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WM-Vergabe nach Russland und Katar Fifa bescheinigt sich selbst eine weiße Weste


In neun Bewerbungen um WM-Austragungsorte konnte die Fifa Verstöße gegen Ethikregeln erkennen. Aber keines der Vergehen ist so gravierend, dass Russland oder Katar um die WM bangen müssten.

Die kommenden WM-Gastgeber Russland und Katar sind von der Fifa-Ethikkommission vom Vorwurf der Korruption freigesprochen worden. Dies geht aus einem 42-seitigen Bericht der rechtsprechenden Kammer des Fifa-Gremiums hervor, den der Fußball-Weltverband am Donnerstag veröffentlichte. Auch gegen alle anderen ehemaligen Bewerberländer um die Turniere 2018 und 2022 sowie aktuelle oder ehemalige Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees werden demnach keine Sanktionen verhängt.

Die Ethikrichter unter dem Vorsitz des deutschen Juristen Hans-Joachim Eckert stellten zwar bei praktisch allen neun untersuchten Bewerbungen konkrete Verstöße und Verdachtsmomente fest, keine Vergehen wurden aber als so gravierend eingestuft, dass sie den Ausgang der umstrittenen WM-Vergabe an Russland und vor allem Katar im Dezember 2010 entscheidend beeinflusst hätten.

Freispruch für Blatter

Einzig die Doppel-Bewerbung der Niederlande mit Belgien hatte sich laut Eckert gar nichts zuschulden kommen lassen. Ausdrücklich freigesprochen von jedem Verdacht der Bestechlichkeit oder irregulärer Einflussnahme wurde auch Fifa-Präsident Joseph Blatter. Die Ethikhüter hatten im Zuge mehrerer Bestechungsskandale im Weltverband und zahlreicher Anschuldigungen besonders gegen Katar die Ermittlungen aufgenommen.

Eckert merkte in seinem Urteil auch an, dass weitere Untersuchungen durch die ermittelnde Kammer des Fifa-Ethikgremiums gegen Einzelpersonen nicht ausgeschlossen seien. Zudem legte der Fifa-Richter einen Empfehlungskatalog für weitere strukturelle Reformen vor - darunter auch die erneute Forderung nach einer Amtszeitbeschränkung für Funktionäre, die der Fifa-Kongress im Juni abgelehnt hatte.

Die Reaktionen auf Twitter sind eindeutig.







England ist sauer, Niersbach sieht offene Fragen

"Wir akzeptieren keinerlei Kritik an der Integrität von Englands
Bewerbung oder an den daran beteiligten Personen", betonte der englische Fußballverband FA in einer Stellungnahme am Donnerstag. Die Ethikkommission hatte den Engländern vorgeworfen, die Gunst
des ehemaligen Fifa-Vizepräsidenten Jack Warner aus Trinidad & Tobago mit unmoralischen Angeboten zu erwerben.

"Wir haben eine transparente Bewerbung vorgelegt und, wie der Bericht zeigt, bereitwillig mit den Ermittlern kooperiert", beteuerte der
englische Verband.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sieht trotz
des positiven Abschlussberichts längst nicht alle Probleme um das Turnier in
Katar gelöst. "Unabhängig von diesem Bericht bleiben die
offenen Fragen zum Klima, der Terminierung und den Arbeitsbedingungen in Katar", teilte der Verbandschef am Donnerstag auf Anfrage mit.

Zu den Befunden der rechtsprechenden Kammer unter Vorsitz des
Münchner Richters Hans-Joachim Eckert wollte sich Niersbach nicht
explizit äußern: "Wir werden uns den 42-seitigen Bericht jetzt erst
einmal in Ruhe und im Detail anschauen. Wenn Herr Eckert zu dem
Schluss kommt, dass es keine nachweisliche Beeinflussung der
WM-Vergabe gegeben hat, dann steht weiterhin die mit 14:8 Stimmen getroffene Entscheidung des Exekutivkomitees für Katar."

swd/DPA DPA

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