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Wege aus dem Lockdown Ausgangssperren und Kontaktbeschränkungen: So beenden die EU-Staaten die Corona-Maßnahmen

"Surreale" Bilder: So ausgelassen feiert England das Ende vom harten Lockdown
Sehen Sie im Video: Öffnung statt Lockdown – Engländer feiern ausgelassen und mit viel Alkohol in Pubs.










Ausgelassene Stimmung und Party in London.


Deutschland diskutiert über einen harten Lockdown. England öffnet Pubs und Shops.


Unter großem Jubel und mit viel Alkohol feiern Londoner umfangreiche Corona-Lockerungen.


Shops und Außenbereiche der Gastronomie sind wieder offen. Mehr als drei Monate war das in England nicht möglich.


Trotz frostiger Temperaturen ist die Stimmung ausgelassen. Nur vereinzelt gibt es Verstöße und Festnahmen.


ZITAT: "Es fühlt sich surreal an – ein bisschen wie ein Dejavu. Wir haben schon so viele Male gestartet und wieder gestoppt. Es erinnert mich an den letzten Sommer."


England plant schon im Juli den landesweiten Lockdown beendet zu haben. Knapp 50 Prozent der Bevölkerung hat bereits die erste Covid-Impfung erhalten.
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Europa befindet sich mitten in der dritten Pandemie-Welle. Während Deutschland die Notbremse gezogen hat, planen die Nachbarn mit ersten Lockerungen.

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie haben die EU-Staaten unterschiedliche Herangehensweisen. Trotz teilweise hoher Inzidenzen läuten viele europäische Staaten bereits den Sommer ein. Ein Überblick:

Belgien: In den vergangenen Wochen galten in Belgien verschärfte Regeln. Seit Montag haben Geschäfte wieder ohne Terminvergabe geöffnet, Friseure dürfen wieder arbeiten. Im Freien dürfen sich zehn Personen mit Maske treffen. Ab dem 8. Mai dürfen Restaurants und Bars nach monatelanger Zwangspause wieder ihre Außenbereiche öffnen. Auch die nächtliche Ausgangssperre fällt dann weg. Die Zahl der Neuinfektionen hat sich zuletzt bei mehr als 400 pro 100.000 Einwohner am Tag eingependelt. Fast jeder dritte Erwachsene wurde bislang zumindest einmal geimpft. Lockerungen für Geimpfte stellt die belgische Regierung erst in Aussicht, wenn genug Personen aus Risikogruppen mit einem der Wirkstoffe immunisiert wurden und die Belastung auf den Intensivstationen sinkt. Noch müssen die Belgier keinen Impfpass als Beleg für die erfolgte Impfung vorlegen. 

Dänemark: Die Geschäfte haben längst wieder geöffnet und die Straßen sind voller Menschen. Cafés, Restaurants und Bars dürfen seit einer Woche wieder Kunden bedienen – im Inneren allerdings nur, wenn die Gäste per App einen negativen Corona-Test, eine Impfung oder eine überstandene Infektion nachweisen können. Dabei fällt auf: Die dänischen Neuinfektionszahlen sind stabil niedrig geblieben, liegen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100 seit langem unverändert unter den deutschen Werten. Dänemark verzichtet als einziges EU-Land auf den Einsatz des Impfstoffs von Astrazeneca. Trotzdem sind knapp 22 Prozent der Gesamtbevölkerung mindestens einmal geimpft. Vollständig geimpfte Bürger dürfen sich untereinander ohne Maske und Abstandsregelung treffen. Stehen Geimpfte in Kontakt mit Corona-Erkrankten, müssen sie sich nicht in Quarantäne begeben. Auch die Testpflicht entfällt. Für Reisende aus der EU und den Schengen-Staaten entfällt ab dem 1. Mai die Test- und Quarantänepflicht – vorausgesetzt, sie sind vollständig geimpft.

Frankreich: Sofern es die Lage zulässt, sollen Anfang Mai die Bewegungseinschränkungen aufgehoben werden. Aktuell dürfen sich die Menschen nur mit triftigem Grund mehr als zehn Kilometer von ihrer Wohnung entfernen. Außerdem könnten Außenbereiche von Restaurants und bestimmte Kultureinrichtungen wieder öffnen. Auch über eine Lockerung der abendlichen Ausgangssperre, die aktuell um 19 Uhr beginnt, wird gesprochen. Die Corona-Lage ist allerdings weiter angespannt. Zuletzt gab es rund 300 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und sieben Tage. Rund ein Fünftel der Bevölkerung wurde mindestens ein Mal geimpft.

Großbritannien: In Großbritannien hat sich die Corona-Lage dank eines langen, konsequenten Lockdowns und der weit fortgeschrittenen Impfkampagne mittlerweile deutlich entspannt. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist bereits einmal geimpft, ein Viertel sogar vollständig. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag zuletzt bei rund 25 Fällen pro 100.000 Einwohnern. Pubs und Restaurants dürfen in England und Wales draußen wieder Gäste empfangen, in Schottland sogar bis abends auch drinnen. Geschäfte, Fitnessstudios, Friseure und Zoos sind weitgehend wieder geöffnet. Treffen in Innenräumen und Reisen ins Ausland bleiben allerdings noch bis mindestens Mitte Mai verboten. Für Geimpfte gelten allerdings weiterhin dieselben Regeln wie für nicht geimpfte Personen.

ItalienDas Land befindet sich seit kurzem auf einem schrittweisen Lockerungskurs. Wo die Corona-Zahlen moderat sind, dürfen Restaurants und Bars auch abends im Außenbereich an Tischen servieren. Ab 22 Uhr gilt das Ausgangsverbot. Museen und Kinos in den sogenannten Gelben Zonen haben bereits geöffnet. Ab 1. Juni soll man in Lokalen wieder drinnen sitzen dürfen. Italien peilt den 2. Juni für den Start der Sommersaison an. Das Reisen im Land ist noch teils eingeschränkt, aber mit Impfung oder negativem Corona-Test soll es bald leichter werden, selbst in höhere Risikozonen zu fahren. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag zuletzt bei etwa 160. Über 22 Prozent der Bevölkerung sind mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft.

Malta: Der Inselstaat will ab dem 1. Juni für den internationalen Tourismus öffnen. Schon ab dem 10. Mai dürfen Restaurants wieder Besucher willkommen heißen und bis 17 Uhr an Tischen bedienen. Das Besondere: Mehr als 40 Prozent der Gesamtbevölkerung haben bislang zumindest eine Impfung bekommen. Die Regierung will geimpfte Ausländer in Kürze mit einer Vorzugsbehandlung ins Land locken.

NiederlandeDie Niederlande haben am Mittwoch trotz anhaltend hoher Corona-Zahlen die ersten Maßnahmen seit dem strengen Lockdown von Mitte Dezember gelockert. Die abendliche Ausgangssperre ist abgeschafft, Geschäfte dürfen wieder Kunden ohne Termin empfangen und Gaststätten im Außenbereich unter Auflagen wieder Gäste bedienen – zumindest von 12 bis 18 Uhr. Zuhause darf man wieder zwei statt bisher einen Besucher am Tag treffen. Verboten bleiben alle Veranstaltungen mit Publikum wie etwa Museen, Kinos und Theater. Schüler und Studenten haben zumindest an einem Tag in der Woche Präsenzunterricht. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag bei 317. Rund 30 Prozent der Bevölkerung wurde mindestens einmal geimpft.

Österreich: Ab 19. Mai dürfen Gastronomie, Hotels, Bühnen und Sporteinrichtungen wieder die Pforten öffnen. Dabei setzt die Regierung auf den Grünen Pass als Schutzmaßnahme. Er enthält Informationen darüber, ob eine Person negativ getestet, genesen oder geimpft ist. Veranstaltungen sind draußen auf 3000 und drinnen auf 1500 Personen beschränkt. In und rund um Wien gilt derzeit ein noch strengerer Lockdown, weswegen die meisten Geschäfte bis Sonntag noch geschlossen sind. Die 7-Tage-Inzidenz sank landesweit zuletzt auf 168. Rund 28 Prozent der Einwohner ab 16 Jahren haben mindestens eine Impfdosis erhalten.

Polen: Schrittweise Öffnungen sind geplant. Zuerst sollen etwa Einkaufszentren und Museen unter Hygieneauflagen wieder öffnen dürfen. Vom 8. Mai an dürfen Hotels Gäste bis zu einer Auslastung von 50 Prozent beherbergen. Die Außengastronomie soll ab dem 15. Mai starten. Ab dem 29. Mai soll der Restaurantbetrieb in Innenräumen mit halber Auslastung möglich sein. Das Gesundheitsministerium meldete am Mittwoch 8895 registrierte Neuinfektionen und 636 Todesfälle innerhalb von 24 Stunden, eine Sieben-Tage-Inzidenz wird in Polen nicht berechnet. Etwa 10,7 Millionen Menschen – also 28,2 Prozent der Bevölkerung – sind mindestens ein Mal geimpft. Für Reisende entfällt die Quarantänepflicht, wenn sie gegen Corona geimpft sind oder einen negativen Coronatest vorlegen. Dieser darf nicht älter als 48 Stunden sein.

Schweiz: Bereits seit Anfang März haben Läden, Museen und Bibliotheken trotz steigender Infektionszahlen wieder geöffnet. Seit 19. April sind auch Restaurantterrassen, Kinos, Theater und Fitnesszentren wieder in Betrieb. Auch Open-Air-Konzerte und Fußballspiele dürfen wieder stattfinden. Dabei gelten Hygieneregeln wie etwa eine Begrenzung der Anzahl von Anwesenden oder die Maskenpflicht. Seit Ostern – vier Wochen nach der Öffnung von Läden und Museen – ist der Anstieg allerdings nur noch sehr gering. Anders als in anderen Ländern wird in der Schweiz eine 14-Tage-Inzidenz berechnet. Laut Bundesamt für Gesundheit lag sie am Mittwoch bei 315 Neuansteckungen pro 100.000 Einwohner. Nach jüngsten Zahlen war knapp zehn Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Für sie entfällt damit die Quarantänepflicht nach dem Kontakt mit einer infizierten Person. Die Quarantänepflicht für Reiserückkehrer aus einem Risikoland bleibt bestehen. Auch vollständig geimpfte Bürger in der Schweiz müssen sich weiterhin testen, Fällt der Coronatest positiv aus, müssen sich auch Geimpfte isolieren.

Slowakei: Vor eineinhalb Wochen haben die Geschäfte unter Einhaltung strenger Hygiene- und Abstandsregeln wieder geöffnet. Gastronomiebetriebe dürfen seit Montag wieder in ihren Außenbereichen Speisen und Getränke servieren. Bei professionellen Sportveranstaltungen sind seit Dienstag auch wieder Zuschauer erlaubt. Die Zahl der Neuansteckungen ist rückläufig und gemessen an der Einwohnerzahl inzwischen auch deutlich unter den Zahlen für Deutschland. Bis Mittwoch wurden nach offiziellen Angaben rund 20 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal geimpft.

Spanien: Die Lage in Spanien ist relativ stabil, die Sieben-Tage-Inzidenz lag am Mittwoch bei 108. Bisher hat 23 Prozent der Bevölkerung mindestens eine Impfung erhalten. Am 9. Mai endet der Corona-Notstand und soll wegen der guten Entwicklung nicht verlängert werden. Damit entfällt die Grundlage für die meisten Maßnahmen wie Reisebeschränkungen, nächtliche Ausgangssperren, Obergrenzen bei Versammlungen und Schließung von Gaststätten. Wie es danach weitergehen soll, ist noch nicht klar. Alle Hoffnungen des extrem vom Tourismus abhängigen Landes für eine wieder normale Sommersaison richten sich auf den digitalen Impfpass. Menorca, Mallorca und Ibiza wollen im Mai ein Pilotprojekt starten, wonach geimpfte Reisende keinen negativen Corona-Test mehr vorweisen müssen. Als Beleg gilt der Impfpass.

cl/dpa

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