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Reaktionen aus aller Welt: Fußball-WM mit 48 Teams? "Das war lange überfällig"

Die Fußball-WM mit 48 Teams ist beschlossene Sache. Die Kritik an der Fifa ließ nicht lange auf sich warten. Doch sie kam aus den großen Fußball-Nationen, die eine Verwässerung des Elite-Turniers befürchten. Wie aber sieht man das in den Regionen, die vom Fifa-Beschluss profitieren sollen? Einige Stimmen.

Zwei Hände halten den Fußabll-Weltpokal in die Höhe - Ab 2026 dürften 48 Teams bei der Fußball-WM spielen

Künftig sollen 48 Mannschaften um den Weltpokal spielen. Während die Europäer vornehmlich Kritik äußeren, sieht man die erweiterte Fußball-WM in anderen Teilen der Welt ganz anders.

"Würden wir eine Weltmeisterschaft mit nur zwei Teams veranstalten, dann wäre eines dieser Teams Deutschland." Mit diesen Worten wischte Fifa-Chef Giannni Infantino die von DFB und Bundesliga kritisierte Ausweitung der Fußball-Weltmeisterschaft auf 48 Mannschaften ab der WM 2026 vom Tisch. In der Tat kam die Kritik schnell, aber vor allem aus den großen Fußball-Ländern, die ohnehin praktisch immer bei großen Turnieren dabei sind: Deutschland, Spanien, Italien, England. Der spanische Verband will sogar gegen den Fifa-Beschluss klagen.

Doch wie sieht es in anderen Teilen der Welt aus? Was verlautet aus jenen Ländern und Regionen, die von der Ausweitung des Teilnehmerfeldes profitieren sollen?

"Das war lange überfällig"

"Das ist absolut fantastisch. Die Ausweitung bedeutet nicht notwendigerweise, dass die einzelnen Spieler mehr Spiele machen müssen. (...) So viele Staaten bekommen nun die Chance, dieses tolle, verbindende Ereignis zu erleben. Gut ist auch, dass es 16 Dreier-Gruppen geben wird. Zwei Spiele und dann gleich in die K.o.-Runden. Da muss man gleich von Anfang an ran. Wie oft war zuletzt in den dritten Gruppenspiel nicht mehr drin - Spanien gegen Australien bei der letzten WM. (...) Das war lange überfällig."

("Fox News", USA)

"Traditionalisten hätten am liebsten noch die 16er-WM"

"Wenn es nach einigen Fußball-Traditionalisten ginge, dann hätten wir immer noch eine WM mit 16 Mannschaften, glaube ich. Tatsächlich hat die WM nicht nur ökonomische Kraft, sondern sie ist ein inspirierendes Produkt, auf das viele Länder hoffen. Und wenn wir das verbessern können, es größer machen können, ohne dass es seine Romantik verliert - warum nicht?!"

(Victor Montagliani, Präsident der Fußballverbandes Nord- und Mittelamerika)

"Mehr Nationen aus Afrika"

"Das ist gut, weil es mehr Nationen aus Afrika die Möglichkeit gibt teilzunehmen. Das ist positiv."

(Phillip Chiyangwa, Präsident Zimbabwe Footbal Association)

"Europas Clubs können mehr Talente sichten"

"Es ist eine fantastische Idee und eine gute Entwicklung für den Fußball. Afrika wird acht bis zehn Teilnehmer stellen können, was unsere Chancen bei der Weltmeisterschaft verbessern wird. Neben den traditionell starken Teams wie Nigeria, Kamerun, Algerien, Ghana und anderen, werden mehr afrikanische Teams die Möglichkeit haben, bei der WM zu spielen. Es macht den Weg für europäische Clubs frei, mehr afrikanische Talente zu sichten und zu verpflichten. Es ist eine große Chance für Afrika und gleichermaßen eine große Herausforderung. (...) Sich für die WM zu qualifizieren, ist schwer. Es ist sehr herausfordernd und ich glaube, dass die meisten Teams, die sich für die 48-Team-WM qualifizieren werden, die Qualität haben, bei einer Weltmeisterschaft zu spielen."

(Garba Lawal, WM-Teilnehmer für Nigeria, 1998 und 2002)

"Klarer und fairer"

"Der Vorschlag mit 48 Mannschaften, vor allem wenn in der Gruppenphase das Feld auf 32 Teams verkleinert wird, ist klarer und fairer."

(Valid Halilhodzic, japanischer Nationaltrainer, laut "Kyodo News")

"Asien hat mehr Teilnehmer verdient"

"Wir glauben, dass Asien als der größte Kontinent mehr Teilnehmer verdient im Vergleich zur aktuellen Quote - angesichts der wirtschaftlichen Kraft, die er hat, der Popularität des Spiels in Asien und der großen Entwicklung des Fußballs auf allen Ebenen."

(Scheich Salman bin Ebrahim Al Khalifa, Vorsitzender des asiatischen Fußballverbandes)

"Nichts Besonderes mehr"

"Ich bin nicht einverstanden mit 16 weiteren Mannschaften. Ich denke, es muss einen größeren Ansporen geben als das. Das verwässert die Sache nur. Es ist großartig für andere Länder, aber es ist dann plötzlich nichts Besonderes mehr. Beherrscht das Geld das Spiel wirklich so sehr?"

(Paul Wade, 84-facher Nationalspieler Australiens, laut "Sydney Morning Herald")

"Es geht um Geld und Macht"

"Letztlich ist der Fußball wohl der geringste Grund, die Weltmeisterschaft 2026 zu erweitern. Es geht um Geld und Macht. So wie es immer war."

("Sydney Morning Herald", Australien)

"Wir können nur auf einen festen Teilnehmer hoffen"

"Wir können nur hoffen, dass dies mindestens einen direkten Teilnehmer bedeutet. Wir kennen die Details noch nicht, aber wir haben Grund zu glauben, dass es so sein wird. Wenn es so kommt, wird es für ganz Ozeanien fantastisch sein. (...) All Mannschaften aus Ozeanien werden begeistert sein. Es bedeutet, dass jeder herausfordernder und drängender auftreten wird (...)."

(Andy Martin, Chef des Fußballverbandes von Ozeanien)


Positive Stimmen zur Fußball-WM auch aus Europa

Auch aus Europa kommt nicht nur Kritik. Lobende Worte für die Entscheidung kommen unter anderem sogar aus berufenem Munde:

"Spieler und Clubs werden geschützt"

"Ich bin absolut dafür. (...) Es ist wichtig, dass die Kritiker verstehen, dass die Ausweitung nicht mehr Spiele erzeugt. Spieler und Clubs werden so geschützt. (...) Mehr teilnehmende Nationen bedeutet: mehr Leidenschaft, mehr Freude, mehr Enthusiasmus. Mehr Länder bedeutet, dass mehr Afrikaner, Asiaten und Amerikaner zusammenkommen. (...) Die Weltmeisterschaft ist ein gesellschaftliches Ereignis und der Fußball darf sich diese Chance, auf die Leidenschaft der Fans zu reagieren, nicht entgehen lassen."

(José Mourinho, Trainer von Manchester United, laut fifa.com)

"Erhebliche soziale Fortschritte"

"Wir glauben, dass dies ein positiver Schritt ist, vor allem für die kleineren Nationen. Es wird mehr Fans überall auf der Welt die Möglichkeit geben, in der Teilnahme ihres Landes an einer WM-Endrunde zu schwelgen. Dies wird es diesen Nationen zudem erlauben, in ihre fußballerische Infrastruktur und Jugendarbeit zu investieren, was wiederum erhebliche soziale Fortschritte bringt. (...) Ein größerer neuer Mix von Fußball-Kulturen bei der WM wird ein bessere Atmosphäre schaffen als je zuvor."

(Stewart Regan, Vorsitzender des schottischen Fußballverbandes)

dho

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