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EM-Qualifikation: Preisschießen gegen San Marino

Für das Team von Bundestrainer Joachim Löw war es ein entspannter Abend: Mit 13 Toren gegen den Fußball-Zwerg San Marino konnte die DFB-Elf einen neuen Rekord aufstellen und die Führung in der Tabelle übernehmen.

Mit dem höchsten Länderspiel-Sieg seit 66 Jahren ist die deutsche Fußball-Nationalmannschaft an die Tabellenspitze der EM-Qualifikation spaziert. Beim 13:0 (6:0) gegen die bemitleidenswerten Freizeit-Kicker aus San Marino zeichnete sich Lukas Podolski (11./43./64./71.) als vierfacher Torschütze aus. Vor 5019 Zuschauern im Stadio Olimpico von Serravalle erzielten Bastian Schweinsteiger (29./47.), Miroslav Klose (30./45.+1), Thomas Hitzlsperger (66./73.), Kapitän Michael Ballack (35.), Manuel Friedrich (87.) und Bernd Schneider (90./Handelfmeter) die übrigen Treffer für die deutsche Mannschaft, der zuletzt am 1. September 1940 in Leipzig gegen Finnland 13 Treffer gelungen waren. Der bisherige Auswärtsrekord vom 11. März 1934 beim 9:1 in Luxemburg wurde sogar deutlich überboten.

Ein echter Gradmesser wird allerdings erst der nächste deutsche Gegner in der Qualifikations-Gruppe D sein. Am 11. Oktober in Bratislava wartet mit der Slowakei ein Team anderen Kalibers auf den WM-Dritten, auch wenn es am Mittwoch ein.0:3 gegen Tschechien gab.

Ballack war bester Laune

"Wir haben jetzt sechs Punkte gemacht, das ist eine gute Basis. Man hat gesehen, dass die Mannschaft viel Freude an einem schönen Spiel haben wollte", lobte Löw den Torhunger seiner Spieler. Auch Kapitän Ballack war bester Laune: "Ich glaube, man kann sehr zufrieden sein, wenn man 13 Tore macht. So haben wir uns das vorgestellt." Der vierfache Schütze Podolski sagte: "Wir wollten Tore machen, wie es der Trainer angesprochen hat. Das ist uns gelungen."

Die dritte Partie unter der Regie von Löw entwickelte sich von der ersten Minute an zu einem Spiel auf ein Tor. Dabei sah es fast eine halbe Stunde lang gar nicht nach einem Rekordsieg gegen den 191. der Weltrangliste aus. Doch als die deutsche Mannschaft ihre Sicherheit im Kombinationsspiel fand und das Tempo erhöhte, brachen die biederen Amateure aus dem Zwergstaat regelrecht ein. Vor allem Podolski, Klose und Schweinsteiger nutzten das Preisschießen gegen den allenfalls viertklassigen Gegner, um ihre persönlichen Bilanzen im Nationaltrikot deutlich aufzubessern.

Klose zieht mit Klaus Fischer gleich

Mit seinen Länderspiel-Treffern 32 und 33 ließ Klose in der DFB-Statistik Klaus Fischer hinter sich und schob sich auf Position neun der Rangliste. Der Bremer wurde nach der Pause geschont und von Gerald Asamoah abgelöst. Ballack, der wie schon am Samstag beim 1:0- Sieg gegen Irland eine lange Anlaufzeit benötigte, traf zum 32. Mal und zog mit dem ehemaligen Schalker gleich. Für den Neu-Londoner kam ab der 46. Minute David Odonkor zum Einsatz, der sich als Vorlagen- Geber beim 8:0 durch Podolski gleich gut einführte.

Auch der beim FC Bayern München zum Bankdrücker gewordene Podolski stellte im DFB-Trikot erneut seine Torgefährlichkeit unter Beweis. Mit seinem Länderspiel-Treffern 17 bis 20 überflügelte er in der Statistik bereits das Kölner Fußball-Idol Wolfgang Overath. Sein Clubkollege Schweinsteiger, zusammen mit Bernd Schneider und Podolski auffälligster deutscher Akteur, erhöhte sein Torkonto auf elf. Selbst der eingewechselte Hitzlsperger beteiligte sich am Torreigen. Die Abwehr wurde im ersten Auswärtsspiel seit dem 1:4- Debakel in Florenz am 1. März nicht auf die Probe gestellt und blieb zum dritten Mal in Folge ohne Gegentor.

Borowski war verletzt

Ohne den Bremer Tim Borowski, den eine Adduktoren-Verletzung um seinen 29. Länderspiel-Einsatz brachte, benötigte die deutsche Mannschaft elf Minuten, um die Abwehr der nur auf Schadensbegrenzung bedachten Amateure erstmals zu knacken. Nach einer Musterflanke von Bernd Schneider war Podolski per Kopf erfolgreich, weitere Chancen wurden zunächst nicht genutzt. Den größten "Bock" leistete sich dabei Ballack (25.), der nach einem von Keeper Aldo Simoncini zu kurz abgewehrten Schweinsteiger-Schuss nicht einmal das leere Tor traf.

Doch nach knapp einer halben Stunde zog das Team die Zügel wieder an und sorgte zur Freude der fast 3000 deutschen Fans auf den Rängen mit einem Doppelschlag schnell für klare Verhältnisse. Schweinsteiger nach Hereingabe von Marcell Jansen und Klose im Alleingang machten das 3:0 perfekt, dem der von Schweinsteiger freigespielte Ballack und der erneut von Schneider bediente Podolski noch vor der Pause die Treffer Nummer weitere Tore folgen ließen. In der Nachspielzeit machte Klose nach Fehler von Simoncini seinen siebten Doppelpack in der Nationalelf und das halbe Dutzend gegen San Marino perfekt.

Lehmann verzichtete auf Elfmeter

In den zweiten 45 Minuten machte das deutsche Team sofort da weiter, wo es vor der Pause aufgehört hatte. Mit einem Freistoß genau in den Torwinkel zum 7:0 gelang Schweinsteiger zwei Minuten nach Wiederanstoß der sehenswerteste Treffer. Danach schraubten wiederum Podolski, Hitzlsperger, Friedrich und Schneider das Resultat in Rekordhöhe. In der 90. Minute gab der Schiedsrichter sogar noch einen Handelfmeter für die Deutschen. Torwart Jens Lehmann war bereits auf dem Weg zum Elfmeterpunkt und wollte sein erstes Länderspieltor erzielen. Aber nach Aufforderung der Spieler von San Marino, fair zu bleiben, verzichtete Lehmann auf die Ausübung. Bernd Schneider verwandelte dann sicher.

Jens Mende und Klaus Bergmann/DPA / DPA

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