Klinsmann-Debatte Zwanziger setzt Klinsmann unter Druck


Drei Monate vor dem WM-Start hat DFB-Präsident Theo Zwanziger Jürgen Klinsmann so stark wie nie zuvor unter Druck gesetzt - der Bundestrainer hingegen entschuldigte sein heftig kritisiertes Fernbleiben beim Fifa-Workshop erstmals mit "privaten Gründen".

Jürgen Klinsmann wehrt sich: Als Erklärung für sein Fernbleiben beim Fifa-Workshop hat er private Gründe angeführt. Die Sorge um seine Mutter Martha hätte ihn zur Absage seiner Teilnahme in Düsseldorf bewegt.

"In dieser Woche war der erste Jahrestag des Todes meines Vaters und ich hatte meiner Mutter schon lange versprochen, dass wir diese für sie schweren Tage in dieser Woche gemeinsam in Kalifornien verbringen", sagte Klinsmann am Sonntag nach seiner Rückkehr in Deutschland. "Ich habe sie mit nach Amerika genommen, damit wir nach ihr schauen können. Das war uns wesentlich wichtiger als der Workshop, bei dem Oliver Bierhoff und Joachim Löw präsent waren."

Zwanziger fordert mehr Präsenz Klinsmanns in Deutschland

Zwanziger, der auch nicht über die persönlichen Gründe der Workshop-Absage informiert war, hat Klinsmann indes aufgefordert, bis zur Fußball-Weltmeisterschaft mehr Zeit als bisher in Deutschland zu verbringen. "Er muss näher und regelmäßiger bei der Mannschaft sein. Er muss in Deutschland präsenter sein. Das kann ich erwarten", erklärte Zwanziger in der "Bild am Sonntag". Der DFB-Chef wertete Klinsmanns frühere Anreise zum Länderspiel am 22. März in Dortmund gegen die USA als "gutes Zeichen", kündigte aber ein persönliches Gespräch mit dem 41-Jährigen an.

Klinsmann habe vor der WM eine Position, die vergleichbar ist mit der der Bundeskanzlerin, sagte Zwanziger: "Und ich denke, dass Jürgen Klinsmann das jetzt auch gemerkt hat." Wenn nicht, komme er nicht daran vorbei, "diese Präsenz für den DFB einzufordern", betonte der Präsident. Dies würde auch der Vertrag von Klinsmann zulassen: "Der Inhalt entspricht durchaus der Lage und den Wünschen der Nation. Ganz so schlafwagenhaft sind wir beim DFB nun auch wieder nicht."

"Ganz bestimmt sind ein paar Dinge unter die Gürtellinie gegangen"

Der Bundestrainer wehrte sich gegen die "völlig unbegründete und falsche" Kritik der vergangenen Tage. "Was sich in der letzten Woche abgespielt hat, war jenseits von gut und böse. Das hatte überhaupt nichts mit Fußball zu tun, sondern ging rein ins Persönliche", sagte Klinsmann in einem Interview mit dem ARD-Hörfunk und ergänzte: "Ganz bestimmt sind ein paar Dinge unter die Gürtellinie gegangen."

Vor allem Vorwürfe wie von Franz Beckenbauer, er sei der Rolle als Gastgeber nicht gerecht geworden, hätten ihn hart getroffen. "Ich war in den letzten 15 Jahre immer für den deutschen Fußball unterwegs", sagte der ehemalige DFB-Kapitän mit dem Hinweis auf Reisen nach Südafrika, Israel, für die WM-Bewerbung oder jüngst in den Iran.

Klinsmann: mein Lebensmittelpunkt ist Deutschland

Der Geschäftsführende Verbands-Präsident Zwanziger will dem Bundestrainer "mit Überzeugungskraft" klar machen, dass die Nähe zu den Fans für ein erfolgreiches WM-Abschneiden der DFB-Elf nötig ist. "Die Frage, wie präsent der Bundestrainer in Deutschland ist, belastet die Stimmung sehr stark. Diese Situation ist kritikwürdig", unterstrich Zwanziger. Klinsmann müsse an den Wochenenden bis zum WM- Start persönlich in den Stadien sitzen und dürfe diese Aufgabe nicht mehr an seine Assistenten delegieren, machte der DFB-Boss deutlich. Am Sonntag beobachtete Klinsmann das Bundesligaspiel zwischen Schalke.04 und Eintracht Frankfurt.

"Mein Lebensmittelpunkt seit dem 27. Januar 2006 ist für mich Deutschland. Es bedarf keiner Anregungen und Wünsche", sagte Klinsmann zu diesem Thema. Er kenne seine Aufgabe und sein Plan sei es immer gewesen, "dass ich in den letzten Monaten vor der WM in Deutschland bin. Aber ich werde es mir nicht nehmen lassen, immer wieder mal zu meiner Familie nach Kalifornien zu fliegen. Unverändert bleibt meine Linie, dass ich bis zur WM mein Flugpläne nicht offen legen werde", betonte der Bundestrainer, der jetzt "in aller Sorgfalt" das USA-Spiel vorbereiten will. "Darüber hinaus wird es sicher das eine oder andere Gespräch geben."

"Ich war der Meinung, dass ich solche Privatangelegenheiten nicht öffentlich machen muss, um mich zu rechtfertigen. Nun weiß jeder, warum ich in Düsseldorf nicht dabei war", verteidigte Klinsmann seine späte Erklärung zu seinem jüngsten USA-Aufenthalt. Niemand außer Berti Vogts habe ihn übrigens angerufen und auch persönlich gefragt, ob es spezielle Gründe für sein Fehlen in Düsseldorf gegeben habe. "Emotionalität steht vor Sachlichkeit, das tut weh", sagte Klinsmann.

Jens Mende/DPA DPA

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