EM-Vorbereitung Rudi gehen die Spieler aus


Viele deutsche Hoffnungsträger in der Schaffenskrise und jetzt auch noch Klose verletzt: Vor dem EM-Vorbereitungsspiel gegen Belgien am Mittwoch sind vor allem Völlers Fähigkeiten als Krisen-Manager gefragt. Denn große Alternativen fehlen.

Rudi Völler kann einem nur noch Leid tun: Jetzt muss der ohnehin von riesigen Problemen geplagte Teamchef elf Wochen vor dem EM-Ernstfall gegen die Niederlande auch noch auf seinen erfolgreichsten Torschützen verzichten. Bei Miroslav Klose diagnostizierten die DFB-Ärzte am Montag einen Teileinriss des Innenbandes im rechten Knie. Der 25-Jährige muss zwar nicht operiert werden, aber neben dem Aus für das Test-Länderspiel am Mittwoch in Köln (20.30 Uhr/ARD) gegen Belgien ist auch die EM-Vorbereitung stark behindert. Die Ärzte, die Klose am Montag im Marienhospital in Bergisch Glabdach eine Gips-Manschette anlegten, rechnen mit fünf bis sechs Wochen Pause.

Konkurrenzkampf fällt aus

Der Teamchef ist wenige Wochen vor der EM beim Improvisieren längst im Grenzbereich angekommen. Er will den Konkurrenzkampf schüren, aber mangels Alternativen stellt sich der 23-köpfige EM- Kader praktisch von selbst auf. Selbst formschwache Spieler, die bei ihren Vereinen gegen heftige Kritik kämpfen oder gar auf der Ersatzbank Platz nehmen müsen, wie Jens Nowotny, Michael Ballack oder auch Kevin Kuranyi sind so praktisch gesetzt.

Rudis Experimente

Nach dem Klose-Ausfall erwägt Völler nun für das Belgien-Spiel im Angriff ein Experiment. Neben Kuranyi, "der auf jeden Fall spielt", plant der Teamchef mit Paul Freier als Stürmer. Der Bochumer kann trotz eines Mittelhandbruchs mit einer Schiene spielen. "Die Variante mit einer klassischen Spitze und Freier hatte ich schon länger im Kopf", verriet Völler.

Vielleicht ruft der Teamchef angesichts der Personalnöte nachträglich den Rostocker Torgarant Martin Max ins EM-Aufgebot. "Das Thema Personalplanung ist nicht beendet. Martin Max und auch Thomas Brdaric sind nach wie vor ein Thema. Wenn diese Stürmer in den nächsten Wochen weiter treffen, haben sie durchaus noch Chancen. Aber für Mittwoch macht meiner Meinung nach eine Nachnominierung keinen Sinn", gibt er sich noch bedeckt.

Der Teamchef ist wie selten zuvor in seiner fast vierjährigen Amtszeit als Krisen-Manager und Psychologe gefordert. Völler pokert zwangsläufig hoch, vor allem mit Nowotny. Der Abwehrchef, bei Bayer Leverkusen nur noch Reservist, ist gegen Belgien trotzdem erste Wahl. "Rudis Entscheidung ist sehr mutig", gab sogar Nowotny selbst zu. Mit dem Dortmunder Christian Wörns wird er wie schon beim 2:1 gegen Kroatien die Innenverteidigung der Viererkette bilden.

Völler redet Kuranyi und Ballack stark

Seine Hoffnungsträger für die EM redet Völler dagegen konsequent stark. Kuranyi, der in diesem Jahr noch nicht getroffen hat, "spielt ja gut. Das einzige, was ihm fehlt, ist ein Tor." Das Hilfsprogramm für den bei Bayern München ins Kreuzfeier der Kritik gerateten Ballack sieht so aus, dass Völler seinen Regisseur und zweitbesten Torschützen (14 Treffer) wie bei der Weltmeisterschaft 2002 mit Dietmar Hamann hinter ihm und Bernd Schneider neben ihm stark machen will. "Die Konstellation ist da", bestätigte Völler, der im Mittelfeld ein Luxus-Problem hat. Ausgerechnet für die designierten Bremer Meister-Profis Frank Baumann und Fabian Ernst hat er keine Positionen frei, und der starke Dortmunder Torsten Frings muss wieder einmal aus der Zentrale weichen.

Lehmann ohne echte Chance

Dass Jens Lehmann für den pausierenden Kapitän Oliver Kahn das Tor hüten darf, spielt für die EM-Planungen dagegen eine untergeordnete Rolle. Eine echte Chance ist das 17. Länderspiel für den 34-Jährigen ohnehin nicht. "Ich hoffe, dass ich alles richtig mache", erklärte Lehmann, während Völler nochmals auf die bestehende Hierarchie im Torhüter-Duell verwies: "Jens hat es sich verdient zu spielen. Aber wir haben natürlich auch Oliver Kahn, unseren Kapitän und die Nummer eins."

Die voraussichtliche Aufstellung:

Lehmann - Friedrich, Wörns, Nowotny, Lahm - Hamann, Frings - Schneider, Ballack - Freier, Kuranyi

Klaus Bergmann und Jens Mende

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