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Kreisliga in NRW: Kompletter Spieltag wegen Gewalt gegen Schiedsrichter abgesagt

Im Amateurfußball kommt es immer häufiger zu Beschimpfungen und Attacken auf Schiedsrichter. Ein Verband in Nordrhein-Westfalen reagiert jetzt mit einer drastischen Maßnahme und sagt einen ganzen Spieltag ab.

Gesperrter Platz in der Kreisliga

Gesperrter Platz in der Kreisliga: Am Wochenende fällt im Sauerland ein kompletter Spieltag aus (Symbolbild)

. Für die Puristen unter den Fans ein Zauberwort, das für Bier und Bratwurst steht. Für den Fußball, wie er sein sollte und wie er im profitorienierten Profizirkus, wo jede Begegnung längst zum Event hochgejazzt wird, kaum noch zu erleben ist. Ein Sonntag auf der Bezirkssportanlage ist längst eine Reise zurück zu den Wurzeln des Spiels.

Wie stark sich die Realität von dieser romantischen Vorstellung inzwischen unterscheidet, davon zeugt die radikale Maßnahme der Kreisligen im Sauerland: Der Kreis-Fußball-Ausschuss Arnsberg im Sauerland/Nordrhein-Westfalen hat alle Meisterschaftsspiele für das kommende Wochenende abgesagt. Als Grund gibt der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) in einer Mitteilung "zunehmende Pöbeleien, Beschimpfungen und Gewalt gegen Schiedsrichter" an.

Tätliche Angriffe und Kartenflut in der Kreisliga

Diese seien am vergangenen Sonntag in einer Attacke gegen einen jungen Unparteiischen und einem Spielabbruch in der Kreisliga B gegipfelt. Laut eines Berichts der "Bild"-Zeitung sei der Schiedsrichter des Kreisliga-B-Spiels SuS Langscheid/Enkhausen II gegen SC Neheim II massiv geschubst worden. Zuvor habe er den Gästen dreimal die Rote und einmal die Gelb-Rote Karte gezeigt. Auch in einem weiteren Spiel der Liga sei ein Schiedsrichter tätlich angegriffen worden.

"Eine Generalabsage ist immer die Ultima Ratio", so Verbandspräsident Gundolf Walaschewski. "Wir können die Beweggründe jedoch zu einhundert Prozent nachvollziehen und unterstützen die Entscheidung der spielleitenden Stelle im Kreis Arnsberg zum Wohle unserer Schiedsrichter." Manfred Schnieders, Fußball-Vizepräsident des FLVW, erklärt: "Seit einigen Wochen beobachten wir, dass es vermehrt zu ähnlichen Vorfällen und einer allgemeinen Verrohung kommt." Es müsse alles getan werden, um die Schiedsrichter zu schützen. Mit der Generalabsage finde bei Spielern, Trainern und Zuschauern hoffentlich ein Umdenken statt.

Betroffen sind alle Meisterschaftsspiele der Ligen A bis D im Fußballkreis bis zum 12. November, ausgenommen davon sind nur Frauen- und Jugendspiele. Ende Januar/Anfang Februar 2018 soll der Spieltag vor Beginn der Rückrunde nachgeholt werden.

Ausschreitungen im Amateurfußball sind kein neues Problem: Zuletzt hatte sich Norbert Reisener, Verbandsvorsitzender im Kreis Münster, in einem öffentlichen "Brandbrief" an seine Vereine gewandt. Darin verurteilte er die zunehmende "Eskalation, Kartenflut und Häufung von Spielabbrüchen" scharf.

Prävention stößt bei vielen "auf taube Ohren"

In Arnsberg werden inzwischen alarmierende Parallelen zwischen der zunehmenden Gewalt und der rückläufigen Zahl aktiver Schiedsrichter gezogen. Viele Unparteiische würden sich Verunglimpfungen nicht mehr gefallen lassen wollen, so Michael Ternes, Vorsitzender des Kreisfußball-Ausschusses, gegenüber der "Rheinischen Post". Sie würden lieber aufhören, als weiterhin das Ventil für unsachlichen Frust auf dem Sportplatz zu sein.

Die Verbandsvorsitzenden des FLVW geben an, dass man mit den bisherigen Präventionsmaßnahmen wie beispielsweise dem eigens einberufenen "Arbeitskreis Sicherheit/Gewaltprävention/Fairplay" bei vielen "auf taube Ohren" gestoßen sei. Sie kündigen daher an, auch in Zukunft nicht vor drastischen Maßnahmen wie Spieltagabsagen zurückzuschrecken, sollte sich die Situation nicht verbessern.

tim

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