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Em 2021 Vor dem Spiel im Wembley-Stadion: Das sagt Thomas Müller über seine Mannschaft

Thomas Müller gibt in Herzogenaurach ein Interview
Thomas Müller gibt in Herzogenaurach ein Interview
© Marc Mueller / Getty Images
Im Wembley-Stadion spielt die deutsche Nationalmannschaft am Dienstag gegen England um den Einzug ins EM-Viertelfinale. Thomas Müller hat beste Erinnerungen an die legendäre Arena: 2013 gewann er hier mit dem FC Bayern die Champions League.

Es gibt nur wenige Orte, die solch einen Zauber besitzen im Sport wie das Wembley-Stadion in London. Bei der WM 1966 erzielte Geoff Hurst hier das 3:2 für England im Finale gegen Deutschland. Der Ball knallte an die Unterkante der Latte – und ob er dann wirklich die Torlinie überquerte, ob der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst nicht doch irrte, darüber wird noch heute trefflich gestritten. 

Wembley, das ist eine Kultstätte des Fußballs, ähnlich wie es dies der Madison Square Garden in New York fürs Boxen ist, Wimbledon fürs Tennis oder der Rasen von Augusta fürs Golfen. An diesem geschichtsschweren Ort, im Jahr 2007 neu erbauten Wembley-Stadion, tritt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Dienstag (18 Uhr, ARD) gegen England an. Es geht um den Einzug ins Viertelfinale der Europameisterschaft.

Müller erinnert sich gern an Wembley

Die Mannschaft wird nur wenig Zeit haben, sich einzufühlen in Wembley. Das Abschlusstraining dort ist ihr gestrichen worden; die offizielle Begründung der Engländer lautete, man wolle den stark strapazierten Rasen schonen. 

Thomas Müller jedoch wird seinen Mitspielern so einiges erzählen können über Wembley. 2013 gewann er hier mit den FC Bayern die Champions League. Es war ein rein deutsches Finale; die von Jürgen Klopp trainierten Dortmunder unterlagen mit 1:2 (das entscheidende Tor für die Bayern schoss Arjen Robben in der 89. Minute).

Müller erinnert sich gern an diesen Abend des 25. Mai 2013 – auch um in Stimmung zu kommen für das Spiel am Dienstag. "Im Fußballgeschäft ist es doch so, dass man sich gern an Dingen festhält, die gut gelaufen sind", sagte Müller am Samstag im Trainingscamp in Herzogenaurach, um dann gleich einzuschränken, dass die Erfolge von einst "natürlich nichts" mit der Gegenwart zu tun hätten. 

Wie wird die DFB-Elf gegen England spielen?

In der Tat, die Gegenwart ist eine sehr komplizierte und widersprüchliche für die deutsche Nationalmannschaft. Sie weiß derzeit selbst nicht so genau, wo sie steht. Gegen Frankreich, im ersten Gruppenspiel, wollte sie gar nicht erst gewinnen, sie wollte bloß nicht verlieren. Aber genau das passierte schließlich. 0:1 durch ein Eigentor von Mats Hummels. Man habe Frankreich "mit ein bis zwei Spielern zu wenig attackiert", sagte Müller, der sich im Rückblick über die schüchterne Spielweise ärgerte. 

Dann folgte ein 4:2-Sieg über Portugal: Da sei eine "ganz andere Energie" zu spüren gewesen, erzählte Müller, "unsere Außenverteidiger haben wie Außenstürmer gespielt." Gegen Ungarn wiederum wirkte die Mannschaft wieder gehemmt, ohne jede Idee, wie die beiden Abwehrketten der Ungarn gesprengt werden könnten. "Wir haben uns alle mehr erhofft als dieses knappe 2:2", sagte Müller. "Das gebe ich offen zu."

Und nun das Achtelfinale gegen England. Wird es ein Offensivspektakel werden wie gegen Portugal? Oder so eine zermürbende Partie wie gegen Ungarn?

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"Wir freuen uns auf England"

Die Hoffnung im deutschen Lager: Dass die englische Mannschaft vor 60.000 Zuschauern in Wembley es nicht wagt, sich zurückzuziehen in die eigene Hälfte und allein die Deutschen das Spiel machen zu lassen. Der bisherige Turnierverlauf hat gezeigt, dass sich das DFB-Team quält gegen defensivstarke Gegner – und dass es anfällig ist für Kontertore. 

Offensiv beherrscht die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw bislang nur ein System: Druck über die Flügel aufzubauen, vor allem über die Verteidiger Robin Gosens und Joshua Kimmich. Im Zentrum hingegen herrscht gespenstische Ruhe. In Ermangelung eines gelernten Mittelstürmers hilft hier Serge Gnabry aus, der beim FC Bayern über die Außenbahnen angreifen darf, weil ganz vorn Robert Lewandowski steht, der derzeit beste Stürmer der Welt.    Auch Thomas Müller nimmt bei der Nationalmannschaft eine andere Rolle ein, als er dies von seinem Verein gewohnt ist. Er spielt etwas zurückgesetzt, Richtung Mittelkreis. So kommt er früher in Ballbesitz, kann das Spiel organisieren – kommt aber selbst seltener zum Abschluss. "Natürlich hätte ich gern schon mein erstes EM-Tor gemacht", räumte er ein. "Aber ich spiele dort, wo es für den Erfolg der Mannschaft am wichtigsten ist."

Müller, der zuletzt an einer Kapselverletzung am rechten Knie gelitten hatte, wird am Dienstag wohl wieder in der Startelf stehen. Die Verletzung sei zwar nicht ausgeheilt, behindere ihn aber nicht sonderlich. "Wir freuen uns auf England", sagte er, "wir haben Lust und auch Selbstvertrauen."

rw

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