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Fußball-Bundesliga: Kovac und Favre könnten nach dem Spieltag ein ernsthaftes Problem bekommen

Borussia Dortmund und Bayern München müssen ihre Spiele unbedingt gewinnen, um die Debatten über ihre Trainer Lucien Favre und Niko Kovac zu beenden. Für BVB-Coach Favre dürfte die Aufgabe im Revierderby gegen Schalke ungleich schwerer sein.

Lucien Favre und Niko Kovac stehen unter Dauerkritik

Lucien Favre (l.) und Niko Kovac stehen unter Dauerkritik

DPA

Für Niko Kovac wurde die Pressekonferenz vor dem Spiel der Bayern gegen Union Berlin zum heißen Stuhl. Der Trainer sah sich deshalb zu einer Verteidigung in eigener Sache veranlasst und beklagte einen zunehmend respektlosen Umgang mit den Trainern und die wachsende Hysterie im Fußballgeschäft. 

Als prominentestes Beispiel führte Kovac den Kollegen Lucien Favre von Borussia Dortmund an. Der Schweizer liege mit 15 Punkten gleichauf auf Platz vier und habe gerade in der Champions League ein Spiel bei Inter Mailand verloren – "und alles ist schlecht", beschwerte sich Kovac. Sogar Namen möglicher Nachfolger würden gehandelt. Im eigenen Fall sagte er über Spekulationen nach dem wackeligen Sieg gegen Olympiakos und der Kritik durch den Bayern-Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge: "Ich bin mit meinen Chefs in Kontakt. Ich glaube, dass der Sturm eher von draußen hereingeweht wird."

Lucien Favre und Niko Kovac stehen unter Dauerkritik

Lucien Favre (l.) und Niko Kovac stehen unter Dauerkritik

DPA

Sportliche Leistungen sind Ursache der Debatte

Kovac Äußerungen lassen eines außer Acht: Die Diskussion über seine Person und die Nachfolge-Spekulationen um Favre entstehen, weil weder die Bayern noch Borussia Dortmund bislang den Fußball zeigen, den man von ihnen erwartet. Es sind die sportlichen Leistungen, die ursächlich für die Debatte sind. Dass der Trainer als erster in den Fokus der Kritik rückt, ist normal. Kovac weiß das nur allzu genau.

Die Ausgangslage ist für beide Trainer unterschiedlich. Für Kovac gilt, dass er seit seinem Dienstantritt vor über einem Jahr skeptisch beäugt wird, im Verein wie auch von den Medien und den Fans. Hinzu kommt: Kovac' Job als Bayern-Trainer ist schon aufgrund der ungeheuer hohen Erwartungen immer prekär. Vor einem Jahr, als erstmals Kritik an dem Coach aufkam, griffen die Bosse ein und beendeten die Rotation. Als die Bayern im Frühjahr im Viertelfinale der Champions League gegen den FC Liverpool ausschieden, hagelte es erneut Kritik, und zwar wieder von der Bayern-Führung, insbesondere von Rummenigge. Seitdem weiß Kovac, dass er in dieser Saison vor allem in der Königsklasse liefern muss. 

Kovac genießt trotz des Gewinns des nationalen Doubles keinen Bonus. Aktuell wird seine Lage dadurch verschärft, dass die Bayern sportlich schwächeln. Die Abwehr des Rekordmeisters ist der große Schwachpunkt. Sein Vorteil ist, dass mit Union aber ein vermeintlich leichter Gegner wartet. Ein Sieg gilt als Pflicht (und als wahrscheinlich). Aber im Fall eines Unentschiedens oder gar einer Niederlage könnte es eng werden.

Lucien Favres Lage ist gefährlicher

Favres Lage ist gefährlicher. Der Schweizer genießt zwar eine gewissen Bonus, aber unter der Woche schossen die Spekulationen um mögliche Nachfolger ins Kraut. Medien und Kritiker des Schweizers spekulierten munter über Ralf Rangnick oder José Mourinho. Auftrieb erhielten die Spekulationen durch den schwachen Auftritt unter der Woche gegen Inter Mailand – der BVB hatte im gesamten Spiel keine Torchance. Nach nur zwei Siegen in den vergangenen sieben Pflichtspielen wächst die Kritik. Die gab es auch in der abgelaufenen Saison, als der BVB in der Rückrunde schwächelte und den Neun-Punkte-Vorsprung auf die Bayern verspielte. Aber damals genoss er noch einen großen Bonus – der ist mittlerweile offenbar (fast) aufgebraucht. 

Am Wochenende steht das Revierderby gegen Schalke an, bekanntermaßen für viele Fans beider Clubs das wichtigste Spiel des Jahres. Sollte Dortmund eine ähnlich schwache Leistung zeigen wie gegen Inter, dürfte sich Favre nur schwer halten. Sollte Dortmund gewinnen, wären die Spekulationen vorbei – vorerst.

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