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Schiedsrichter-Entscheidungen in der Bundesliga Frustrierte fordern Notbremse beim passiven Abseits


Nach dem Bundesliga-Wochenende mit einigen fragwürdigen Entscheidungen erregt das geltende Regelwerk erneut die Gemüter: Sollte das passive Abseits die Rote Karte bekommen? Und eine Notbremse nur noch Gelb?

Nach einem Wochenende voller zweifelhafter Entscheidungen auf dem Platz wollen Kritiker erneut dem Regelwerk ans Leder: Ziel sind zum wiederholten Male die Regularien, die den Schiedsrichtern offenbar zu viel Spielraum lassen: Wann ist eine Notbremse eine Notbremse und wann ist ein Abseits passiv?

"Es gibt eine Menge zu diskutieren. Das Wochenende stand im Zeichen des passiven Abseits", sagte Hannovers Chefcoach Mirko Slomka nach einem nicht gegebenen Treffer seines Spieler Sergio Pinto gegen Köln. "So war es in Bremen, in Mainz und jetzt hier."

Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel verteidigte die umstrittene Regel zum passiven Abseits: "Wir versuchen, uns damit zu arrangieren. Abseits ist immer schwierig, da wird es immer ein Grummeln geben", sagte der Vorsitzende der DFB-Schiedsrichter-Kommission.

"Die Grenzen haben sich verschoben"

Beim passiven Abseits waren die Bundesliga-Schiedsrichter in der Vergangenheit recht großzügig, wenn der betroffene Spieler nicht in die Spielsituation eingegriffen hat. Doch von der Besprechung des "Referee Assistence Program" von Fifa und Uefa im Mai in Düsseldorf haben DFB-Abteilungsleiter Lutz Michael Fröhlich und DFB-Lehrwart Lutz Wagner die Anweisung mitgebracht: "Wenn der im Abseits stehende Spieler das Spiel wieder kreuzt, soll eher die Fahne kommen." Das heißt, wenn ein im Abseits stehender Profi den Torwart oder einen Abwehrspieler nur leicht irritiert, wird abgepfiffen.

"Früher war fast alles Abseits", erklärte Wagner. "Jetzt haben sich die Grenzen verschoben. Einen Graubereich wird es immer geben. Das macht die eine oder andere Entscheidung schwierig."

Der Schiedsrichter-Lehrwart stellte am Montag die drei umstrittenen Szenen mit dem passiven Abseits vom Wochenende in das Videoportal für die Spielleiter. Dort werden immer zu Wochenbeginn die Partien aufgearbeitet. Richtig entschieden haben nach Ansicht Fandels die Unparteiischen in Mainz und Bremen.

"Das ist doch kein Lotteriespiel"

In Mainz erkannte Marco Fritz ein Tor des FSV-Profis Nicolai Müller nicht an, weil dessen Kollege Eric-Maxim Choupo-Moting im passiven Abseits stand. In Bremen zählte das 2:0 für Dortmund durch Patrick Owomoyela, obwohl sich Werder-Torwart Sebastian Mielitz durch BVB-Profi Robert Lewandowski beeinflusst sah.

Nicht eindeutig zu bewerten war laut Fröhlich die Entscheidung von Jochen Drees, der in der Partie 1. FC Köln - Hannover 96 dast Tor durch Sergio Pinto nicht gab, weil Didier Ya Konan Kölns Keeper Michael Rensing gestört haben soll. "Das ist ein Ermessensspielraum", meinte der frühere Bundesliga-Schiedsrichter. Der Mainzer Manager Christian Heidel dagegen wünscht sich eine klare Linie. "Das ist doch ein Lotteriespiel. Da ist ja allem Tür und Tor geöffnet, weil der Schiedsrichter - egal, wie er entscheidet - immer recht hat."

Unterdessen drängt Fröhlich auf ein Ende der Doppelbestrafung mit Roter Karte und Elfmeter für eine Notbremse. "Wir wünschen uns natürlich, dass es in absehbarer Zeit hierzu eine klare Regeländerung gibt, dass die Schiedsrichter nicht mit dieser Diskussion konfrontiert werden", sagte Fröhlich am Montag im ZDF-Morgenmagazin. Am Samstag hatte Peter Sippel den Schalker Torwart Ralf Fährmann gegen den 1. FC Kaiserslautern (1:2) nach einem Foul im Strafraum an Dorge Kouemaha vom Platz gestellt.

"Wir können unsere Schiedsrichter nicht in die Bredouille bringen, das bestehende Regelwerk insofern zu beugen, dass man sagt: Ich bin gefühlt der Meinung, hier ist eine Rote Karte zu viel", betonte Fröhlich und plädierte für eine Modifizierung. "Hier einen Strafstoß zu geben und allenfalls Gelb zu zeigen, ist völlig ausreichend."

Der DFB ist jedoch sowohl beim passiven Abseits als auch in der Frage Rot/Notbremse strikt an die Vorgaben des Weltverbandes Fifa gebunden.

fw/DPA DPA

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