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Wichtige Fragen zum DFB-Deal Droht Franz Beckenbauer eine Haftstrafe?


Ein als Bestechungsversuch gewertetes Dokument belastet Franz Beckenbauer in der WM-Affäre schwer. Die Antworten auf die fünf dringendsten Fragen rund um den dubiosen Deal.

Die vom Nachrichtenmagazin "Spiegel" ins Rollen gebrachte Affäre rund um die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 hat eine neue Dimension erreicht. Nach dem Fund eines brisanten Dokuments, das einen Bestechungsversuch durch die WM-Organisatoren nahe legt, richtet sich der Fokus auf Franz Beckenbauer. Fünf wichtige Fragen zum Skandal.

Worum geht es in dem brisanten Dokument?

Der im DFB-Archiv gefundene Vertrag soll auf vier Tage vor der WM-Vergabe datiert sein und dem Fußballverband für Mittel- und Nordamerika (Concacaf) umfangreiche Leistungen zusichern. Unterschrieben worden ist das Papier laut DFB von Franz Beckenbauer und dem ehemaligen Concacaf-Präsidenten Jack Warner, der damals stimmenberechtigt war. In dem Vertrag sollen Warner persönlich Ticket-Kontingente zum Weiterverkauf zugesichert worden sein. Warner bestreitet, dass es diese Vereinbarung gab. Ob sie umgesetzt wurde ist nicht bekannt. Die Abstimmung zur WM-Vergabe erfolgte geheim.

Wer ist Jack Warner?

Der 72-Jährige stammt aus Trinidad und Tobago und war von 1997 bis 2011 Vizepräsident der Fifa. Der als Blatter-Vertraute geltende Warner wurde erst kürzlich von der Ethikkommission des Weltverbands lebenslang gesperrt und als "Drahtzieher von Systemen zur Gewährung, Annahme und zum Empfang verdeckter und illegaler Zahlungen" bezeichnet. Er soll sich unter anderem mehrfach Ticket-Kontingente gesichert und gewinnbringend weiterverkauft haben. Die USA verlangen wegen den Ermittlungen in der Korruptionsaffäre rund um die Fifa seine Auslieferung, worüber in seinem Heimatland noch verhandelt werden soll.

Ist der Vertrag strafrechtlich relevant - droht Beckenbauer Gefängnis?

Die Vereinbarung könnte laut Rechtsanwalt Wolfgang Köberer aus Frankfurt den Straftatbestand der "Bestechlichkeit und Bestechung im geschäftlichen Verkehr" (§299 StGB) erfüllen. Dazu reicht unabhängig von der Umsetzung bereits das Versprechen einer Gegenleistung aus. Allerdings liegt das gesetzliche Höchststrafmaß hier bei drei Jahren Freiheitsstrafe und damit greift eine Verjährungsfrist (§78 StGB) von maximal fünf Jahren. Die Tat wäre also bereits längst verjährt. Ihm droht daher keine Haftstrafe.

Was sagt Beckenbauer selbst zu den Vorwürfen?

Nichts. "Franz Beckenbauer steht den zuständigen Gremien weiterhin zur Verfügung und wird sich daher öffentlich nicht äußern", teilte sein Management am Mittwoch schriftlich mit.

Welche anderen Vorwürfe stehen im Raum?

Medienberichten zufolge wurden am Montag die Büros des Fußballverbands von Malta von einer Einheit für Wirtschaftskriminalität durchsucht. Dabei geht es um Ungereimtheiten bei einer Zahlung von 250.000 US-Dollar an den Verband im Zusammenhang mit einem Freundschaftsspiel des FC Bayern München und der maltesischen Nationalmannschaft. Einen entsprechenden TV-Vertrag hatte der frühere Verbandspräsident Joe Mifsud unterschrieben, der auch bei der WM-Vergabe stimmberechtigt war und für Deutschland votiert haben soll. Franz Beckenbauer war damals Präsident des FC Bayern und soll den Vertrag mit Mifsud in einem geheimen Treffen ausgehandelt haben. Mifsud selbst sagt, er könne sich nicht mehr daran erinnern, ob Beckenbauer bei der Vertragsunterzeichnung in Mifsuds Haus dabei war.

fin

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