Fußball-Nationalmannschaft Torwart-Frage bleibt brisant


Während sich René Adler in Moskau in Galaform präsentierte, hat sich Robert Enke nach seiner Krankheit wieder zurück gemeldet. Den Kampf um die Nummer Eins hat der Keeper noch nicht aufgegeben. Teammanager Bierhoff sieht unterdessen keinen Bedarf, Dinge zu früh festzulegen.

René Adler schwebt nach seiner Moskau- Gala auf Torwart-Wolke sieben, doch die Konkurrenz hat noch nicht kapituliert. Eine Entscheidung über den deutschen WM-Schlussmann ist auch nach Adlers Weltklasse-Leistung in Russland nicht in Sicht, auch wenn der Leverkusener den Vierkampf derzeit unbestritten anführt. Robert Enke meldete sich nach fünf Wochen bitterer Krankheitspause wieder im Mannschaftstraining bei Hannover 96 zurück, Tim Wiese und Manuel Neuer können weiter auf einen Zusatz-Einsatz im letzten WM- Qualifikationsspiel am Mittwoch in Hamburg gegen Finnland spekulieren. "Ich sehe nicht den Bedarf, zu früh Dinge festzulegen", sagte DFB-Teammanager Oliver Bierhoff. "Wir sind froh, dass wir vier gute Torhüter haben."

Wiese schon gegen Finnland im Tor?

Bundestrainer Joachim Löw wollte am Montag noch nicht verkünden, ob er bei seinem Plan bleibt, den derzeit überragenden Adler auch gegen Finnland spielen zu lassen oder eventuell den eigentlich für den 14. November gegen Chile versprochenen Test von Tim Wiese vorzuziehen. Dann könnte Enke eventuell noch in diesem Jahr gegen die Südamerikaner sein DFB-Comeback geben. Für Neuer dürfte es aber sicher bei der vereinbarten Bewährungschance vor seinem Schalker Heimpublikum am 18. November gegen Ägypten bleiben. "Wir haben in der Hinsicht zwar noch keine Grundsatz-Entscheidung getroffen. Aber Mitte bis Ende November werden wir die Torwart-Frage analysieren und eine Erklärung abgeben, wie das weitere Prozedere aussieht", sagte Löw der "Bild"-Zeitung zu seinen Torwart-Plänen. "Wer am Mittwoch im Tor steht, weiß ich jetzt noch nicht. Wiese und Neuer werden aber auf jeden Fall in diesem Jahr noch ihre Chance bekommen", sagte Löw dem "kicker".

Enke kehrt ins Mannschaftstraining zurück

Freuen wird sich Löw über die sich anbahnende Rückkehr von Enke. Der vor seiner lange rätselhaften Bakterieninfektion von Löw zur Nummer 1 des Jahres 2009 ausgerufene 96-Keeper arbeitet von sofort an wieder im Teamtraining an seinem Comeback. "Er wird diese Woche wieder dabei sein", sagte Hannovers Sportdirektor Jörg Schmadtke am Montag. In der Vorwoche hatte Enke bereits leichte Übungseinheiten absolvieren können. Laut Schmadtke ist allerdings noch nicht absehbar, wann der 32-Jährige wieder spielen kann.

Enke, der die Jubel-Bilder von Moskau am heimischen Fernseher verfolgen musste, gibt sich trotz der nun für ihn schlechteren Aussichten kämpferisch. "Es war ein bisschen wie ein Déjá-vu für mich. Vor einem Jahr musste ich den Platz räumen und René hat gespielt. Er hat gegen Russland gut gespielt, aber es ist noch eine lange Zeit bis zur WM", sagte der gebürtige Jenaer der dpa. Und auch Schmadtke sieht Enke weiter im Rennen um den Stammplatz für die WM 2010 in Südafrika. "Robert kann sich durch starke Leistungen wieder ins Spiel bringen und vielleicht das Blatt wieder wenden", sagte er.

Zwei Tage vor dem Qualifikationsspiel am 9. September gegen Aserbaidschan (4:0) in seiner Heimatstadt Hannover war Enke plötzlich aus dem DFB-Quartier abgereist. Ständige Müdigkeit und Fieber plagten den Torwart. Adler nutzte die Abwesenheit, um als Nummer 1 vorbeizuziehen. Bei Enke wurden erst nach Nerven zehrenden Untersuchungen bei vielen Spezialisten eine Bakterieninfektion als Problemursache diagnostiziert. Nun will der 32-Jährige, der fünf WM- Qualifikationsspiele bestritt und dabei nur drei Gegentore zuließ, wieder um den Job als deutsche Nummer 1 angreifen.

Von Arne Richter und Sandra Degenhardt/DPA DPA

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