Schiedsrichter-Skandal Zwei Festnahmen im Fall Hoyzer


Der Skandal um den Fußball-Schiedsrichter Robert Hoyzer zieht immer weitere Kreise: Er sagte, weitere Unparteiische und auch Spieler seien darin verstrickt. Und in Berlin wurden zwei Männer festgenommen.

Einen Tag nach dem Manipulations-Geständnis hat Robert Hoyzer vor der Berliner Staatsanwaltschaft zum ersten Mal Einzelheiten enthüllt und damit dem größten Fußball-Skandal seit 34 Jahren eine neue Dimension gegeben. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" erklärte er, dass weitere Schiedsrichter und auch Spieler in den Skandal verwickelt seien. Er selbst habe drei Spiele manipuliert und dafür mehr als 50.000 Euro kassiert, gestand Hoyzer laut "SZ". Eine Bestätigung der Staatsanwaltschaft für den Bericht lag zunächst nicht vor.

Hoyzer gestand laut "SZ" auch, bei der Geldübergabe an andere Schiedsrichter dabei gewesen zu sein, zudem habe er von Zahlungen an Spieler gehört. Von anderen Schiedsrichtern und Spielern sollen nach Aussagen des 25-jährigen Berliners Begegnungen der 2. Bundesliga manipuliert worden sein. Hoyzer habe vor den Ermittlern bestätigt, dass ihm das Geld von Mitgliedern einer kroatischen Wettmafia zugeschoben worden sei.

Festnahmen in Berlin

Unterdessen hat die Berliner Polizei am Abend bei Durchsuchungen im Zusammenhang mit dem Skandal zwei Personen festgenommen. Dies bestätigte Justizsprecher Michael Grunwald. Nach Angaben der "Berliner Morgenpost" hatte ein großes Aufgebot der Polizei ein Cafe in Charlottenburg durchsucht. Dort soll Hoyzer die Manipulationen mit zwei kroatischen Gastronomen besprochen haben.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) war von Hoyzers Aussage vor der Staatsanwaltschaft nicht informiert. "Davon war mir nichts bekannt. Ich wünschte mir sehnlichst, die schriftliche Stellungnahme von Hoyzer in Händen zu halten", sagte der Geschäftsführende DFB- Präsident Theo Zwanziger der dpa. Dann könnte der Kontrollausschuss seine Arbeit fortsetzen. "Bis dahin möchte ich mich nicht an Spekulationen beteiligen", meinte Zwanziger.

Wettanbieter erstattet Anzeige gegen Hoyzer

Bundesinnenminister Otto Schily sprach am Rande eines EU- Ministertreffens in Luxemburg von einem "ganz schlimmen und skandalösen Vorgang". Besondere Sorge mache ihm die mögliche Verbindung zur organisierten Kriminalität. CDU-Chefin Angela Merkel forderte vom DFB, "diese ungeheuerlichen Vorgänge restlos aufzuklären". Mit Oddset erstattete am Freitag der erste Wettanbieter Strafanzeige wegen Betrugs gegen Hoyzer. Das staatliche Unternehmen bezifferte den erlittenen Gesamtschaden auf eine Million Euro.

Schiedsrichter-Ringtausch

Der DFB nahm als erste Konsequenz einen kompletten kurzfristigen Ringtausch seiner Schiedsrichter für das Bundesliga-Wochenende vor. Die vier Berliner Unparteiischen, die als Zeugen den Fall ins Rollen gebracht hatten, erhielten mit dem Hinweis auf die "Fürsorgepflicht" des Verbandes und "aus Sicherheitsgründen" eine Einsatzpause. Als erster Bundesliga-Verein erteilte Hertha BSC seinen Profis ein generelles Wettverbot.

Theo Zwanziger appellierte an die Fußball-Fans, sie sollten "gerade am Wochenende in den Stadien und auf den Sportplätzen in ganz Deutschland die Leistungen der Schiedsrichter mit Respekt begleiten". Liga-Präsident Werner Hackmann forderte in einem offenen Brief alle Profivereine zur Unterstützung der Schiedsrichter auf: "Verfehlungen Einzelner dürfen nicht zur Sippenhaft des Ganzen führen."

Druck von der Fifa

Unterdessen wuchs der öffentliche Druck auf den DFB, den Skandal rücksichtslos aufzuklären und die richtigen Konsequenzen zu ziehen. An die Spitze der Kritiker setzte sich Weltverbands-Präsident Joseph Blatter. Die Fifa sei "schockiert", dass Hoyzers "Machenschaften für so eine lange Zeit unentdeckt geblieben sind", meinte der Schweizer. Blatter forderte den DFB auf, den Weltverband ständig über den Stand der Ermittlungen auf dem Laufenden zu halten.

Das Ermittlungsverfahren des DFB-Kontrollausschusses, der am Freitag keine weiteren Zeugen verhört hat, beschränkt sich weiterhin auf sechs Spiele im DFB-Pokal, der 2. Bundesliga und der Regionalliga. Dabei soll Hoyzer stets versucht haben, Spiele zu manipulieren, um Resultate zu erzielen, auf die zuvor hohe Wetteinsätze getätigt worden waren.

Wiederholungen möglich

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hält wegen der Betrugs-Affäre Wiederholungen von Spielen der laufenden Saison für möglich und schließt finanzielle Entschädigungen für Vereine nicht grundsätzlich aus. Der staatlichen Lotteriegesellschaft München ist durch die Spiel- Manipulation ein Schaden von über einer Million Euro entstanden.

Der DFB kennt noch nicht das gesamte Ausmaß der Manipulationen. Für Partien der laufenden Saison halte er es für möglich, dass das DFB-Sportgericht "unter Umständen Spiele, die manipuliert sind, neu ansetzt", sagte DFB-Präsidenten Theo Zwanziger am Freitag im Deutschlandfunk.

Oliver Hartmann/DPA, mit Material von Reuters DPA

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