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Philipp Köster: Kabinenpredigt: Der HSV sollte die Blamage bei den Bayern am besten ignorieren

Was der HSV jetzt tun muss, um die 0:8-Klatsche von München zu verarbeiten? Keine Zeitung lesen, keine Videoanalyse, keine flammenden Ansprachen. Stattdessen empfiehlt Hobbypsychologe und stern-Stimme Philipp Köster eine andere Form der Traumabewältigung.

René Adler bei der Niederlage des HSV in München

Frustriert in München: HSV-Torwart René Adler bei der 0:8-Niederlage gegen die Bayern

Schon klar, nahezu jedes der acht Tore des FC Bayern in Heimspiel gegen den Hamburger SV war beeindruckend anzusehen. Gefällige Kombinationen, Direktabnahmen, Dribblings, und am Ende durfte sogar Arjen Robben noch völlig ungehindert von rechts in der Strafraum eindringen, ein paar Haken schlagen und ins lange Ecke abschließen, zum etwa 4693. Male in seiner Karriere.

Und doch wird etwas anderes von dieser 8:0-Klatsche in Erinnerung bleiben, nämlich der routinierte Blick auf Gästekeeper Rene Adler nach jedem der acht Tore. Nach den ersten Treffern lamentierte Adler noch herum und meckerte mit seinen Vorderleuten. Beim 5:0 klatschte der Torwart aufmunternd in die Hände und rief seinen Mitspielern irgendetwas herrlich Egales zu, wahrscheinlich "Die drei Punkte holen wir uns!" oder "Jetzt sind sie reif, Kollegen!" Am Ende dann blickte Adler nur noch so verbittert wie eine Mutti, die ihrem Sohn seit vielen Monaten teure Nachhilfestunden finanziert und der nun wieder mit einer Sechs in Mathe nach Hause gekommen ist.

HSV: Spieler wie Stummfilmkomparsen

Vielleicht war Adlers Enttäuschung auch deshalb so groß, weil die Hamburger ja gerade dachten, sie seien der grausamen Zeitschleife endlich entronnen, jedes Jahr nach München fahren zu müssen, um dort auf fürchterliche Weise verprügelt zu werden. Eine starke HSV-Rückrunde, leicht schwächelnde Bayern, all das sollte ausreichen, um zumindest nicht zu hoch zu verlieren. So war der Plan. Und dann rannten sich die HSV-Spieler doch wieder wie Stummfilmkomparsen gegenseitig über den Haufen und stellten spätestens nach dem vierten Treffer auch jede ernst zu nehmende Abwehrarbeit ein. So war es die klugerweise auf 90 Minuten begrenzte Spielzeit und ein überaus gnädiger FC Bayern, die ein zweistelliges Ergebnis verhinderten. Arjen Robben wollte bei seinem Treffer dann auch gar nicht mehr jubeln, sondern blickte ebenso angewidert wie belustigt drein. Sowas sieht man auch eher selten.

Und wie baut man eine so demoralisierte Truppe wieder auf? Zunächst einmal greifen natürlich die üblichen Mechanismen. Coach Markus Gisdol versucht sich als einfühlsamer Schmerztherapeut ("Es tut natürlich weh!" ), in den sozialen Medien kursieren die untoten HSV-Witze aus dem Herbst und die "Bild" fragte wiehernd: "Was, wenn der HSV nicht mehr antritt...?" Wenn die Hamburger Boulevardpresse noch einen Restfunken Ehre im Leib hat, ruft sie wenigstens Uwe Seeler nicht an.

Im Training sollte Trainer Gisdol nun auf jeden Fall auf eine eingehende Videoanalyse des Samstags verzichten, es sei denn, er unterlegt die Hamburger Darbietung mit lustiger Benny-Hill-Musik oder lässt den Zusammenschnitt von Max Schautzer anmoderieren. Denn was sollen die Bilder schon zeigen: hilflos hinterher hechelnde Abwehrspieler und Stockfehler, die auch in der C-Jugend jedem Trainer die Halsschlagader schwellen ließe.

Rückwärtsgang mit angezogener Handbremse

Mindestens ebenso kontraproduktiv sind flammende Ansprachen. Natürlich könnte sich Gisdol jetzt markig hinstellen und die Mannschaft mit allerlei Weltkriegsmetaphern aufs DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Mönchengladbach einschwören. Aber das Volksparkstadion ist nicht die Brücke von Arnheim. Und mit Metaphern hat es Gisdol eh nicht so. Vor dem Spiel gegen die Bayern hatte Gisdol sich ins Motorsport-Gewerbe vorgewagt ("Für uns kann es nur heißen: Vollgas!"), das Spiel sah dann stark nach Rückwärtsgang mit angezogener Handbremse aus.

Wenn all das nicht hilft, bleibt nur das Vergessen. Die Niederlage einfach ignorieren. Rigoros abstreiten, überhaupt in München gewesen zu sein. Und das Pokalspiel gegen Borussia Mönchengladbach gewinnen.

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