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Bundesliga im stern-Check: Der HSV? Nein. Der wahre Verlierer des Spieltags ist die Deutsche Fußball-Liga

Am vorletzten Bundesliga-Spieltag kamen die Fans voll auf ihre Kosten - doch das ist kein Grund zur Freude bei der Deutschen Fußball-Liga, ganz im Gegenteil.

Bundesliga im stern-Check: Der HSV? Nein. Der wahre Verlierer des Spieltags ist die Deutsche Fußball-Liga

Durch die vielen fernsehfreundlichen Anstoßzeiten werden jedes Jahr Millionen in die Kassen der Bundesliga-Vereine gespült. Aber die letzten beiden Spieltage zeigten weider einmal: Mehr Spaß macht der Bundesliga-Neunerpack samstags um 15.30 Uhr (Symbolbild)

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So liefen die Spiele in der Fußball-Bundesliga

Alle Ergebnisse des 33. Spieltages, die Tabelle und Highlights zum Nachlesen finden Sie hier im stern-Ticker.

Aufreger des Spieltags

In der Champions-League blass geblieben, in der sein 29. Saisontor geschossen, dann ausgewechselt und en passant viele Sympathien verspielt. Für Bayern-Stürmer Robert Lewandowski war es eine durchwachsene Woche. Unrühmlicher Höhepunkt am Samstag in der 78. Minute im Kölner Stadion. Für den 29-jährigen Polen betrat Sandro Wagner das Feld. Der ausgewechselte Topstar klatschte halbherzig mit Wagner und Co-Trainer Peter Hermann ab, ignorierte Chefcoach Jupp Heynckes sichtlich angefressen und verweigerte den Handschlag. Ein Affront gegen den Trainer, der ihn später öffentlich zurechtwies. "Die Auswechslungen beim FC Bayern nimmt immer der Trainer vor. Daran hat sich jeder Spieler zu halten. Der Boss bin ich, sonst keiner“, sagte Heynckes nach dem Spiel.

Den kleinen Disput werden auch die Bayern-Bosse mitbekommen haben. Wollte Lewandowski durch den Aufreger einen Wechsel vom deutschen Rekordmeister zu Real Madrid forcieren?

Gewinner des Spieltags

Es war das Comeback des 33. Spieltags: Eintracht Frankfurts "Fußballgott" Alex Meier sorgte nach seiner Einwechslung im Spiel gegen den nach fast einjähriger Verletzungspause für eine Eruption der Gefühle. Keine fünf Minuten auf dem Platz, traf der 35-Jährige zum 3:0-Endstand und ließ die Fans feiern. Geschichten, die nur der Fußball schreibt, heißt es in solchen Fällen ja so oft und auch Teamkollege Marco Russ hatte so eine Vorahnung: "Hätte ich in diesem Moment auf der Tribüne gesessen, dann hätte ich ein ganzes Vermögen darauf verwettet, dass Alex noch ein Tor macht, wenn er reinkommt", sagte er nach dem Spiel.

Die Frage ist nur: Darf Meier, dessen Vertrag ausläuft, jetzt doch noch in Frankfurt bleiben? "Ich bin schmerzfrei. Deswegen werde ich auch nächste Saison weiterspielen. Ich hoffe, dass das hier ist", sagte er. Sportchef Bobic meinte kühl: "Das wird bei uns intern besprochen. Wir werden aber schon den Realismus wahren und nicht die Fantasie und irgendwelche Herzgeschichten." Aus dem Gewinner könnte also doch noch ein Verlierer werden.

Twitter-Reaktionen 33. Spieltag: "Der HSV erinnert an den Typen, der immer nur Fünfen schreibt, aber nie sitzen bleibt"

Verlierer des Spieltags

In dieser Rubrik könnten wir natürlich wieder einmal den HSV nennen, dessen Chancen auf den Klassenerhalt nun minmal sind, oder auch den BVB, der am Ende einer mäßigen Sasion um den Einzug in die Königsklasse bangen muss. Aber an diesem vorletzten Spieltag soll die Deutsche Fußball-Liga ( ) diesen "Titel" bekommen - der Grund ist diesmal nicht der Videobeweis.

Selten macht die Bundesliga so viel Spaß wie an den letzten beiden Spieltagen einer Saison. Und nein, das liegt nicht nur an den anstehenden Entscheidungen, sondern in erster Linie daran, dass alle neun Partien zeitgleich stattfinden. Samstag, 15.30 Uhr. So lieben es nicht nur Fußball-Traditionalisten. Die Sky-Konferenz und auch die altehrwürdige Bundesliga-Konferenz der ARD-Radios laufen an diesen beiden Spieltagen zur Höchstform aus. Tooor in Dortmund, Tooor in Frankfurt, Tooor in Leipzig! Eine fast atemloser Ritt durch neun Stadien der Republik. Man mag sich kaum vom Fernseher oder Radio entfernen.

Am 33. und 34. Spieltag merken die Fans, was die inzwischen ausgeuferte Zerfledderung der Anstoßzeiten an den 32 übrigen Spieltagen angerichtet hat: teilweise gähnend langweilige Fußballnachmittage mit nur einer Handvoll Partien, dazu ewiges Warten auf die Ergebnisse der Konkurrenz, sodass alle (An-)Spannung verfliegt.

Eine Prognose wird erlaubt sein: Der DFL und den Clubs ist das wohl herzlich egal.

Dieses Tor sollten Sie (noch einmal) sehen

Satte 28 Tore fielen am 33. Spieltag, und der Auftakt zu dem Reigen war vielleicht sogar das schönste: Ridle Bakus Treffer zum 1:0 seiner Mainzer gegen fiel vor allem wegen der Vorarbeit von Jean-Philippe Gbamin. Nicht einmal vier Minuten waren gespielt, als der FSV mustergültig zum Konter ansetzte. Auf Höhe des Dortmunder Strafraums spielte Öztunali den Ball auf Gbamin, der mittig an der 16-Meter-Linie stand und den Ball elegant mit der Hacke auf Baku zurücklegte. Der zog trocken aus zwölf, 13 Metern ab und fand sich danach in der Traube seiner jubelnden Mannschaftskameraden wieder. Ob Gbamin bei seiner Vorlage tatsächlich wusste, dass Baku hinter ihm lauerte, sei einmal dahingestellt. Der 22-jähriger Ivorerer kann das Zuspiel für sich in jedem Fall als Geniestreich verbuchen.

Der Treffer war eine kalte Dusche für den BVB, von der sich die Elf Peter Stögers den Rest der Spielzeit nicht mehr erholte. 1:2 hieß es am Ende aus Sicht von Dortmund, das jetzt um die Champions-League-Teilnahme zittern muss.

Bild des Tages

Emotionen, Emotionen, Emotionen. Zum Saisonfinale gibt es traditionell viele Abschiede, den eindrucksvollsten gab es in Dortmund. Roman Weidenfeller wurde nach 16 Jahren als Torwart beim BVB mit Sprechchören, Bannern und tosendem Applaus verabschiedet, aber um einen Abschiedseinsatz vor heimischer Kulisse gebracht, da seine Mannschaftskollegen bis zum Ende zurücklagen. "Das ist kein echtes Happy End", stellte der 37-Jährige fest.

Roman Weidenfeller

"Danke Roman!" - Fans des BVB feierten ihren langjährigen Torwart Roman Weidenfeller zum Abschied

Getty Images
mit DPA-Material

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