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FC Bayern München: Machtkampf um Lukas Podolski

Bei den Bayern ist ein Machtkampf um Lukas Podolski entbrannt - und derzeit sieht es so aus, als würde Jürgen Klinsmann ihn verlieren. Der Trainer will auf "Poldis" Kosten seinen "Buddy" Landon Donovan durchdrücken. Doch die Bayern-Bosse wollen da nicht mitspielen.

Von Klaus Bellstedt

Man stelle sich nach dem Abschlusstraining der Bayern Ende der Woche folgendes Szenario vor: Luca Toni meldet sich mit seiner Achillessehnenreizung für das Spiel gegen den 1. FC Köln ab. Und dann? Klar ist, dass Jürgen Klinsmann in diesem sehr wahrscheinlichen Fall Lukas Podolski wieder mit in den Kader nehmen muss. Auch wenn der Trainer das im tiefsten Inneren vielleicht gar nicht möchte. Warum eigentlich nicht? Warum ist das Tischtuch zwischen Klinsmann und seinem einstigen Lieblingsschüler aus seligen WM-2006-Tagen zerschnitten?

Zu Beginn seiner Schaffenszeit bei den Bayern war Podolskis fußballerische Weiterentwicklung für Klinsmann noch eine "Herzensangelegenheit" gewesen. Aber aus der Herzensangelegenheit wurde schnell eine Schmerzensangelegenheit - für Klinsmann. Denn der Coach stieß in Sachen Podolski schnell an seine eigenen Grenzen. Nach über einem halben Jahr Trainertätigkeit bei den Bayern ist es Jürgen Klinsmann nicht gelungen, den so hoch veranlagten Stürmer in seiner Entwicklung auch nur einen Zentimeter weiterzubringen - geschweige denn aus seiner sportlichen Krise zu befreien. Das ist es, was Jürgen Klinsmann selbst am meisten wurmt.

Und weil Klinsmann bei Lukas Podolski nicht weiter kam, erinnerte er sich Ende 2008 schnell an einen Kumpel aus den Staaten: Landon Donovan, Angreifer von Los Angeles Galaxy, der es einst bei Bayer Leverkusen nur auf die Ersatzbank geschafft hatte. In München wunderten sie sich, es wunderten sich vor allem die Bosse der Bayern, der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge und Manager Uli Hoeneß. Aber gut, sie erfüllten Klinsmanns Wunsch, statteten den Kicker aus der Operettenliga mit einem Leihvertrag bis März aus und nickten fast zeitgleich Lukas Podolskis Transfer im Sommer zum FC Köln ab.

Donovans bisherige Arbeitsbilanz muss man - wohlwollend betrachtet - als durchwachsenen bezeichnen. In allen vier Pflichtspielen 2009 wurde Donovan eingewechselt - dreimal für Toni, einmal für Schweinsteiger. Doch weder beim 5:1 im Pokal in Stuttgart (23 Einsatzminuten), noch in der Bundesliga beim 0:1 in Hamburg (13), beim 3:1 gegen Dortmund (18) und jetzt beim 1:2 in Berlin (55) konnte Donovan überzeugen. Maximal sieben Partien (inklusive DFB-Pokal und Champions League) bleiben, um diesen Eindruck zu revidieren.

Acht Millionen Euro Ablöse fordert die US-Profiliga MLS, bei der die Rechte für Donovan liegen, von den Bayern für eine dauerhafte Verpflichtung. Eine unglaubliche Summe für einen Stürmer, der maximal über ein durchschnittliches Bundesliga-Niveau verfügt. Das finden auch Rummenigge und Hoeneß, die deshalb einem Transfer skeptisch gegenüberstehen. "Donovan ist ein interessanter Spieler. Aber wenn man einen Klose, einen Toni und einen Olic schon unter Vertrag hat, dann sind wir der Meinung, dass der vierte Spieler eher ein junger Spieler mit Perspektive sein sollte", so Vereinschef Rummenigge in der Münchner "tz".

Klinsmann dagegen will seinen "Buddy" mit aller Macht bei den Bossen durchdrücken und Donovan langfristig an den Verein binden. Aber um die Großkopferten vom Kauf auch zu überzeugen, braucht der Amerikaner Einsatzzeit, er braucht endlich überzeugende Auftritte im Trikot des FC Bayern. Die (siehe oben) lassen bis zum heutigen Tag auf sich warten. Und trotzdem lässt sich Klinsmann nicht von seinem Pfad abbringen. Anders ist seine Aussage nach der Pleite in Berlin kaum zu werten: "Donovan ist im Moment klar vor Podolski" - und damit weiter Stürmer Nummer drei bei den Bayern. Blöd nur, dass Karl-Heinz Rummenigge das mittlerweile anders sieht. Und genau an dieser Stelle wird es brenzlig für den Trainer des Rekordmeisters.

Denn nach Manager Hoeneß ("Im Sturm können wir aus dem Vollen schöpfen. Lukas ist wieder gesund. Er wird demnächst wieder im Kader sein") hat sich jetzt auch Rummenigge einigermaßen vehement für eine Rückkehr von Lukas Podolski in den Kader ausgesprochen und damit Klinsmann indirekt unter Druck gesetzt. "Wir haben eine Verantwortung der deutschen Nationalmannschaft gegenüber, in der Lukas ja Stammspieler ist", sagte der Vorstandsboss des deutschen Meisters vor der Bundesliga-Partie am Samstag gegen den 1. FC Köln. Und mehr noch: "Es wäre unser aller Wunsch beim FC Bayern, wenn er wieder in den Kader zurückkommt, die letzten Monate hier im Klub positiv verbringt und sich mit dem einen oder anderen Titel nach Köln verabschiedet", so Rummenigge weiter: "Wir wollen uns im Sommer in aller Freundschaft von Lukas verabschieden."

Und siehe da, Klinsmann stellte daraufhin Podolski erstmals einen Einsatz in Aussicht. "Wenn Lukas in dieser Woche so gut trainiert wie in den letzten Tagen, dann hat er die große Chance, nächsten Samstag gegen Köln endlich wieder dabei zu sein", kündigte der Bayern-Coach an. So etwas nennt man dann wohl Kehrtwende um 180 Grad. Der Machtkampf um Lukas Podolski ist an der Säbener Straße mittlerweile voll entbrannt. Und es sieht so aus, als hätte Klinsmann ihn verloren. Aber man darf sich bei Klinsmann nie sicher sein. Gegen Köln ist ihm durchaus zuzutrauen, Donovan neben Klose in die Startelf zu stellen. Sollte das dann allerdings schiefgehen... man würde nicht in Klinsmanns Haut stecken wollen.

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