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P. Köster: Kabinenpredigt: Robert Lewandowski: Die kickende Ich-AG

Will der Bayern-Stürmer zu Real Madrid? Dann sollte er sich nicht mit Trainer Jupp Heynckes anlegen, meint stern-Stimme Philipp Köster.

Bayern-Torjäger in der Kritik: Lewandowski - Scheinriese oder Weltklasse-Stürmer?

Seit Anfang Oktober letzten Jahres ist wieder Trainer des FC Bayern München. Und in all diesen Monaten entfuhr dem Coach kein schlechtes Wort über einen seiner Schützlinge. Sogar nach dem Aus in der Königsklasse beklagte Heynckes zwar die individuellen Fehler, vermied aber jede personalisierte Kritik.

Bis zum Samstag. Da fand der Bayern-Coach klare Worte, ausgerechnet für den besten Torschützen der laufenden Bundesliga-Saison. war nämlich nach seiner Auswechslung im Spiel beim 1.FC Köln in der 77. Minute mit finsterer Miene an Trainer und Bank vorbeigestapft, nicht einmal den obligatorischen Handschlag wollte der Stürmer geben. Und er präsentierte so eine Eigenart, die Heynckes mehr als alles andere zuwider ist und die der Coach auch benannte. "Torjäger sind nun mal egoistisch und denken an ihre Torquote, aber Lewy hat es eingesehen."

Nun mag Lewandowski freundlich und verständnisvoll genickt haben, schon um seine Einsatzchancen für die kommenden zwei Spiele nicht zu schmälern. Man kann aber bezweifeln, dass die Heynckes-Ansprache den Stürmer dazu verleitet, künftig mehr an die Mannschaft und weniger an sich zu denken. Denn es gibt wenige Spieler, die Fußball so sehr als Business betrachten und so wenig übrig haben für die oft überbordenen Emotionen dieses Sports. Fans sind für den Stürmer Folklore, am Ende ist aus Lewandowskis Perspektive jeder Spieler eine kickende . "Fußball ist Kapitalismus pur, jeder will in dieser Branche Geld verdienen", konstatierte der Stürmer nassforsch im Herbst letzten Jahres in einem Spiegel-Interview.

Wohin zieht es Robert Lewandowski im Sommer?

Man könnte das leichte Zerwürfnis zwischen Coach und Stürmer als Petitesse abtun, wäre da nicht die offene Frage, wohin es Lewandowski noch so ziehen mag. Schließlich ist aktenkundig, dass der Stürmer noch einmal europäische Silberware gewinnen will. Dass der FC Bayern seit dem letzten Titelgewinn 2013, den Lewandowski als Spieler der Verlierermannschaft miterlebte, stets spätestens im Halbfinale die Segel streicht, hat beim Stürmer inzwischen für größeren Verdruss gesorgt.

Nicht ganz zufällig spukt daher auch immer wieder das Gerücht durch die Szene, nun sei es aber wirklich bald soweit mit dem Wechsel des Stürmers zu . Dafür aber müsste zweierlei passieren. Die Königlichen aus Madrid müssten erstens ein finanziell ernst zu nehmendes Angebot in München platzieren – nach der mauen Darbietung des Stürmers in beiden Halbfinals ist das zumindest nicht wahrscheinlicher geworden. Und zweitens müsste der FC Bayern seinen Stürmer dann ziehen lassen – auch das ist übers Wochenende nicht wahrscheinlicher geworden. Als Torlieferant ist Lewandowski nämlich für den Rekordmeister nach wie vor unentbehrlich. Niemand trifft so verlässlich wie der polnische Nationalstürmer.

Heynckes: "Der Boss bin ich – und sonst keiner"

Was nun passieren kann? Entweder reift bei Lewandowski rasch die Erkenntnis, dass die Chancen auf den Gewinn der Champions League anderswo auch nicht signifikant höher sind als bei den Bayern. Oder es beginnt das sattsam bekannte Schmierentheater wechselwilliger Profis, jener unschöne Mix aus provokativen Aktionen, demonstrativer Unlust und von den Beratern durchgestochenenen Wechselabsichten. Dann dürfte er spätestens im Sommer, wenn der europäischer Transfermarkt noch einmal heiß läuft, zu einem echten Problem für die Bayern werden, die dem neuen Trainer Niko Kovac ein solches Sommertheater ja gern ersparen würden.

In den letzten Spielen dieser Saison sollte sich Lewandowski jedoch hüten, noch einmal allzu mopsig zu werden. Denn mit dem aktuellen Trainer ist nicht zu spaßen. "Der Boss bin ich – und sonst keiner", konstatierte Heynckes mit eisiger Miene am Samstag. Auch das hat Lewandowski hoffentlich eingesehen.  

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