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Schiedsrichter Rafati: Korrekt und unbeliebt

Bei Fans und Spielern stand Babak Rafati in der Kritik. Jetzt wurde der Schiedsrichter mit aufgeschnittenen Pulsadern aufgefunden. Wer ist der Mann, dessen Suizidversuch den deutschen Fußball schockt?

Von Katharina Miklis

Etwa 90 Minuten vor dem Spiel steht er normalerweise schon auf dem Platz. Er kontrolliert den Rasen, schaut nach dem Rechten. So erklärte Schiedsrichter Babak Rafati einmal Kindern in einer Broschüre seinen Job. Am Samstag jedoch war Rafati vor dem Anpfiff des Spiels Köln gegen Mainz nicht im Stadion. Er lag in der Badewanne eines Kölner Hotels, mit aufgeschnittenen Pulsadern.
Wenige Stunden danach kann über die Beweggründe des 41-Jährigen für den Suizidversuch nur spekuliert werden. Fakt ist: Der Deutsch-Iraner stand auf dem Platz massiv unter Druck. Von Bundesligaprofis wurde er regelmäßig zum schlechtesten Schiedsrichter gewählt. In Foren echauffierten sich Fans über den Referee. Die Kritik ging so weit, dass dem DFB vorgeworfen wurde, Rafati würde nur wegen seiner iranischen Abstammung, nicht wegen seiner Leistung auf der internationalen Fifa-Liste stehen. Es ist nur wenige Wochen her, da wurde Rafati von der Fifa-Liste gestrichen. Eine "altersbedingte Umstrukturierung", so der DFB.

Wer ist der Mann, der auf dem Platz so umstritten war? Eigentlich wäre er selbst gerne Fußballer geworden. Schon als Kind wollte der Sohn eines Iraners auf dem grünen Platz stehen. Für Babak Rafati war das "ein Traum, eine Vision", wie er mal in einem Interview mit der Deutschen Welle verriet. Denn als Spieler hat sein Talent für die Bundesliga nie gereicht. Und so konzentrierte er sich auf sein zweites Hobby: Börse und Wirtschaft.

Rafati machte eine Ausbildung als Bankkaufmann. Heute leitet der 41-Jährige eine Filiale der Sparkasse in Hannover, wo er mit seiner Lebensgefährtin lebt. Dem Fußball blieb er immer treu: Seit er 16 Jahre alt war, pfeift er als Unparteiischer bei Fußballspielen, seit 2005 in der ersten Bundesliga. Seit 2008 stand Rafati auf der Liste des Fußball-Weltverbandes Fifa und durfte somit auch internationale Spiele pfeifen. Bis zum heutigen Tag leitete er 84 Bundesliga-Spiele, 17 Mal den DFB-Pokal.

Rafati kam in dieser Bundesliga-Spielzeit bisher vier Mal als Schiedsrichter zum Einsatz. Zuletzt leitete er am 15. Oktober die Partie Stuttgart gegen Hoffenheim (2:0). Der "Kicker" attestierte Rafati in diesem Spiel eine mittelprächtige Leistung, kritisierte allerdings: "ohne Linie in der Beurteilung von Zweikämpfen".

Kritik von Fans und Bundesligaprofis

Der Hannoveraner, der einen Teil seiner Kindheit mit den Eltern in Teheran verbracht hat, betonte stets, sowohl deutsch als auch iranisch zu sein. Gerade wenn es um Disziplin und Pünktlichkeit gehe, so verriet er der Deutschen Welle, spüre er verstärkt den Deutschen in sich. Babak Rafati ist ein ordnungsliebender Mensch. Sehr penibel. Sehr korrekt.

Nicht jeder kommt mit dieser Korrektheit klar. In der vergangenen Saison ist Rafati in einer Umfrage des "Kicker" von den Bundesligaprofis hinter Wolfgang Stark zum zweitschlechtesten Schiedsrichter der Hinrunde gewählt worden. Es war nicht das erste Mal, das Rafati in dieser Liste auftauchte. Dreimal ist er in den vergangenen vier Jahren der schlechteste gewesen. Wiederholt stand er wegen spielentscheidender Fehlentscheidungen in der Kritik - bei Fans und Vereinen.

Von der Fifa-Liste gestrichen

"Warum mag keiner Schiri Rafati?", fragte die "Bild"-Zeitung im vergangenen Jahr, als es Rafati mal wieder auf die Liste schaffte. Mainz-Manager Christian Heidel suchte nach einer Erklärung: "Er wirkt mit seiner Art und seiner Gestik manchmal etwas arrogant."

Ob die Kritik an seiner Arbeit und der massive Druck in der Bundesliga etwas mit Rafatis Selbstmordversuch zu tun haben, darüber kann man momentan nur spekulieren. Gegen Mittag wurde er in einer Badewanne im Hyatt-Hotel in Köln-Deutz mit aufgeschnittenen Pulsadern aufgefunden. Rafati befindet sich mittlerweile außer Lebensgefahr.

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