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Nationalmannschaft: "Erster Wohnsitz L.A., zweiter Stuttgart"

Am Dienstag blickt ganz Fußball-Deutschland auf Frankfurt. In der Zentrale des DFB findet der mit Spannung erwartete Friedensgipfel zwischen Jürgen Klinsmann und der Liga statt.

Vor dem Krisengipfel um die deutsche Nationalmannschaft hat DFB-Chef Theo Zwanziger eindringlich vor einem Scheitern der "Elefanten-Runde" gewarnt. "Es wäre schlimm, wenn durch solche Äußerlichkeiten diese WM belastet wird. Das kann nicht sein", sagte der Geschäftsführende Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Jürgen Klinsmann und seine Kritiker setzten schon vor dem mit Spannung erwarteten Treffen an diesem Dienstag die ersten Friedenszeichen. Der Bundestrainer schwebte überraschend bereits 48 Stunden vor dem von der Liga geforderten Gipfel ein, einige Vereins-Vertreter demonstrierten Annäherung.

"Ich bin sicher, dass sich alle Wogen glätten werden", sagte Klinsmann. "Wir werden nach den Trainern nun auch den Managern erklären, wie unsere Arbeit aussieht, wie wir bis zur WM konzeptionell arbeiten werden. Ich denke, dass wir danach wieder auf einer Wellenlänge liegen werden." Ausgerechnet Leverkusens Coach Michael Skibbe, den Klinsmann beim DFB aus dem engeren Trainer-Zirkel aussortiert hatte, signalisierte zuerst Entspannung. "Mit uns gibt es überhaupt keine Probleme, die Kommunikation ist gut." Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ermahnte sogar die Liga-Kollegen: "Bei den Vereinen hat es auch niemand gerne, wenn Kritik über die Medien geäußert wird. Man sollte Dinge intern regeln."

Erster Wohnsitz bleibt L.A.

Dennoch ist nicht damit zu rechnen, dass es bei der mit 15 Teilnehmern aufgeblähten großen Runde in der DFB-Zentrale nur Friede, Freude, Eierkuchen gibt. Die Haupt-Kritiker Uli Hoeneß (Bayern München), Rudi Assauer (Schalke 04) und Klaus Allofs (Werder Bremen) wollen von Klinsmann konkrete Absprachen vor allem in Sachen Trainingsbelastung. Mehr Kommunikation lautet eine Kernforderung der Manager, damit verbunden ist die Aufforderung zu größerer Präsenz des Bundestrainers in Deutschland.

Klinsmann selbst wird am grundlegenden Arbeitsstil mit vielen Experten und an seinem Wohnort nicht rütteln lassen. Und nur für die Öffentlichkeit wird der 41-Jährige den "Frieden von Frankfurt", der dem Nationalteam einen Konflikt freien Weg zur Weltmeisterschaft im kommenden Jahr ebnen soll, nicht absegnen. "Es bleibt dabei, erster Wohnsitz ist Los Angeles, zweiter Wohnsitz ist Stuttgart."

Unterstützung erhält Klinsmann von Zwanziger: "Ich halte es für möglich, dass man, wenn man modern arbeitet, die notwendige Nähe zu Trainern und Spielern durchaus haben kann." Dennoch forderte der DFB- Chef seinen wichtigsten Angestellten indirekt zu mehr Anwesenheit in Deutschland auf. "Ich sehe große Chancen, wenn er ein Stück akzeptiert, dass viele den Chef auch mal selbst sehen wollen. Dann wird es einen vernünftigen Mittelweg geben können." Einen Freibrief für seinen Aufenthaltsort habe man Klinsmann jedenfalls nicht erteilt. Der Terminplan im WM-Jahr mit den Testspielen in Italien (1. März) und gegen die USA in Dortmund (22. März) werde dazu führen, "dass ich automatisch mehr Zeit da sein werde", entgegnete Klinsmann.

Zwanziger will mit Klinsmann weitermachen

Drei Wochen nach dem von den Vereinstrainern heftig kritisierten Fitnesstest und zwölf Tage nach der umstrittenen raschen Rückreise Klinsmanns nach dem China-Länderspiel in die USA sollen alle Streitpunkte restlos auf den Tisch. "Das ist die Chance, alles wieder zu beruhigen", sagte Dietmar Beiersdorfer, Sportlicher Leiter des Hamburger SV. Von der Mission WM-Titel werden sich Klinsmann und sein Stab unabhängig vom Gipfeltreffen nicht abbringen lassen. "Wir sind nach wie vor mit sehr viel Spaß, Engagement und voller Leidenschaft bei der Sache. Das werden wir uns nicht nehmen lassen", unterstrich der Bundestrainer, der sich beim Bundesligaspiel Bayer Leverkusen gegen den VfB Stuttgart als Tribünengast gezeigt hatte.

Zwanziger hat bei Klinsmann ein leises Umdenken festgestellt: "Wenn ich es richtig sehe, sieht er nun ein, dass es nach dem China- Länderspiel klüger gewesen wäre, ein paar Tage zu bleiben. Aber da ist seine angeborene Hartnäckigkeit zum Tragen gekommen. Er lässt sich halt ungern was vorschreiben."

Nahezu im Schatten des Gipfeltreffens, bei dem Klinsmann von Teammanager Oliver Bierhoff sowie seinen Assistenten Joachim Löw und Andreas Köpke begleitet wird, kommt es im Anschluss zu einer Sitzung des Arbeitskreises Nationalmannschaft mit Zwanziger, dessen Amtskollegen Gerhard Mayer-Vorfelder, Generalsekretär Horst R. Schmidt und Ligachef Werner Hackmann mit Klinsmann. Dabei soll möglichst auch geklärt werden, wie der Bundestrainer grundsätzlich zu einem verlängerten Engagement über die WM 2006 hinaus denkt. Zwanziger machte seinen Wunsch zur weiteren Zusammenarbeit erneut deutlich: "Ich glaube, dass die Zukunft des Sports in Verantwortung solcher Persönlichkeiten gut aufgehoben wäre."

DPA

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