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FC Barcelona: Im Schatten Reals und Zoff mit Eto'o

Der FC Barcelona hat in der letzten Saison alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt, und hatte wohl die beste Mannschaft der Welt auf dem Platz. Doch Top-Thema in Spanien ist Reals Kaufrausch. Barça hat noch keinen neuen Spieler - und Ärger mit seinem Superstar.

Von Ronald Reng, Barcelona

Welchen Star sich der Präsident des FC Barcelona auch wünschte, er bekam sie alle. Elvis Presley, Eric Clapton, Michael Jackson. Zwei Stunden lang war das Leben für Joan Laporta ein Wunschkonzert, am Ende der Sendung über seine Lieblingsmusik im Radio iCat FM sang Barças Präsident sogar selbst: "Er schirmt ihn mit dem Körper ab, er passt ihn mit dem Po" - die Ode des katalanischen Liedermachers Joan Manuel Serrat an Barças ersten Weltstar, Ladislao Kubala. Musik, sagte Laporta, "beruhigt die Raubtiere in mir".

Am nächsten Morgen jedoch tigerte er schon wieder herum. Denn die gewünschten Stars für seinen Verein lassen auf sich warten. Sieben Wochen nach Saisonende hat Barça als einziger Spitzenklub noch keinen neuen Fußballer präsentieren, keinen seiner Profis verkaufen können. Dank seines frischen historischen Dreifachsiegs in Champions League, spanischer Liga und nationalem Pokal sollte dies eigentlich der Klub sein, zu dem alle aufschauen. Doch im Spiegel des ewigen Rivalen Real Madrid, der mit den Verpflichtungen von Heldenfußballern wie Cristiano Ronaldo die Nachrichten dominiert, steht das alles gewinnende Barça in der öffentlichen Wahrnehmung als großer Verlierer da.

In Spanien, wo Fußball ein Spektakel zu sein hat, sind die Neuzugänge das Sommertheater. Nie verkaufen sich die Sporttageszeitungen so gut wie in den Monaten, in denen gar nicht gespielt wird. Täglich bietet die Presse den Fans großzügig die tollsten Spieler an, die wirklich, ganz sicher zu Real oder Barça wechseln würden. Diese schreienden Buchstaben künden nun seit Wochen von Coups in Madrid - Kaká! Ronaldo! Benzema! -, während in Barcelona das Bemühen um Neuzugänge stockt.

Es geht dabei unter anderem um den EM-Torschützenkönig David Villa sowie den argentinischen Nationalspieler Javier Mascherano vom FC Liverpool. Der triumphale, wenn auch nur durch großzügige Bankkredite ermöglichte Kaufrausch Reals hat Barça nervös gemacht. Gehetzt begehen Fußballklubs die meisten Fehler.

Samuel Eto'o bedroht den Teamfrieden

Barça hat sich mit dem Fall Samuel Eto'o ein Problem selbst geschaffen, das den Teamfrieden und die gesamte Personalplanung bedroht. Der Angreifer schenkte Barça vergangene Saison 36 Tore, mit 28 Jahren hat er noch gut vier Jahre auf höchstem Niveau vor sich. Grundsätzlich fügsam, gelegentlich egozentrisch, ist er ein wichtiger Reibepunkt in der Sozialstruktur des Teams. Sein Vertrag währt noch ein Jahr. Warum Trainer Pep Guardiola bat, Eto'o zu verkaufen, war schon schwer nachvollziehbar. Offenbar glaubt Guardiola, eine im Erfolg getränkte Elf bräuchte neue Reize.

Die bisherigen Außenstürmer Lionel Messi und Thierry Henry, so des Trainers Idee, sollten abwechselnd Eto'os Platz im Sturmzentrum besetzen, Bayern Münchens Franck Ribéry die Vakanz auf Außen füllen. "Wir sind hinter Ribéry her, Madrid auch", sagte Laporta, doch da Barça mit allenfalls 40 Mio. Euro Ablöse nur etwas mehr als die Hälfte von Bayerns Traum erfüllen wollte, ist das Thema tot. Doch statt nun um eine Vertragsverlängerung mit Eto'o zu ringen, stürzte sich Barça in ein Werben um Spaniens besten Stürmer, David Villa vom FC Valencia, und verzettelte sich in einem hoffnungslosen Rosenkrieg mit Eto'o.

Vertragsangebot per SMS

Hartnäckig versucht Barça, seinen Musterstürmer wegzuloben. Eto'o, in seiner Ehre gekränkt, stellt sich nun störrisch. So lehnte er selbst absurd gute Angebote wie von Manchester City ab, die ihm ein Jahresgehalt von 9 Mio. Euro netto und Barça 25 Mio. Euro Ablöse boten. Es wird schamlos gelogen. "Er nimmt nicht ab, wenn ich anrufe", schluchzte Laporta. Er habe keine verpassten Anrufe, sagte Eto'o. Eines Montags um 23.36 Uhr schickte Vizepräsident Raül Sanllehí Eto'o dann plötzlich ein Vertragsangebot bis 2012 - per SMS. Eto'os Berater lehnte ab: "Ich fürchte, es ist ein Scheinangebot, um ihn danach nur teurer zu verkaufen." Vize Sanllehí musste daraufhin sein Handy wechseln. Eto'os Agent hatte die SMS samt Sanllehís Nummer in die Kameras gehalten.

Das Wahrscheinlichste nach heutigem Stand ist, dass Barça zu Saisonbeginn mit zwei Platzhirschen für eine Position dasteht: Villa und Eto'o. Für Villa werden sie in ihrer Nervosität dann wohl 45 Mio. Euro bezahlt haben, wahrscheinlich 10 Mio. Euro mehr als den Marktwert. Und Eto'o werden sie nach Vertragsende 2010 kostenlos ziehen lassen müssen.

Doch im Fußball erwies sich teure Missplanung schon oft als ungewolltes Meisterwerk. Da sowohl Villa als Eto'o auch auf dem Flügel zurechtkommen, könnten sie am Ende mit Messi den Sturm bilden, der Reals Transfertriumphe als Sommerillusion hinter sich lässt. Auf iCat FM jedenfalls weckte Barça-Präsident Joan Laporta schon wieder die Raubtiere in ihm: Das nächste Lied gebe ihm "die Kraft, niemals aufzugeben", sagte er und ließ Bruce Springsteen auflegen: "No Surrender".

FTD

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