Nationalmannschaft Trotz Verletzung: Völler rechnet fest mit Ballack


«Selbst, wenn er am Wochenende für Bayern München nicht spielen sollte, wird er bis zum Länderspiel topfit sein», versicherte der DFB-Teamchef

Trotz einer drohenden Zwangspause von Michael Ballack am Samstag in der Fußball-Bundesliga steht für Rudi Völler ein Verzicht auf seinen wichtigsten Feldspieler im letzten EM- Qualifikationsspiel gegen Island nicht zur Debatte. «Selbst, wenn er am Wochenende für Bayern München nicht spielen sollte, wird er bis zum Länderspiel topfit sein», versicherte der DFB-Teamchef, der am Donnerstag in Frankfurt am Main seinen 18-köpfigen Kader für das entscheidende Heimspiel des Vize-Weltmeisters am Samstag kommender Woche in der ausverkauften Hamburger AOL-Arena nominiert hatte.

Völler gab nach einem Telefonat mit Nationalmannschafts- und Bayern-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt Entwarnung. Demnach ist die von Ballack in der Champions League erlittene Kapselverletzung am linken Sprunggelenk «schmerzhaft», aber nicht schwerwiegend. «Da wird es keine Probleme geben», sagte Völler: «Die Chance ist sogar mehr als groß, dass er am Samstag für Bayern gegen Hertha spielen kann.»

Ausfall von Ballack wäre fatal

Ein Ausfall von Ballack wäre angesichts der ohnehin schon langen Verletztenliste fatal. Denn Völler will mit dem erfolgreichen Personal aus dem Schottland-Spiel den «Matchball» gegen Island verwandeln und als Gruppenerster das Ticket zur Europameisterschaft 2004 in Portugal lösen. Lediglich der erstmals nach 14 Monaten wieder eigeladene zweimalige Nationalspieler Fabian Ernst (Werder Bremen) war beim jüngsten 2:1-Sieg in Dortmund gegen die vom ehemaligen Bundestrainer Berti Vogts betreuten Schotten nicht dabei.

«Wir sind kurz vor dem Ziel, und keiner wird uns mehr von diesem Weg abbringen», verkündete Völler entschlossen. Obwohl der deutschen Mannschaft (15 Punkte) schon ein Zähler gegen den Tabellenzweiten aus Island (13) für Platz 1 reichen würde, will Völler mehr: «Wir wollen nicht nur Unentschieden spielen, sondern wir wollen gewinnen.»

Aus der Siegerelf gegen Schottland muss Völler allerdings Tobias Rau (Muskelfaserriss) streichen. Für dessen Bayern-Kollegen Jens Jeremies (Entzündung im Knie) und Sebastian Deisler kommt das Spiel noch zu früh. Obwohl Deisler nach auskuriertem Muskelfaserriss an diesem Samstag womöglich sein Bundesliga-Comeback feiert, schloss Völler eine Nachnominierung aus: «Da werden wir kein Risiko eingehen.»

Verzichten muss der Teamchef außerdem weiterhin auf die Langzeitverletzten Dietmar Hamann, Torsten Frings, Christian Ziege, Jörg Böhme, Paul Freier, Christoph Metzelder und Jens Nowotny (fehlende Bundesliga-Spielpraxis). «Ich hoffe, dass es jetzt mal ein Bundesliga-Wochenende ohne Ausfälle gibt», meinte Völler daher.

Das Duell der Jungstars um den vierten Stürmer-Platz hat der Stuttgarter Kevin Kuranyi vorerst gegen Benjamin Lauth (1860 München) gewonnen. «Kuranyi ist selbstbewusster geworden», bescheinigte Völler dem 21-Jährigen einen weiteren Leistungssprung. Lauth dagegen muss sich über die «U 21»-Auswahl wieder für höhere Aufgaben empfehlen. Bemerkenswerter Schlusspunkt: Mit vier Akteuren (Bobic, Hartmann, Friedrich, Rehmer) stellt ausgerechnet die in der Bundesliga als einziges Team sieglose Berliner Hertha die meisten Nationalspieler.

Das Aufgebot:

Tor:

Oliver Kahn (Bayern München), Jens Lehmann (Arsenal London)

Abwehr:

Frank Baumann (Werder Bremen), Arne Friedrich, Michael Hartmann, Marko Rehmer (alle Hertha BSC), Andreas Hinkel (VfB Stuttgart), Christian Wörns (Borussia Dortmund)

Mittelfeld:

Michael Ballack (Bayern München), Fabian Ernst (SV Werder Bremen), Sebastian Kehl (Borussia Dortmund), Christian Rahn (Hamburger SV), Carsten Ramelow, Bernd Schneider (beide Bayer Leverkusen)

Angriff:

Fredi Bobic (Hertha BSC), Miroslav Klose (1. FC Kaiserslautern), Oliver Neuville (Bayer Leverkusen), Kevin Kuranyi (VfB Stuttgart)

Von Klaus Bergmann, dpa


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker