltuntergang. Wäre der Ball ins Tor gegangen, wäre die Geschichte dieser EM für die Nationalelf vielleicht ein wenig anders verlaufen. Aber nur vielleicht. Das bleibt Spekulation.


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