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Nach Pokal-Aus: Die Bayern geben sich friedlich - doch es droht Ärger

Der FC Bayern ging nach dem Pokal-Aus betont milde mit sich um. Dabei gibt es vor dem Champions-League-Duell mit Barcelona Zündstoff - auch, weil Guardiola sich offensichtlich vercoachte.

Von Felix Haas, München

Beifall von Pep Guardiola: Zwar gilt der Applaus den Bayern-Fans, doch auch seine Spieler verschont der Trainer nach dem Pokal-Aus mit Kritik.

Beifall von Pep Guardiola: Zwar gilt der Applaus den Bayern-Fans, doch auch seine Spieler verschont der Trainer nach dem Pokal-Aus mit Kritik.

Natürlich waren da die Verletzungen von Arjen Robben und Robert Lewandowski, natürlich waren da die Schiedsrichter-Diskussionen und natürlich wetterten die Bayern-Verantwortlichen gegen die Fehlentscheidung von Peter Gagelmann, nicht auf Handelfmeter für die Münchner zu entscheiden. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge frotzelte: "Es ist schwierig, wenn man gegen zwölf Mann spielt." Und: "Der Schiedsrichter hat sein Bestes gegeben."

Doch trotz aller Diskussionen, trotz des Ausscheidens im DFB-Pokal-Halbfinale, trotz des erneuten Platzens der Triple-Träume: Am Ende gingen die Münchner milde mit sich um. Es gab Lob fürs eigene "beste Spiel gegen Dortmund" (Rummenigge). Aber kein Wort der Schelte. Der Satz, den man aus den Mündern der Spieler, Trainer und Bosse am häufigsten hörte, war: "So ist Fußball manchmal."

Nicht alles ist so fröhlich wie es scheint

Man fragte sich schon, ob man tatsächlich beim FC Bayern, diesem stolzen Mia-san-Mia-Verein, der selbst in der Vereinshyme den Satz "Für uns zählt einzig der Erfolg“ stehen hat, ob man bei diesem Verein zu Gast war. Kaum Gepolter nach so einer entscheidenden Niederlage? Kaum Aufregung über die Ausrutscher? Kein Ärger?

Zum Glück kam dann noch Matthias Sammer. Der Sportvorstand war der einzige, der richtig angefressen wirkte. Er hatte überhaupt keine Lust, eine weitere Fragerunde über sich ergehen zu lassen. Als er die Katakomben der Allianz Arena verließ, stapfte er wütend hinter der Milchglastür hervor, lief an allen Reportern vorbei und zog energisch einen kleinen Rollkoffer hinter sich her. Es war ein Hinweis darauf, dass hinter der nach außen gerichteten Zufriedenheit nicht alles so fröhlich war beim FC Bayern.

Risse in der bislang heilen Bayern-Welt

Am Tag nach dem Halbfinale gilt das ohnehin nicht mehr. Robbens erneute Verletzung, sein Saisonaus und Lewandowskis Knochenbrüche im Gesicht treffen die Bayern hart. Die Angst dürfte groß sein, dass das Ausscheiden gegen Dortmund nachwirkt bis in die kommende Woche - da geht es gegen den FC Barcelona in der Champions League. Und klar ist, dort ist es durchaus denkbar, dass der FC Bayern wieder ausscheidet. Dann bliebe "nur“ der Meistertitel. Ein mit großer Dominanz gewonnener Titel zwar, aber eben nur einer. Keine drei.

Die Spieler gaben sich deshalb alle Mühe, nicht von einem bösen Omen fürs Barcelona-Duell zu sprechen. "Wir sind heute enttäuscht, aber es gibt noch einen großen Titel zu gewinnen, die Chance ist da“, sagte Philipp Lahm. Dass es auch in der bislang heilen Bayern-Welt Risse gibt, machte der Auftritt von Bastian Schweinsteiger deutlich. Der Vize-Kapitän kam als einer der ersten frisch geduscht aus der Kabine. Er hatte es eilig und wollte so schnell wie möglich weg. Er diktierte den Jorunalisten zwar noch ein paar Antworten in den Block, sagte: "Nein, ich glaube nicht, dass das direkte Auswirkungen auf die Champions League hat“.

Doch eine gewisse Enttäuschung war ihm anzumerken. Eine Enttäuschung, die sich wohl nicht nur aufs Spiel selbst bezog, sondern auch auf seine Rolle in der Mannschaft. Die Personalie Schweinsteiger könnte eines der beiden großen Probleme der Bayern in den kommenden Wochen werden, Guardiolas Coaching-Fehler das andere:

1. Die Schweinsteiger-Position
Bastian Schweinsteiger durfte in einem wichtigen Spiel erneut nicht von Beginn an ran, sogar Mitchell Weiser und Rafinha erhielten den Vorzug vor dem Chef. Im zentralen Mittelfeld scheinen Alonso, Thiago und Lahm für Guardiola gesetzt. Doch Schweinsteiger wäre nicht Schweinsteiger, wenn er sich nicht reinkämpfen würde in so eine Situation. Nach seiner Einwechslung war er mit Abstand bester Bayern-Akteur. Es war die beste Bewerbung auf einen Startelf-Platz. Xabi Alonso unterliefen in der Zentrale derweil erneut mehrere grobe Fehler. Sollte Schweinsteiger in der kommenden Woche gegen Barcelona allerdings erneut draußen sitzen, droht Guardiola eine große Diskussion.

2. Guardiolas Coaching-Fehler


Man kann es kaum anders sagen: Pep Guardiola hat sich gegen Dortmund für alle sichtbar vercoacht. Der Startrainer, der am Seitenrand so oft die richtigen Entscheidungen trifft, nahm in der 67. Minute sein Herz (Thiago war offenbar leicht angeschlagen) aus dem Spiel – und leitete mit einer einhergehenden Umstellung den Dortmunder Aufschwung ein. Arjen Robben sollte im zentralen Mittelfeld spielen, doch er zog zu sehr nach außen. Dort war aber auch Mitchell Weiser. In der Mitte klaffte ein Loch - und Dortmund bekam immer mehr Spielanteile.

Pep Guardiola erkannte seinen Fehler und brachte zehn Minuten später Bastian Schweinsteiger für Thomas Müller. Allein, da war der Schaden schon angerichet, Dortmund war zurück im Spiel. Müller, ebenfalls wie Thiago sehr stark, sagte: "Wir haben Mitte der zweiten Halbzeit umgestellt, und dann hatten wir eine schlechte Phase."

Nach außen beschwerte sich natürlich kein Bayer über Guardiola. Dafür hat er mit seinem Coaching schon zu viele Spiele gewonnen. Und natürlich waren die Umstellungen nicht allein Schuld am Ausscheiden. Doch in wichtigen K.o.-Spielen der Bayern lag Guardiola nun häufiger daneben (Startaufstellung gegen Real Madrid im vergangen Jahr). Sollten die Münchner auch in der Champions League ausscheiden, dürfte sich der Spanier erstmals unangenehme Fragen anhören müssen.

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