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Fußball: Blatter - Kein Kommentar zu Rummenigge-Vorwürfen

Der erste öffentliche Auftritt von FIFA-Präsident Joseph Blatter seit der lebenslangen Sperre gegen Mohamed bin Hammam und dem Revolutionsaufruf von Karl-Heinz Rummenigge endete wie erwartet. Blatter gab keinen Kommentar ab und ließ alle Kritik an sich abperlen.

Ganz am Ende der 50-minütigen Pressekonferenz in der Marina da Gloria von Rio de Janeiro griff Joseph Blatter noch einmal zum Mikrofon. "Genießen Sie jetzt erst einmal Ihren Aufenthalt, die Copacabana und den Fußball", sagte der Präsident der FIFA und verabschiedete sich.

Blatter schweigt zu Bin Hammam und Rummenigge

Zu den heiklen Themen um die lebenslange Sperre seines ehemaligen Wegbegleiters und Wahlkampfhelfers Mohamed bin Hammam und der harschen Kritik von Karl-Heinz Rummenigge an den vermeintlich korrupten Strukturen in der FIFA mochte der 75 Jahre alte Schweizer am Mittwoch in Brasilien nichts Essenzielles sagen.

"Fragen Sie ihn, was er damit meint. Meinerseits: kein Kommentar", antwortete Blatter, als er auf die Rummenigge-Kritik angesprochen wurde. Er sei beim Kongress am 1. Juni von der überwältigenden Mehrheit der Mitgliedsverbände wiedergewählt worden, fügte Blatter hinzu. "Fragen Sie ihn, wie das zusammenpasst." Bayern Münchens Vorstandschef Rummenigge hatte in einem Interview mit der britischen Tageszeitung The Guardian von einem "täglichen Korruptionsprozess bei der FIFA" gesprochen.

Rummenigge: ''Bin bereit für Revolution''

Rummenigge, der auch Vorsitzender der Vereinigung europäischer Topclubs (ECA) ist, hatte erklärt: "Ich werde ihnen eine Chance geben, aber ich bin bereit zu einer Revolution, wenn das der einzige Weg ist, eine Lösung zu finden." Nach den jüngsten Korruptionsskandalen in der FIFA und den Bestechungsvorwürfen im Zusammenhang mit der Vergabe der WM 2022 an Katar forderte Rummenigge die FIFA auf, "zu erkennen, dass es Zeit für Demokratie, Transparenz und das richtige Gleichgewicht innerhalb der Fußball-Familie" sei.

Auch den seit 1998 amtierenden Präsidenten griff der ehemalige Nationalspieler scharf an. "Blatter sagt, dass er aufräumen will, aber alleine der Fakt, dass ihm niemand glaubt, sagt dir alles, was du wissen musst", meinte Rummenigge, der vor wenigen Tagen schon DFB-Präsident Theo Zwanziger wegen dessen Unterstützung für Blatter attackiert hatte. "Ich werde es nicht länger akzeptieren, dass uns Menschen führen, die nicht ernsthaft und sauber arbeiten", sagte Rummenigge mit Blick auf die FIFA und das 24-köpfige Exekutivkomitee.

Beckenbauer stützt Zwanziger

Unterstützung erhielt Zwanziger im Streit mit Rummenigge ausgerechnet von Bayern-Ehrenpräsident Franz Beckenbauer. "Man sollte Theo Zwanziger sich jetzt in Ruhe einarbeiten lassen!", sagte er der Bild über seinen Nachfolger im FIFA-Exekutivkomitee. "Sepp Blatter ist der mächtige Mann, und Theo Zwanziger kann selbstständig handeln und denken. Wenn ihm was nicht passt, wird er das auf die Tagesordnung bringen."

Über den am vergangenen Samstag auf Lebenszeit gesperrten früheren Präsidentschaftskandidaten Bin Hammam wollte Blatter in Brasilien ebenfalls nichts sagen. Drei Tage vor der Auslosung der Qualifikationsgruppen für die WM 2014 in Brasilien warb er um Verständnis für seine Lage. Es werde keine Kommentare von ihm geben zu "den Entscheidungen des Ethikkomitees", sagte Blatter. Das ehemalige Exko-Mitglied Bin Hammam war vom Ethikkomitee wegen angeblicher Bestechung von Funktionären der Karibischen Fußball-Union (CFU) lebenslang gesperrt worden.

Blatter: ''Ich bin kein Diktator''

Die FIFA hatte der CFU ein 48-Stunden-Ultimatum gestellt, um weitere Informationen über das Treffen zu erhalten. Die CFU-Mitgliedsverbände wurden aufgefordert, "alle relevanten Informationen, die sich in ihrem Besitz befinden, offenzulegen und weiterzureichen", hieß es bei der FIFA. Am Mittwoch bestätigte FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke den Erhalt weiterer Dokumente.

Im Oktober will die FIFA nun weitere Ergebnisse dieser Untersuchungen veröffentlichen. "Die FIFA soll jetzt arbeiten, damit wir unseren Ansprüchen gerecht werden können", sagte Blatter und betonte: "Ich bin nicht alleine, ich arbeite mit dem Exekutivkomitee zusammen. Ich bin kein Diktator, wie das zu lesen war."

sportal.de / sportal

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